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Jakob Meier Cohn

   
geboren am 29.09.1869 in Radzionkau/Schlesien
Straße  Augustinerstraße 5
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum08.02.1943
TodesortTheresienstadt
   
Am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 08.02.1943 ermordet
   
Jakob Meier Cohn wurde am 29. September 1869 als Sohn von Elieser Cohn in Radzionkau, heute Radzionkow, Schlesien geboren. Im Jahr 1904 zog er von Berlin nach Würzburg und heiratete die aus Mainstockheim/Ufr. stammende Sara Sonn (1870-1943). Das Ehepaar hatte keine Kinder. Sie lebten in der Sanderstr. 10, der Peterstr. 8 und dann ab 1915 bis Anfang 1941 in der Augustinerstraße 5, wo auch Sara Cohns Eltern Jakob und Fanny Sonn bis zu ihrem Tode wohnten. Die Mutter starb 1914, der Vater 1932.
Jakob Meier Cohn arbeitete erst als Reisender und später als selbstständiger Kaufmann. 1921 gründete er die Firma „Jakob M. Cohn, technische Fette und Oele“ mit Sitz in der Augustinerstraße 5. Diese Firma besaß er bis 1934. Danach musste er als Hausierer vom Verkauf von Seife, Bohnerwachs und Waschmittel leben. Ab Oktober 1938 wird ihm ein Gewerbeerlaubnisschein verweigert, sodass er nun ohne richtiges Einkommen ist. Zwar verdienen Jakob Cohn und seine Frau etwas Geld durch Untervermietung dazu, im Wesentlichen lebt das Ehepaar aber von RM 57,- im Monat, gezahlt aus der „Reichsversicherung für Privatangestellte.“ In einem Bittbrief vom 5. Juni 1939 an die Gestapo Würzburg schreibt Jakob Cohn, dass dieses Geld „trotz bescheidener Ansprüche beiderseits nicht ausreicht.“ Er bittet inständig um die Erteilung eines „Stadterlaubnisscheins“, um Geld verdienen zu können, da er auch kein Vermögen besitze und v.a. „nicht der öffentlichen Fürsorge zur Last fallen möchte.“ Der Antrag wird, wie auch schon ein vorhergehender vier Monate zuvor, abgelehnt.
Auch um die Auswanderung haben sich Jakob Cohn und seine Frau bemüht. Moses Sonn, der in den USA lebende und aus Würzburg stammende Neffe von Sara Cohn, übernimmt die Bürgschaft für sie und sie erhalten eine Nummer. Die Hoffnung, dass Moses Sonn die Cohns bis zum Aufruf der Nummer und der Emigration in die USA nach England bringen könnte, erfüllt sich nicht.
1941 musste das Ehepaar Cohn in das Israelitische Altersheim in der Dürerstraße 20 umziehen. Wenig später – und das verdeutlicht ihre prekäre finanzielle Lage – bittet Jakob Cohn die Gestapo, zwei Geigen verkaufen zu dürfen. Die Instrumente werden von einem amtlichen Versteigerer veräußert. Das Ehepaar erhält nach Abzug der anfallenden Gebühren RM 76,80.
Am 23. September 1942 wird der 72-jährige Jakob Meier Cohn zusammen mit seiner Frau Sara nach Theresienstadt deportiert. Nicht einmal fünf Monate später stirbt er am 8. Februar 1943 an den Folgen der menschenunwürdigen Lebensbedingungen im Lager, wo Hunger, Durst und Krankheiten an der Tagesordnung sind. Seine Frau Sara überlebt ihn nur um zwei Monate.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 101;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1905-1941; Grundliste Augustinerstraße 5;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900 – 1945,Würzburg 1989, T. 1, S. 115f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de902219 (17.05.16);
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/8188-jakob-meier-cohn/ (17.05.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblätter, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=cohn&s_firstName=jakob&s_place=wuerzburg&itemId=870138&ind=2&winId=-421745801825558586 und http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=cohn&s_firstName=jakob&s_place=wuerzburg&itemId=5628022&ind=3&winId=-421745801825558586 (17.05.2016).
Autorin / Autor Elke Wagner
Paten Herr Dr. Gunter Koch
   
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