Käthe (Käte) Heippert

   
geboren am 07.08.1920 in Wiesenbronn, Lkr. Kitzingen
Straße  Wolframstraße 1
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatum00.06.1943
TodesortAuschwitz
   
deportiert am 17.06.1943 nach Auschwitz und vermutlich unmittelbar nach der Ankunft dort ermordet
   
Käthe Heippert wuchs in Wiesenbronn als Tochter des Viehhändlers und letzten Gemeindevorsitzenden Sally Heippert (1884-1938) und seiner Frau Emma, geb. Klugmann (1887-1942) auf. Ihre Schwester Ruth (verh. Siegel, 1916-2012) war vier Jahre älter als sie. Ihr gelang als Einziger der Familie 1937 die Emigration in die USA.
Ruth berichtete später, wie sehr Käthe in der Schule als einzige Jüdin unter antisemitischen Anfeindungen zu leiden hatte, dass sie ihre Ausbildung abbrach und sehr krank wurde. Auch der jüdische Lehrer Hermann Klugmann, der Bruder ihrer Mutter, der seine Ferien regelmäßig in Wiesenbronn bei seiner Familie verbrachte, schildert die vergiftete Atmosphäre in der Dorföffentlichkeit. Die drei führenden Nazis vor Ort, der Bürgermeister, der Ortsgruppenführer und der Führer des Bauernverbandes, hetzten Kinder und Jugendliche gegen die Juden auf, bedrohten und schüchterten die Erwachsenen ein.
Kurz bevor sie 18 Jahre alt wurde, verließ Käthe im Juli 1938 ihren Heimatort und suchte sich in Würzburg eine Arbeit als Hausangestellte. Sie wohnte dort zur Untermiete, meist jeweils nur kurz an einer Adresse, so ab September 1938 in der Wolframstraße 1. Von Januar bis Mai 1939 kehrte sie nach Wiesenbronn zurück. Dort lebten ihre Mutter und ihre verwitwete Großmutter Hanna Klugmann (1859-1942) inzwischen alleine, weil ihr Vater im Zuge des Novemberpogroms 1938 verhaftet und ins KZ Dachau gesperrt worden war. Am 13. Dezember 1938 war er dort an den Folgen der brutalen Behandlung und einer Lungenentzündung gestorben. Immerhin konnte die Familie ihn auf dem Jüdischen Friedhof Rödelsee bestatten. Emma Heippert wurde wenig später gezwungen, das Haus der Familie zu verkaufen. Es wurde von einem SA-Mann ersteigert, der den Heipperts nur noch zwei kleine Hinterzimmer zur Miete überließ.
Ab Mai 1939 lebte Käthe Heippert wieder in Würzburg an verschiedenen Adressen zur Untermiete, bevor sie im Februar 1940 für anderthalb Jahre in die Wolfhartsgasse 11 bei der Familie von Max Fechenbach einzog. Die Fechenbachs führten einen Mittags- und Abendtisch für jüdische Gäste und es ist anzunehmen, dass Käthe hier mitarbeitete.
In dieser Zeit wurde Käthe im Frühjahr 1941 schwanger. Nach den Erinnerungen von Susan Loewenberg geb. Fechenbach, die damals 8 Jahre alt war, sei ein ehemaliger Student der im November 1938 geschlossenen Israelitischen Lehrerbildungsanstalt der Vater des Kindes gewesen. Das Paar habe nicht mehr heiraten können, weil der junge Mann vorher, also möglicherweise bereits im November 1941 oder im April 1942, deportiert wurde. Unter den jungen Männern, die von Würzburg abtransportiert wurden, ist allerdings kein ILBA-Student oder -Absolvent zu finden, wohl aber mehrere junge Männer, die wenigstens ähnliche Kriterien erfüllen. Für eine eindeutige Entscheidung reichen die Informationen nicht aus.
Es dürfte der Fürsorge der jüdischen Gemeinde und ihrer sozialen Institutionen zu danken sein, dass Käthe die letzten drei Monate ihrer Schwangerschaft im Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg verbringen konnte. Vielleicht hat Dr. Johanna Stahl, die in der Gemeinde die Verantwortung für die soziale Beratung trug und sich gerade auch für Frauen sehr engagierte, ihre Kontakte für Käthe genutzt. In Neu-Isenburg erfuhr diese die für eine alleinstehende Frau so wichtige Unterstützung – so weit das zu einer Zeit noch möglich war, in der die letzte Phase der Verfolgung mit den Deportationen und die endgültige Auflösung aller jüdischen Institutionen bereits begonnen hatte.
Käthes Sohn Sally Heippert wurde am 9. Januar 1942 im Israelitischen Krankenhaus in Frankfurt a.M. in der Gagernstraße 36 geboren und bekam den Namen seines ermordeten Großvaters. Bis zum 23. Februar blieb Käthe mit dem Baby im Krankenhaus, kehrte für wenige Tage nach Neu-Isenburg zurück und zog am 2. März zurück nach Würzburg. Das Heim befand sich bereits in Auflösung.
Wir wissen nicht, wer Mutter und Kind in Würzburg zunächst aufnahm oder ob sie noch einmal nach Wiesenbronn zurückkehrten. Hier lebten Mutter und Großmutter bereits seit mehr als einem Jahr als die letzten Juden des Ortes in einer feindseligen Umgebung, die ihnen selbst das Einkaufen von Lebensmitteln kaum noch ermöglichte. Käthes Mutter, herz- und Diabetes-krank und seit dem 21. März 1942 in Kitzingen, wurde am 24.3.1942 von dort nach Izbica deportiert. Und ihre 82-jährige Großmutter Hanna Klugmann zog wenig später ebenfalls von Kitzingen in das Würzburger Altersheim an der Konradstr. 3. Seit dem 26. Juni 1942 sind Käthe und Sally Heippert im überfüllten Sammelquartier in der Dürerstraße 20 nachzuweisen, seit August 1942 dann im Gebäude auf dem Israelitischen Friedhof an der Faulenbergstraße. Dieser abgelegene Ort im Grünen könnte zum Schutz der beiden von der jüdischen Geschäftsstelle mit Bedacht ausgewählt worden sein. Sie lebten von Fürsorgeleistungen der Jüdischen Gemeinde.
Käthe Heippert und ihre Großmutter beantragten am 31. Juli gemeinsam die Erlaubnis, einen Teil ihrer noch in Wiesenbronn stehende Möbel zu verkaufen. Dies wurde von der Gestapo zwar genehmigt, die übrigen Möbel sollten in Wiesenbronn zur Abholung bereitgestellt werden. Monate später, nachdem am 10. September 1942 nun auch die Großmutter deportiert worden war, stellte sich jedoch heraus, dass sämtliche Möbel von Emma und Käthe Heippert sowie von Hanna Klugmann bereits an zwei Terminen verkauft worden waren – Käthe blieb also nichts. Die Gestapo genehmigte zwar die Auszahlung des Versteigerungserlöses an sie, zahlte den Betrag von 362,20 RM jedoch auf ein Sicherungskonto ein. Käthe Heippert konnte also über das Geld nicht frei verfügen.
Wie die Heipperts wohnten schon seit dem Sommer 1942 auch Sofie Krebs (1894-1943) und ihre beiden Söhne Julius (1923-1943) und Walter (1924-1943) in dem Haus auf dem Würzburger jüdischen Friedhof. Vielleicht haben sie sich um Käthe und v.a. um Sally gekümmert, denn Käthe musste nach Ausweis ihres letzten Lohnzettels jedenfalls 1943 halbtags Zwangsarbeit leisten. Als Gärtner war Walter Krebs wohl für die Pflege des Friedhofs zuständig und könnte durch den Anbau von Gemüse zur Versorgung der Mitbewohner beigetragen haben.
Am 17. Juni 1943 wurden Käthe und Sally Heippert wie die Familie Krebs frühmorgens mit den letzten Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde, die nicht in Mischehe lebten, im Sammelquartier in der Bibrastr. 6 kontrolliert und von da am Mittag zu Fuß durch die Stadt zum Hauptbahnhof getrieben. In einem Waggon, der an den regulären Zug nach Nürnberg angekoppelt war, startete ihr Transport nach Auschwitz, wo Käthe Heippert und ihr kleiner Sohn wohl direkt nach der Ankunft in die Gaskammer geschickt und ermordet wurden.
Käthes Mutter Emma Heippert und ihre Großmutter Hanna Klugmann lebten zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapo 904 (Käthe H.); Gestapo 907 (Sally H.);
Johanna-Stahl-Zentrum, Sammlung Schneeberger, Familienmappen Heippert (Karbach und Wiesenbronn);
Stadtarchiv Würzburg, Grundlisten Johannitergasse 16, Wolframstr. 1, Haugerring 16, Wolfhartsgasse 11, Faulenbergstr.;
Archiv Förderverein Ehemalige Synagoge Kitzingen, Käthe Heippert;
Standesamt Frankfurt Mitte, Geburtsurkunde von Sally Heippert;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 251; T. 2, S. 691;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de856689 (15.05.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims´ Names, mehrfache Einträge zu den Mitgliedern der Familie: http://yvng.yadvashem.org/index.html?language=en&s_lastName=Heippert&s_firstName=&s_place=Wiesenbronn (15.05.2016);
Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/test/web324w/juf/juf.php (15.05.2016);
Gedenkbuch für das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg, http://gedenkbuch.neu-isenburg.de/heippert-kathi-kathe/ und http://gedenkbuch.neu-isenburg.de/heippert-sally/ (15.05.2016);
Baruch Z. Ophir/ Falk Wiesemann, Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung, München/Wien 1979, S. 428f. (ohne Namensnennung und mit falschen Angaben zum Wohnort Käthes);
Claudia Sauer, Die Jahre 1933-1945 in Wiesenbronn. Facharbeit im Leistungskurs Geschichte/Sozialkunde des Steigerwald Landschulheims Wiesentheid, 1987, S. 20, 22f.;
Schriftliche Auskunft von Gisela Bamberg vom 18.03.2016;
schriftliche Auskunft von Reinhard Hüßner, Wiesenbronn;
schriftliche Auskunft von Michael Lenarz, Jüdisches Museum Frankfurt.

Foto: Archiv Förderverein Ehemalige Synagoge Kitzingen. Das Foto zeigt Käthe als Schülerin.
Autorin / Autor Rotraud Ries
Paten Deutschhaus-Gymnasium, Herr Carsten Dutz
   
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