Isidor Steinam

   
geboren am 04.10.1868 in Würzburg
Straße  Martinsgasse 11 ½
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum20.11.1942
TodesortTheresienstadt
   
deportiert am 23.09.1942 nach Theresienstadt und dort am 20.11.1942 ermordet
   
Isidor Steinam, auch Isi genannt, wurde am 4. Oktober 1868 als viertes Kind von Seligmann Steinam Löb Junior (1834-1912) und seiner Frau Babette, geb. Behr (1837-1917) in Würzburg geboren. Während Isidors Vater aus Fuchsstadt stammte, kam seine Mutter aus Urspringen. In Karlstadt heirateten die Eltern im Jahr 1864. Isidors ältere Geschwister waren Klara (Jg.1864), Moses (1865-1871) und Henriette (Jg.1867) – später verheiratete Löwenthal. Ein Jahr nach Isidor wurde der Bruder Bernhard geboren. 1871 folgte dann Adolf und schließlich Ferdinand (1873-1893). Die Familie lebte seit 1864 in Würzburg in der Martinsgasse in ihrem eigenen Anwesen.

Isidors Vater war gelernter Kaufmann. 1863 erhielt er eine Handelskonzession. Zuerst führte er eine Niederlassung von Schneidergewerbeartikeln für einen Münchner Betrieb – wahrscheinlich der Betrieb seines Schwagers Michael Behr (1850-1912) – dann ein Kleidungsmagazin. Hieraus ging die Firma Steinam & Companie hervor, die sich zuerst auf Herrengarderobe, dann auf Militäruniformen spezialisierte. 1873 erhielt Isidors Vater das Bürgerrecht. Er war bis ins hohe Alter tätig und unermüdlich auf Geschäftsreisen unterwegs, wobei er bei den Kunden selbst Maß nahm.

Isidor wurde ebenfalls Kaufmann und arbeitete mit seinem Vater und seinen Brüdern Bernhard und Adolf zusammen im elterlichen Betrieb. Warum er bereits um 1900 aus dem Betrieb ausschied und Privatier wurde, ist nicht bekannt. Jedenfalls lebte er lange im Haus der Familie in der Martinsgasse. Im Jahr 1912 starb erst Isidors Vater mit 78 Jahren, dann im Juli desselben Jahres sein Bruder Bernhard im Alter von 43. Das war ein großer Schicksalsschlag für die Familie. Adolf übernahm nun allein die Firma Steinam & Cie und vergrößerte sie erfolgreich, indem er noch eine Stoffhandlung angliederte. Isidor blieb der elterlichen Firma auch jetzt fern, in den verfügbaren Quellen ist nichts darüber zu erfahren, was er in den folgenden Jahren machte. Ein entfernter Verwandter seiner Mutter, Fritz Blum aus New York, schrieb am 9. April 2015, dass er als Neunjähriger Isidor oft in Frankfurt bei seinen Eltern erlebt habe.

Isidor wurde infolge der NS-Politik am 16. Oktober 1940 aus dem Elternhaus vertrieben und im Altenheim in der Konradstr. 3 untergebracht. Hier herrschte bereits drangvolle Enge. Am 23. September 1942 wurde er zusammen mit seinem Bruder Adolf und seiner Schwägerin Thekla vom Güterbahnhof Aumühle aus über Nürnberg nach Theresienstadt deportiert. Er war 74 Jahre alt. Nur wenige Wochen später, am 20. November 1942 kam er auf Grund der unmenschlichen Lebensbedingungen ums Leben.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 580f., 599, 460, 461;
Roland Flade, Die Würzburger Juden. Ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Mit einem Beitrag von Ursula Gehring-Münzel, 2. erw. Aufl., Würzburg 1996, S. 217f.;
Briefe von Fritz Blum, New York, vom 9. April und 7. Mai 2015;
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09. – 24.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-23.jpg (22.06.2016).
Autorin / Autor Gabriele Schiwon
Paten Frau Gertrud Lang , Herr Lothar Krämer
   
zurück