Ruth Leyrer

   
geboren am 19.09.1926 in Würzburg
Straße  Friedenstraße 25
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum09.05.1940
Todesdatum09.05.1940
TodesortBrandenburg
   
ledig, evangelisch
02.12.1928 Kinderheilanstalt Buch Berlin
10.04.1930 Landesanstalt Lübben
08.06.1938 Landesanstalt Brandenburg-Görden
09.05.1940 Tötungsanstalt Brandenburg
   
Ruth wird am 19.09.1926 als uneheliches Kind des Hausmädchens Emmy Leyrer in Würzburg geboren. Die Mutter hat vorher in Berlin gearbeitet und dort den Vater von Ruth, den Sohn eines Kommerzienrates, kennengelernt. Emmys Eltern und Geschwister wohnen, von Hannover kommend, seit 1923 in Kitzingen und dies dürfte auch der Grund sein, weshalb Emmy nach Würzburg zieht.
Schon kurz nach der Geburt gibt sie ihre Tochter in das Marie Therese-Säuglingsheim in Würzburg, da sie selbst an Lungentuberkulose und an einem Nervenleiden erkrankt ist. Sie muss in Wiesbaden ins Krankenhaus und anschließend in ein Sanatorium. Ihre Tochter befindet sich nach der Entlassung aus dem Säuglingsheim vom 16.01.1928 bis zum 02.12.1928 als Pflegekind bei Frau Susanne Singer in Hüttenheim. Weil die Mutter 1928 wieder nach Berlin zieht, wird Ruth im Juli 1928 noch einmal in der Würzburger Kinderklinik untersucht. Sie kann noch nicht laufen, hat eine "Imbezillität ziemlich schweren Grades" und bedarf der Unterbringung in einer Anstalt, "da eine erhebliche Besserung in den nächsten Jahren nicht zu erwarten ist."
Am 02.12.1928 wird sie in der Kinderheilanstalt Buch in Berlin aufgenommen. Ab jetzt ist das Jugendamt Berlin-Steglitz für sie zuständig. Im Februar 1930 kann sie laufen, aber nicht sprechen und muss sauber gehalten werden.
Aus Platzmangel wird sie am 10.04.1930 in die Landesanstalt Lübben verlegt, was ihre Mutter zu einer besorgten Nachfrage veranlasst. Die Einträge in der Krankenakte von Ruth in den folgenden Jahren zeigen keinerlei Verbesserung ihres Zustandes und klingen sehr abwertend. Die Mutter schreibt immer wieder an die Anstalt, erkundigt sich nach dem Befinden ihrer Tochter und schickt Päckchen.
Da die Anstalt Lübben bis August 1940 geräumt werden muss, um ein Kriegsgefangenenlager einzurichten, wird Ruth mit einem Transport von anderen Kindern und Jugendlichen am 08.06.1938 in die Landesanstalt Görden verlegt. Auf die Nachricht der Verlegung ihrer Tochter nach Görden schreibt ihre Mutter "tief bedrückt": "Ich bin sehr unglücklich darüber und wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir mitteilen würden, aus welchem Grunde dieses geschehen ist. Ich war zuletzt am 8. Mai/Muttertag 1937 in Lübben und hatte die Absicht, diesen Monat nach dort zu fahren, da die Reichsbahn wieder einen billigen Sonderzug stellt." Sie wohnt seit Anfang 1932 mit ihrer Familie wieder in Hannover. In einem letzten Brief vom April 1939 kündigt sie ihren Besuch an.
Die inzwischen 13jährige Ruth wird ein letztes Mal untersucht. Das Ergebnis: "R. leidet an Idiotie. Sie spricht nicht und besitzt nur ganz geringes Sprachverständnis. Sie macht keine Fortschritte und ist bildungsunfähig." Ein halbes Jahr später, am 09.05.1940, erfolgt der Transport Ruths in die Tötungsanstalt Brandenburg im alten Zuchthaus.
   
Quelle Bundesarchiv Berlin R179 Archivnr.14966
Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep. 55 C Brandenburg-Görden A3 Nr.8435
Stadtarchiv Hannover: Meldekarten und Personenstandsurkunden
Autorin / Autor Inge Kaesemann
Paten Herr Prof. Dr Christoph Walther
   
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