Friedrich Paul Selig

   
geboren am 24.05.1933 in Würzburg
Straße  Crevennastraße 11
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
TodesortRiga-Jungfernhof oder in der Nähe
   
Am 27.11.1941 über Nürnberg nach Riga-Jungfernhof deportiert und dort oder in der Nähe im Winter 1941/42 ermordet.
   
Friedrich, genannt Friedl, war der zweite Sohn von Alfred Selig und Irma, geb. Bing. Er hatte einen drei Jahre älteren Bruder. Die Familie lebte in Würzburg, wo der Vater als Weingroßhändler tätig war. Unter dem Druck der NS-Politik musste er seine Handlung aufgeben und sich mühsam mit Hilfsarbeiten über Wasser halten.

Friedrichs kurzes Leben stand im Zeichen der Diskriminierung der Familie durch die Nazis. Die Eltern werden ihr Möglichstes versucht haben, um Friedrich und seinen Bruder unter diesen Bedingungen groß zu ziehen. Freizeitaktivitäten beschränkten sich wohl auf den Kontakt zu anderen jüdischen Kindern wie z.B. den Brüdern Schwabacher, mit denen zusammen Friedrich und sein Bruder Ferdinand mit hoher Wahrscheinlichkeit 1939 fotografiert wurde.

Ein traumatisches Erlebnis dürfte für Friedrich der Novemberpogrom 1938 gewesen sein, den er mit seiner Familie in Fürth erlebte. Sein Vater wurde verhaftet und ins KZ Dachau verschleppt. Als der Vater nach vier Wochen frei kam, kehrte die Familie nach Würzburg zurück. Die Schule nahm Anfang 1939 ihren Betrieb wieder auf.

Eine richtige schulische Bildung und Erziehung war für Friedrich, der 1939 sechs Jahre alt wurde, kaum mehr möglich. Dass er Schreiben konnte, belegt jedoch seine eigenhändige Unterschrift unter dem „Evakuierungsbescheid“ von 1941. Anfang 1939, um die Zeit seiner Einschulung, mussten Friedrich und seine Familie in das Sammelquartier für Juden in der Bibrastr. 6 umziehen, wo sie nur noch ein Zimmer zur Verfügung hatten. Der Vorteil war, dass sich die Schule im gleichen Gebäude befand und sie auf dem Weg dorthin die Straße nicht betreten mussten, wo selbst Kinder immer wieder angepöbelt und angegriffen wurden. Unter den gegebenen Bedingungen fehlte es der Familie an Allem. Im Mai 1941 bat der Vater die Gestapo um die Aushändigung eingelagerter Wäsche, um den Kindern Hemden aus alten Textilien anfertigen zu können.

Die Versuche der Eltern in die USA auszuwandern, scheiterten. So wurde dem 8-jährigen Friedrich zusammen mit seiner Familie am 23.11.1941 seine „Evakuierung“ eröffnet. Drei Tage später mussten sie sich in der Stadthalle (Schrannenhalle) Würzburg einfinden, um in der Nacht darauf bei Dunkelheit zum Güterbahnhof Aumühle zu laufen, von dort nach Nürnberg und am 29.November weiter ins Durchgangslager Riga-Jungfernhof transportiert zu werden. Nach drei Tagen kam der Zug am 02. Dezember dort an.

Wie sein Vater und sein Bruder ist Friedrich im Winter 1941/42 auf dem Jungfernhof oder in seiner Nähe an Hunger, Kälte oder Krankheiten gestorben oder ein Opfer von Erschießungen geworden. Nur von seiner Mutter weiß man, dass sie noch bis zum 26. März lebte und ein Opfer der letzten Massenerschießungen der sog. „Aktion Dünamünde“ wurde.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapo 14 170;
Stadtarchiv Fürth, Adressbücher 1901-1935 (mit Lücken, da nicht mehr vorhanden);
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 545;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/1008300 (23.06.2016);
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Auskunft von Thomas Rey, Deutsches Riga-Komitee, vom 23.8.2014;
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg4.jpg (07.06.2016).

Foto: John Schwabacher
Autorin / Autor Elke Wagner
Paten evang. Jugend, Herrn Matthias Scheller
   
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