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Ludwig (Louis) Oppenheim

 
geboren am 17.01.1893 in Rödelsee, Landkreis Kitzingen
Straße  Arndtstraße 25
Stadtteil Sanderau
Todesdatum15.11.1938
TodesortBuchenwald
   
während des Novemberpogroms festgenommen, am 11.11.1938 ins KZ Buchenwald verschleppt und dort am 15.11.1938 ermordet
   
Ludwig Oppenheim wurde 1893 als zweitjüngstes der neun Kinder des Levi Oppenheim in Rödelsee geboren. Er entstammte der zweiten Ehe seines Vaters mit Cilly, geb. Klein, und wuchs mit den vier Stiefgeschwistern Magnus, Marianne, Franziska und Moritz sowie den vier leiblichen Geschwistern Meda, Ignatz, Selma und der jüngsten Schwester Sophie in Rödelsee auf.
Sein Vater Levi Oppenheim war Kaufmann und seit 1899 Verwalter des großen jüdischen Verbandsfriedhofs in Rödelsee. Nach seinem Tod 1926 folgte ihm sein Schwiegersohn Hermann Löwenstein in diesem Amt, der Ehemann von Sophie.
Ludwig besuchte sieben Jahre lang die Volksschule in Rödelsee. Nach seiner kaufmännischen Lehre in Bad Homburg war er von 1909 bis zu seiner Militärzeit als Verkäufer in Ichenhausen/Schwaben und in Remscheid tätig. Dort entstand das Foto des jungen Mannes.
Ab Oktober 1913 leistete Ludwig Militärdienst und kämpfte anschließend von 1914 bis 1918 im 1. Weltkrieg an der Westfront. Dafür erhielt er Ehrungen wie das Eiserne Kreuz II, Verwundetenabzeichen und ein Frontkämpferkreuz. 1935 trat er dem Reichsbund jüdischer Frontkämpfer bei. Er erwartete, dass er als ‚Kriegsheld’ mit seiner Familie vor Verfolgungen durch das Regime geschützt sein würde.
Nach dem 1. Weltkrieg eröffnete Ludwig Oppenheim ein Textil- und Schuhwarengeschäft in Rödelsee und heiratete 1925 Hedwig Richnowsky aus Stuttgart, eine Schwägerin seines Bruders Ignatz. Das Paar lebte in Würzburg in der Frühlingstraße 2, die später in Arndtstraße umbenannt wurde. Dort kamen auch die Tochter Margot 1926 und der Sohn Rolf Max 1929 zur Welt.
Ludwig Oppenheim war als Vertreter für Textilwaren tätig, zunächst für die Firma B. Lustig Nachfolger aus Bad Neustadt, später für die Würzburger Firma Gebrüder Schiff. Sein Geschäft in Rödelsee führte seine Schwester Sophie bis 1928. Sie gehörte zusammen mit ihrer Familie zu den letzten dort lebenden Juden.
Im Herbst 1938 wurde Ludwig Oppenheim angezeigt und von der Gestapo vernommen. Er sollte sich wegen „auffälliger Zusammenkünfte von Juden in seiner Wohnung“ rechtfertigen. Bei den Besuchern handelte es sich nach Aussage der Gestapo-Akten um vier befreundete Ehepaare, meist Jugendbekanntschaften aus Rödelsee. Man unterhielt sich u.a. über das Thema Emigration, da die Möglichkeit der Auswanderung für die Familie Oppenheim durch eine Erbschaft in greifbare Nähe gerückt zu sein schien. Die Ermittlungen wurden eingestellt, da kein „strafbares Verhalten“ festgestellt werden konnte.
Doch die Emigration ist Ludwig Oppenheim im Gegensatz zu seinen Freunden nicht geglückt. Er wurde im Zuge des Novemberpogroms festgenommen, am 11. November ins KZ Buchenwald gebracht und dort am 15. November erschossen - angeblich bei einem Fluchtversuch.
Schon wenig später, im Dezember 1938 zog Hedwig Oppenheim mit ihren Kindern zurück nach Stuttgart, wo sich der Großteil ihrer Familie aufhielt. Dort wurde auch die Urne von Ludwig Oppenheim beigesetzt.
Hedwig Oppenheim gelang es, mit ihren Kindern aus Deutschland zu fliehen. In Glasgow bestieg sie mit Margot und Max Rolf am 15. Juli 1940 das Schiff Cameronia, das im August in New York ankam. Sie wohnte dort bis zu ihrem Tod im September 1981. Die Tochter Margot, verheiratete Hopfer, und der Sohn Rolf Max leben noch heute in hohem Alter in den USA.
Ludwig Oppenheims Mutter sowie seine Geschwister Franziska, Moritz, Ignatz und Sophie wurden hingegen ebenfalls Opfer der Schoah.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 8953;br> Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher der Stadt Würzburg von 1925 – 1940;
Friedhofsbücher aus Rödelsee im Archiv der Alten Synagoge Kitzingen (eingesehen am 31.7.2014);
Auskünfte der Enkelin Helen Goldenberg, Weston, Ct., (Mails vom 5.8.2014 und 16.8.2014);
Mündliche Auskünfte von Michael Schneeberger, Kitzingen (31.7. und 10.8.2014);
Schriftliche Auskunft von Frau Kornacker, Stadtarchiv Iphofen aus den Stan-desamtsakten von Rödelsee (Mail am 14.8.2014);
Auskünfte von Lukas Kuhn, Universität Tübingen (Mail am 18.8.2014);
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 423;
Christian Reuther, Michael Schneeberger, Nichts mehr zu sagen, nichts zu beweinen…, Ein jüdischer Friedhof in Deutschland, Edition Hentrich 1994, S. 78, 84-85;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/1252498 (21.06.2016);
http://jinh.lima-city.de/gene/biehl/Manus_Oppenheim.html (21.06.2016);
https://www.mainpost.de/regional/kitzingen/Stolpersteine-gegen-das-Vergessen;art773,4347419 (21.06.2016);
http://www.stolpersteine-stuttgart.de/index.php?docid=654&mid=30 (21.06.2016).

Fotos: Ludwig Oppenheim, ca. 1913, Familienbesitz der Nachkommen.
Autorin / Autor Ingrid Sontag
Paten Heimbaugenossenschaft Unterfranken, Herrn Wolfgang Hörnig
   
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