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Simon (Meier, Meir) Schäler

   
geboren am 17.03.1868 in Schwanfeld
Straße  Beim Grafeneckart  13
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum19.09.1943
TodesortTheresienstadt
   
deportiert am 23.09.1942 nach Theresienstadt und dort am 19.09.1943 ermordet
   
Simon Schäler kam 1868 in Schwanfeld zur Welt. Seine Eltern waren der Häutehändler Moses Schäler und dessen Frau Babette, geb. Ackermann. Seine Eltern hatten 1854 in Schweinfurt geheiratet. Simon wuchs in einer kinderreichen Familie auf und blieb mit seinen Geschwistern Amalie (Jg.1859), Leo (Jg.1861), Gertraud (Jg.1866) und Berta (Jg.1873) sein Leben lang eng verbunden. Von seinen zwei anderen Brüdern Salomon und Emanuel findet sich in Würzburg keine weitere Spur.

Beruflich trat Simon in die Fußstapfen seines 1892 verstorbenen Vaters und ergriff wie er den Beruf des Häutehändlers. 1903 zog er nach Würzburg und gründete dort mit einem seiner Brüder die Häute- und Fellhandlung „Gebrüder Schäler“. Von 1904 bis 1907 befand sich das Geschäft in der Pleichertorstraße 2, danach in der gleichen Straße im Haus Nr. 4, wo Simon Schäler bis 1913 auch wohnte. Zwei Jahre zuvor war er alleiniger Inhaber der Firma geworden und im Jahr 1916 erwarb er schließlich das Bürgerrecht. Mit seiner Mutter Babette und der Schwester Gertraud lebte er ab 1913 in der Domstraße 16, die 1937 in „Beim Grafeneckart“ umbenannt wurde. Die beiden Frauen waren 1913 von Schwanfeld nach Würzburg gezogen. Ab dem Jahr 1917 wohnte auch sein Bruder Leo, seit 1936 die Schwester Amalie, genannt Mali, bei ihm. Die Mutter Babette starb 1928.

Um 1938 musste Simon Schäler sein Geschäft auf Druck der Nationalsozialisten aufgeben. Das Anwesen mit Wohnungen in der Pleichertorstraße vermietete er für eine Jahresmiete von 1800 Reichsmark, die ein Mieter des Hauses für ihn einzog. Noch im gleichen Jahr versuchte der 70-jährige Simon mit seinem sieben Jahre älteren Bruder Leo vergeblich nach England zu emigrieren. Die sogenannte Reichsfluchtsteuer in Höhe von 27.000 Reichsmark musste er trotzdem bezahlen. Im Frühjahr oder Sommer 1942 zog Simon Schäler mit seinen Geschwistern Leo und Gertraud ins jüdische Altersheim in der Konradstraße 3, wo das nationalsozialistische Regime vor allem ältere jüdische Menschen zwangsweise unterbrachte. Die Schwester Amalie war bereits ein Jahr zuvor dorthin gebracht worden.

Am 23. September 1942 wurde Simon Schäler zusammen mit seinen Geschwistern nach Theresienstadt deportiert. Nach fast einem Jahr in Theresienstadt starb er am 19. September 1943 aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 11935;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 504;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/963526 (22.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09. – 24.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-21.jpg (22.06.2016).
Autorin / Autor Gabriele Ulm
Paten Herr Heinrich Dhom
   
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