Irma Selig, geb. Bing

   
geboren am 22.01.1899 in Fürth/Mfr.
Straße  Crevennastraße 11
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatum26.03.1942
TodesortWald von Bikernieki bei Riga
   
Am 27.11.1941 über Nürnberg nach Riga deportiert und im Rahmen der „Aktion Dünamünde“ im Wald von Bikernieki ermordet.
   
Irma wurde 1899 als einziges Kind von Max Bing und Paula, geb. Midas, in Fürth geboren. Dort war der Vater Teilhaber der Fa. S. Bing, chromolithische Kunstanstalt, Fürth, die hochwertige, auch farbige Kunstdrucke, Plakate, Lithographien etc. herstellte.

Irma Bing arbeitete als Sozialbeamtin und Wohlfahrtspflegerin, als sie im April 1930, kurz nach dem relativ frühen Tod ihrer Eltern, in Fürth Alfred Selig heiratete. Das Paar ließ sich in Würzburg in der Crevennastr. 11 nieder, wo im Dezember 1930 ihr erster Sohn Ferdinand Max und im Mai 1933 ihr zweiter Sohn Friedrich geboren wurde.

Irma Selig wurde aktives Mitglied des jüdischen Turn- und Sportvereins, aus dem sie sich jedoch 1935 wieder abmeldete. Im Herbst 1938 lebte sie kurzzeitig mit Mann und Kindern in Fürth in der Hornschuhpromenade 2 bei ihrem Verwandten Arnold Bing – an der Adresse, an der sie auch 1930 schon gewohnt hatte. Hier erlebte sie die Pogromnacht, in der ihr Mann verhaftet und ins KZ Dachau verschleppt wurde. Nach seiner Entlassung kehrte die Familie im Dezember 1938 nach Würzburg zurück. Im gleichen Jahr hatten die Seligs zum ersten Mal die Auswanderung in die USA beantragt, wo Irmas Onkel Lothar Midas wohl schon lebte.

Bereits Anfang 1939 musste die Familie in die Bibrastr. 6, eines der Würzburger Sammelquartiere für Juden umziehen. Dort mühten sie sich weiterhin um die Auswanderung in die USA – letztlich vergeblich. Denn am 23. November 1941 wurde Irma und ihrer Familie die „Evakuierung“ eröffnet. Drei Tage später mussten sie sich in der Stadthalle Würzburg einfinden, um am 27. November mitten in der Nacht vom Güterbahnhof Aumühle nach Nürnberg und zwei Tage später von dort ins Lager Riga-Jungfernhof deportiert zu werden. Dort kam der Zug am 2. Dezember an.

Irma Seligs Mann und die zwei Söhne überlebten die unmenschlichen Lebensbedingungen im Lager Jungfernhof oder die Massenerschießungen in seiner Umgebung im Winter 1941/42 nicht. Irma selbst wurde am 26.03.1942 in der letzten „Dünamünder Aktion“ im Wald von Bikernieki erschossen.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapo 14 170;
Stadtarchiv Fürth, Adressbücher 1901-1935 (mit Lücken, da nicht mehr vorhanden);
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 545;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/959762 (23.06.2016);
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Auskunft von Thomas Rey, Deutsches Riga-Komitee, vom 23.8.2014;
Neuer Jüdischer Friedhof Fürth, Grabsteine der Eltern von Irma Selig (9.9.2014);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg4.jpg (07.06.2016).
Autorin / Autor Elke Wagner
Paten Die Evangelisch-methodistische Kirche, Herr Pastor Andreas Jahreiß
   
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