Karl Friedrich Baum

   
geboren am 03.07.1925 in Würzburg
Straße  - 
Stadtteil ???
Todesdatum26.07.1942
TodesortAnsbach
   
Karl wird als erstes Kind von Konrad und Anna Baum am 3. Juli 1925 in Würzburg geboren. Zwei Schwestern, Emma und Maria Grete werden 1928, bzw. 1929 geboren. Der Vater stirbt bereits 1932, die Mutter 1935. Die Kinder kommen ins Heim der Evangelischen Kinderpflege. Karl kommt in der Schule nicht mit und wird in die Heil- und Pflegeanstalt Bruckberg überwiesen, wo er die Hilfsschule besucht. Er arbeitet dort auf dem Bauernhof, bis er im November 1941 in die Heil- und Pflegeanstalt Ansbach überwiesen wird, wo er im Juli 1942 stirbt.
   
Karl Baum wird am 3. Juli 1925 in Würzburg geboren und am folgenden Tag in der Universitätsfrauenklinik evangelisch getauft. Seine Eltern sind Konrad Baum, landwirtschaftlicher Arbeiter aus Marktbreit und Anna Barbara, geborene Ballmann. Im Jahre 1928 wird die Schwester Emma geboren, 1929 Maria Grete. Die Familie zieht um nach Münchenreuth bei Hof, wo der Vater eine Stelle als Gutskutscher angenommen hat. Dort wird Karl am 7. April 1932 eingeschult. Bald stellt sich jedoch heraus, dass er dem Unterricht nicht folgen kann. Er besteht die Probezeit nicht, wird jedoch mit Genehmigung des Bezirksschulrates „aus erzieherischen Gründen (Ordnung und sonstige Gewöhnungen)“ in der Klasse belassen. Durch den Schulbesuch soll er dem häuslichen Umfeld wenigstens zeitweise entzogen werden. Die Mutter zieht wohl die beiden Töchter dem behinderten Jungen vor und behandelt ihn zeitweise schlecht. Anfang 1932 stirbt der Vater an Lungentuberkulose. Die Familie zieht daraufhin zu dem Bruder der Mutter, Friedrich Ballmann, nach Marktbreit, der die Vormundschaft der Kinder übernimmt. Karl wird im September 1932 in die erste Klasse der Volksschule Marktsteft eingeschult, jedoch am 12.10.32 lt. Entscheid des Bezirksschulrates wieder aus der Schule genommen und bis zum Beginn des Schuljahres 1933/34 zurückgestellt. Dann kommt er wieder in die erste Klasse, muss diese im darauffolgenden Schuljahr wiederholen. Am 12. März 1935 stirbt seine Mutter, ebenfalls an Lungentuberkulose. Karl und seine Geschwister werden am 16. März 1935 in das Kinderheim der Evangelischen Kinderpflege in Würzburg gebracht. Zehn Tage später wird seine Überweisung in die Hilfsschule beantragt, da er bereits 10 Jahre alt ist und das Klassenziel der ersten Klasse noch immer nicht erreicht hat. Der Lehrer schreibt über ihn: „Der Schüler ist körperlich sehr schwach entwickelt. Ich bin überzeugt, dass er bereits ziemlich stark tuberkulös angesteckt ist und eine Gefahr für seine Mitschüler bildet. Die derzeitige Entzündung seines Daumens ist meiner Meinung nach tuberkulöser Natur…Ein körperlich und geistig sehr schwacher Schüler. Sein Aussehen ist immer bedenklich. Stets trübe Augen, ein müdes Gesicht, zerfurchte und alternde Züge um Mund und Nase. Furchtsames und schüchternes Auftreten…Seine geistige und sprachliche Entwicklung wird durch das körperliche Gebrechen ungeheuer geschwächt.“ Von Ostern 1935 bis zum 28.10.1936 besucht er die Hilfsschule in Würzburg. Da er als einziger Hilfsschüler des Kinderheimes den langen Schulweg allein zurücklegen muss, befürworten das Heim und die Heimatgemeinde Marktsteft seine Unterbringung in einer Pflegeanstalt. Er wird beschrieben als „sehr schwach begabt aber sonst ein ganz nettes anständiges und anhängliches Bürschlein“. Er wird in der Heilanstalt Bruckberg angemeldet. (Im Brief der Neuendettelsauer Pflegeanstalten an die Evangelische Kinderpflege in Würzburg bezüglich der Aufnahme von Karl ist in der getippten Grußformel „Mit deutschem Gruß“ vom Unterzeichner das Wort „deutschem“ durchgestrichen und durch ein handschriftliches „frdl“ ersetzt). In Bruckberg besucht er gleichfalls die Hilfsschule, erhält dort positive Beurteilungen durch eine Schwester („..er zeigt sich munter und vergnügt, meist voller Eifer bei Arbeit und Spiel. …Karl erfasst Zusammenhänge und kann denkend mitarbeiten. Er kann erzählen, doch ist er dabei durch leichtes Stottern und stark agrammatische Satzbildung gehemmt. Bei genügender Aufmerksamkeit leistet er im Schön- und Rechtschreiben Gutes. Karl hat sich im Lesen gebessert. …Karls Zeichnungen verraten Geschick und Phantasie. Karl turnt stramm und gewandt. Für Handfertigkeit hat er viel Geschick, rasche Auffassung und Ausdauer. Er erfreut durch tapfere Aufrichtigkeit, wenn er sich etwas zuschulden kommen lässt. Mit seinen Kameraden versteht sich Karl gut, doch ist er manchmal schadenfroh und neckt gern. Den Erwachsenen gegenüber ist er schüchtern, aber freundlich und meist gehorsam.“ (März 1937). 1938 rückt er in die Oberklasse der Hilfsschule auf, muss in dieser aber noch ein weiteres Jahr verbleiben. Am 22. September 1938 wird folgender Befund erhoben: „Klagt über keinerlei Schmerzen, der Schlaf ist gut. .. Appetit sehr gut. ..Nirgends ist ein krankhafter Befund bei der Untersuchung feststellbar.“ Der nächste Lehrer beurteilt Karls Möglichkeiten skeptischer: „Es liegt nahe, das unbefriedigende Verhalten im Unterricht einem mangelnden Willen des Schülers zuzuschreiben. Mag sein, doch glaube ich – im Gegensatz zu der im vorhergehenden Bericht vertretenen Meinung -, dass bei Karl Baum die Denkfähigkeit eine geringe ist.“„Äußerst geringe Fähigkeit des Schülers, aus dem Unterricht geistige Nahrung zu ziehen. Für die Erlernung eines Handwerks wird das nötige Geschick fehlen. Vielleicht könnte der Bub vorläufig zu häuslichen Hilfeleistungen herangezogen und späterhin, wenn die körperliche Entwicklung noch besser entspricht, dem Arbeitertrupp oder den landwirtschaftlichen Helfern zugeteilt werden. Die schulischen Kenntnisse und Fertigkeiten sind bei dem bald Fünfzehnjährigen wohl kaum mehr auszuweiten. Der schriftl. Ausdruck kommt ungefähr dem eines Volksschülers des zweiten Jahrgangs gleich.“ Er beginnt eine Schneiderlehre, jedoch ohne Erfolg. Dann arbeitet er zunächst auf dem Bauernhof mit. Im November 1941 wird er vom Anstaltsarzt in die Heil- und Pflegeanstalt Ansbach überwiesen, angeblich weil es dort eine Abteilung für Infektionskrankheiten gibt. Vorher wurde er noch „gemäß dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses unfruchtbar gemacht“. Am 27. November 1941 wird er auf Anordnung des Anstaltsarztes mit einer Sanitätskolonne in die Heil- und Pflegeanstalt Ansbach gebracht. Dort verschlechtert sich sein Gesundheitszustand, er liegt meistens im Bett, macht einen apathischen Eindruck und fiebert leicht. 1942 erhält er anscheinend wegen der ständigen subfebrilen Zustände „Kostzulage“. Er macht keine besonderen Schwierigkeiten, hält sich selbst sauber, ist jedoch apathisch und kaum ansprechbar. Sein körperlicher Zustand verschlechtert sich rapide. Seinem neuen Vormund, einem Landwirt aus Gastenfelden bei Rothenburg o.T., wird die „erhebliche Verschlechterung“ im Befinden von Karl Baum mitgeteilt: „Bei längerer Andauer dieses Zustandes muss mit seinem Ableben gerechnet werden“. Karl Baum stirbt am 26. Juli 1942 im Alter von 17 Jahren.
   
Quelle Zentralarchiv Diakonie Neuendettelsau, Akte Karl Baum, Heil- und Pflegeanstalt Bruckberg
Staatsarchiv Nürnberg, Außenstelle Lichtenau, Akte Karl Baum, Kinderfachabteilung Ansbach
Evangelische Kinderpflege Würzburg, Matrikelbücher
Autorin / Autor kristin höhn
Paten Universitäts-Kinderklinik, Herrn Prof.Dr.med. Helge Hebestreit
   
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