Heinrich Leib

   
geboren am 02.07.1880 in Krefeld
Straße  Ludwigstraße 23 a
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
TodesortRiga-Jungfernhof oder in der Nähe
   
deportiert am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof und im Winter 1941/42 dort oder in der Nähe ermordet
   
Heinrich Leib wurde am 2. Juli 1880 als Sohn von Aron und Berta Leib, geb. Bernd, in Krefeld geboren und war nach seiner Ausbildung dort als Kaufmann tätig.
Im Dezember 1915 trat Heinrich Leib in den Militärdienst ein und nahm bis März 1918 an verschiedenen Stellungskämpfen und Gefechten an der Westfront teil. Im November 1918 wurde er zum Gefreiten befördert und dann mit dem Ehrenkreuz für Frontkämpfer ausgezeichnet. Er trat dem „Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten“ bei.
Nach Hause zurückgekehrt, heiratete Heinrich Leib 1920 die Würzburger Damenschneiderin Lina, geb. Ottensoser (geb. 1882). Die Familie wohnte in Krefeld, wo auch Tochter Anneliese 1922 als einziges Kind des Paares auf die Welt kam. 1934 zog die Familie von Krefeld nach Würzburg um, wo auch zwei Schwestern von Lina Leib lebten. Lina nahm ihre Tätigkeit als Damenschneiderin wieder auf.
Heinrich Leib arbeitete als Kaufmann und Vertreter für Farben und Lacke bei David Birk & Co. in Heidingsfeld. Im April 1939 erbat er die Ausstellung eines Passes zur Auswanderung nach Cincinnati (Ohio, USA) über Kuba. Dort lebten zwei Geschwister seiner Frau. Der Pass wurde ihm genehmigt. Seine Frau sollte später nachkommen. Im Mai 1939 reiste Heinrich Leib von Hamburg aus mit dem Schiff "Saint Louis" ab in Richtung Kuba. Doch das mit 900 jüdischen Flüchtlingen an Bord beladene Schiff trieb trotz gültiger Einreisepapiere wochenlang im Karibischen Meer. Kuba hatte die Einreisevisa für ungültig erklärt, und es konnte kein anderes Land gefunden werden, das die Flüchtlinge aufnehmen wollte. Das Schiff musste nach Hamburg zurückkehren.
Trotz angeschlagener Gesundheit wurde Heinrich Leib nach seiner Rückkehr zur Zwangsarbeit verpflichtet und musste als Hilfsarbeiter bei der Stadt Würzburg und bei den Firmen Heider und Löhe & Co. arbeiten. Seine Frau war weiter als Damenschneiderin tätig und gab Privatkurse für Berufsschülerinnen. Die Tochter Anneliese lebte seit etwa 1940 in Berlin und heiratete einen Herrn Maschke (vermutlich Leo Maschke, geb. 1916). Beide wurden im Januar 1943 nach Auschwitz deportiert.
Zu diesem Zeitpunkt lebten Heinrich Leib und seine Ehefrau Lina bereits nicht mehr. Sie waren am 27. November 1941 über Nürnberg nach Riga-Jungfernhof deportiert worden. Dort starb Heinrich im Winter 1941/42 an Hunger, Krankheiten oder aufgrund der Kälte oder wurde im Zuge der Massenerschießungen in den Wäldern der Region ermordet. Auch seine Frau und seine Tochter überlebten die Deportationen nicht.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 5858;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T.1, S. 339;
Memorial Book Victims of the Persecution of Jews under the National Socialist Tyranny 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/909711 (02.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=leib&s_firstName=heinrich&s_place=&itemId=9693621&ind=2&winId=-421745801825558586 (02.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg3.jpg (02.06.2016).
Autorin / Autor Silke Krämer
Paten Herr Stefan R. Römmelt
   
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