Thekla Steinam, geb. Stern

   
geboren am 23.10.1883 in Würzburg
Straße  Martinstraße 11
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum00.00.1944
TodesortAuschwitz
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt, am 18.05.1944 weiter nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich bald darauf ermordet
   
Thekla Steinam war die einzige Tochter von Nathan Stern (1854-1932) aus Creglingen und seiner Frau Mina geb. Straßburger (1857-1926) aus Hohebach /Württ. und wuchs unter sechs Brüdern auf: Hermann (1880-1930), Ludwig (1881-1941), Albert (1885-1937), Siegfried (1887-1922), Oskar (1896-1941) und Fritz (1894-1917). Sie wird als schöne Frau beschrieben.
Ihr Vater war seit 1878 in Würzburg ansässig, führte eine Tafelglasgroßhandlung, war später Inhaber einer Glas- und Holzmanufaktur am Kranenkai 1 und Jahrzehnte in der Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg tätig, bevor er zum Ehrenmitglied ernannt wurde.
1904 heiratete Thekla den Geschäftsmann Adolf Steinam und lebte mit ihm in der Kaiserstraße 9. Die Ehe blieb kinderlos. Thekla Steinam war wie ihr Mann Mitglied im Verschönerungsverein Würzburg. Nachdem ihr Mann sein Geschäft 1931 verkauft hatte, zog das Ehepaar im Oktober 1932 in die Ludwigstraße 21 und fünf Jahre später in das Elternhaus ihres Mannes in der Martinsgasse 11. Hier lebten seit 1940 auch ihre Brüder Ludwig und Oskar mit im Haushalt, für deren Entlassung aus der Haft sie sich nach dem Novemberpogrom von 1938 in einem Gesuch eingesetzt hatte. Oskar war fast erblindet und Ludwig seit 1931, als er aus dem elterlichen Geschäft ausgeschieden war, ohne Beruf. Im Oktober 1941 mussten Thekla und Adolf Steinam aus ihrer Wohnung ausziehen und wurden in das Gebäude auf dem jüdischen Friedhof weit vor der Stadt einquartiert.
Zusammen mit ihrem Mann und dessen Bruder Isidor wurde sie am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert. Dort starb ihr Mann am 1.03.1943 aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen. Die 60jährige Thekla Steinam wurde hingegen am 18.05.1944 weiter nach Auschwitz deportiert und dort kurz nach der Ankunft ermordet. Ihre beiden Brüder waren bereits im November 1941 von Würzburg nach Riga verschleppt und in den folgenden Monaten umgebracht worden.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 580, 598-600, 591, 595;
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 15341, 15323, 15291;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1930-1941 und Grundlisten Kaiserstraße 9, Ludwigstraße 21, Martinsgasse 11;
Familysearch, https://familysearch.org/ark:/61903/1:1:JP4Z-ZZD (12.2.2015);
Curt Riess, Todesanzeige. Ein jüdisches Schicksal, in: Aufbau New York, Volume 9, Heft 29, S. 8, http://archive.org/stream/aufbau91943germ#page/n447/mode/1up (25.1.2015);
Curt Riess, Das waren Zeiten, Wien u.a. 1977, S. 9-31;
Roland Flade, Die Würzburger Juden. Ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Mit einem Beitrag von Ursula Gehring-Münzel, 2. erw. Aufl., Würzburg 1996, S. 330. Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09. – 24.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-23.jpg (22.06.2016).
Autorin / Autor Ingrid Sontag
Paten Wirsberg-Gymnasium, Frau Dr. Angela Schwarzer, Angela
   
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