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Martin Hans Drechsler

 
geboren am 24.02.1921 in Würzburg
Straße  Grombühlstraße  32
Stadtteil Grombühl
Deportationsdatum27.06.1941
Todesdatum27.06.1941
TodesortTötungsanstalt Hartheim
   
kath., ledig
19.9.1937 Heil- und Pflegeanstalt der Barmherzigen Brüder in Reichenbach/Opf.
17.05.1941 Bezirkskrankenhaus Mainkofen-Passau
27.6.1941 Tötungsanstalt Hartheim/Linz
Offizielles Todesdatum: 5. Juli 1941 - 01.55 Uhr in Hartheim
   
Martin Hans Drechsler wurde am 24. Februar 1921 in Würzburg als ältester Sohn der Eheleute Thomas, geb. 17.12.1893 und Josefine Drechsler, geb. Dittenhauser, geb. 19.01.1898 in Würzburg geboren. Der Vater war Reichsbahnstationsgehilfe. Martin hatte zwei jüngere Geschwister. Bruder Alfons (Thomas), geb. 08.05.1922 war im St. Josefshaus Gemünden untergebracht und dort 1939 verstorben. Die Schwester Walburga Kreszentia wurde am 07.08.1923 geboren. Die Familie lebte in der Grombühlstr. 32 in Würzburg.
Martin war ein fröhliches Kind, das gerne auf der Straße mit anderen Kindern spielte. Wegen seiner Sprachstörung wurde er zuweilen ausgelacht, nahm das aber mit Humor und lachte mit.
Bei den Kindern und Heranwachsenden war allgemein üblich und eine freudig geübte Freizeitgestaltung auf den Straßen und allen zugänglichen Grundstücken weit über Grombühl hinaus zu spielen und herum zu tollen. Diese Neigung zum "Streunen", wurde offensichtlich vom Blockwart H. als Indiz angegeben, Martins Einweisung in das Haus der Barmherzigen Brüder in Reichenbach Opf. mit Nachdruck zu betreiben. Auch die Anschuldigung homosexuellen Verhaltens könnte aus derselben Quelle stammen. Sein Alter, er war 16 Jahre alt, und die Unterbringung in Reichenbach lassen andere Ursachen möglich erscheinen.
Martin besuchte die damals so genannte Hilfsschule im „Alten Bahnhof" in der Ludwigstraße. Er ging stets ohne Begleitung und gerne dorthin. Martin hätte bei der benachbarten Holzhandlung Blatz & Cie, bei der er oft reinschaute und auch zu Handreichungen ermuntert worden war, einen Arbeitsplatz bekommen können. Die streng katholischen Eltern waren kleine Leute. Die Mutter gab dem intensiven Drängen von H. sicher nur deshalb nach, weil die Heil- und Pflegeanstalt von den „Barmherzigen Brüdern vom hl. Johannes von Gott“ in Reichenbach (Lkr. Cham) nach Ihrer Meinung Gewähr dafür gab, dass ihr Junge dort eine gute Zukunft haben könnte. Seine damals 14-jährige Schwester Walburga begleitete Martin am 19. September 1937 zum Bahnhof, wo er in ein Abteil, auf dem außen sein Name stand, einsteigen musste. Nach Ansicht der Schwester befanden sich in dem Zug weitere behinderte Menschen. Die Angehörigen, vor allem seine Mutter und seine Schwester haben sich nie verzeihen können, dass sie dem Blockwart schließlich nachgegeben haben.
Am 17. Mai 1941 wurde er mit Sammeltransport von Reichenbach ins Bezirkskrankenhaus Mainkofen verlegt. Bereits am 27. Juni 1941 kam er mit dem T4 Transport Nr. 4 in die Tötungsanstalt Hartheim bei Linz und wurde vermutlich noch am selben Tag ermordet. Als offizielles Todesdatum wurde den Angehörigen der 5. Juli 1941 mitgeteilt.
Der Stolperstein für Martin bringt das Gedenken an ihn an den Ort zurück, wo er glücklich war.
Auf dem Hauptfriedhof in Würzburg hat die Familie auf dem Grab seinen Namen anbringen lassen.
   
Quelle Kath. Matrikelamt – Stadtdekanat Würzburg;
Hauptbuch Bezirksklinikum Mainkofen / Passau;
Dokumentationsstelle Hartheim OÖLA;
Heil- und Pflegeanstalt der Barmherzigen Brüder in Reichenbach;
Stadtarchiv Meldebogen, Adressbuch.
Autorin / Autor Helmut Försch
Paten
   
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