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Hans-Heinz Ehrenbacher

 
geboren am 29.11.1925 in Nürnberg
Straße  Max-Reger-Straße 10
Stadtteil Frauenland
Deportationsdatum10.08.1942
Todesdatum30.09.1942
TodesortAuschwitz
   
im Dezember 1938 nach Holland emigriert und dort 1942 verhaftet; über das Lager Westerbork nach Auschwitz deportiert und dort nach wenigen Wochen ermordet
   
Hans-Heinz Ehrenbacher wurde am 29. November 1925 als Sohn von Ludwig Ehrenbacher (1884-1933) und seiner Frau Else (1892-1943), geb. Selig, in Nürnberg geboren. Mit seiner Mutter und den zwei Schwestern Anne (-Lore) (geb. 1920) und Annemarie (geb. 1922) zog er 1933 in die Heimatstadt der Mutter, nach Würzburg.
Denn am 7. Mai 1933 war sein Vater mit nur 49 Jahren gestorben. Dr. Ludwig Ehrenbacher arbeitete als Anwalt in Nürnberg und stand wie sein Sozius Fritz Moritz Wertheimer der SPD nahe. Ein Zusammenhang zwischen seinem politischen Engagement, der ersten Welle der Verfolgung von politischen Gegnern und Juden durch die NS und seinem frühen Tod wurde bislang vermutet. Die Todesursache war jedoch ein Lymphom.
Hans besuchte vermutlich zunächst eine allgemeine Volksschule, da die Familie der Jüdischen Gemeinde eher fern stand. Wie andere Kinder dürfte er jedoch Mitte der 1930er Jahre von dort vertrieben worden sein und hat dann vermutlich seine Schulausbildung an der Jüdischen Volks- und Berufsschule in Würzburg fortgesetzt.
Kurz nach den erschreckenden Ereignissen der Reichspogromnacht im November 1938 entschloss sich die Großmutter der Ehrenbacher-Geschwister, Karoline Selig (1868-1950), geb. Stern, Deutschland zu verlassen, und zog im Dezember zu ihrer älteren Tochter Paula Sinzheimer (1890-1960) in die Niederlande. Der 13-jährige Hans-Heinz begleitete sie am 26. Dezember 1938. Auch seine Schwester Annelore verließ im April 1939 Deutschland in Richtung England. Ob Hans-Heinz in Amsterdam weiter zur Schule ging, eine Ausbildung machte oder was auch immer – wir wissen es nicht. Ein Foto, das bislang seiner Schwester Annemarie zugeschrieben wurde, zeigt ihn jedenfalls zu einem unbekannten Zeitpunkt an einer Werkbank.
Paula und ihr zweiter Mann Hugo Sinzheimer (1875-1945), ein führender SPD-Politiker, lebten bereits seit 1933 in Amsterdam. Hugo Sinzheimer unterrichtete als Jura-Professor an den Universitäten von Leiden und Amsterdam und wurde bald nach dem Einmarsch der deutschen Truppen im Sommer 1940 verhaftet. Er kam jedoch nach einigen Monaten Ende November wieder frei.
Sein Neffe Hans hatte weniger Glück: Eine Razzia im August 1942 auf der Rubensstraße, wo die Familie lebte, wurde ihm zum Verhängnis. Man sperrte ihn im Sammellager Westerbork ein, von wo er am 10. August 1942 nach Auschwitz deportiert wurde. Nach wenigen Wochen Zwangsarbeit ist er dort gestorben und am 30. September 1942 für tot erklärt worden.
Nach dem Abtransport von Hans ging die Familie Sinzheimer zusammen mit Karoline Selig in den Untergrund, darunter Ursula Doris, eine der Töchter von Paula Sinzheimer, die Kunst studierte und 1942 die Zeichnung von Hans-Heinz anfertigte. Das Versteck der Familie und deren Versorgung war mit der Hilfe einer mutigen Studentin organisiert worden. So konnte die ganze Familie überleben.
Für den in Würzburg zurück gebliebenen Teil der Familie gilt das nicht: Else und Annemarie Ehrenbacher wurden am 17. Juni 1943 mit dem letzten größeren Transport ebenfalls nach Auschwitz gebracht und dort wohl kurz nach der Ankunft ermordet. Hans Schwester Annelore war noch 1941 von England in die USA gezogen und heiratete bald darauf mit Walter Reis einen Jugendfreund aus Würzburg.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 126, 547, 564; die Information, dass Hugo Sinzheimer bis zum Ende des Krieges im Lager Theresienstadt gefangen gehalten wurde, ist nicht korrekt;
Reinhard Weber, Das Schicksal der jüdischen Rechtsanwälte in Bayern nach 1933, Oldenburg 2006, S. 115, 273;
Familienüberlieferung (Judy Suzanne Reis Tsafrir; Hugo Postma);
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de859881 (19.05.2016);
Joodsmonument, Datenbank der Opfer der Shoa aus den Niederlanden, https://www.joodsmonument.nl/en/page/174460/hans-heinz-ehrenbacher (19.05.2016);
Dokin - Duitse Oorlogskinderen in Nederland, http://www.dokin.nl/deceased-children/hans-heinz-ehrenbacher-born-29-nov-1925 (07.12.2016).

Foto: Hugo Postma
Autorin / Autor Rotraud Ries
Paten Herr Klaus Wenger, Erwin Vollmuth
   
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