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Ricka Goldschmidt, geb. Frank

   
geboren am 03.03.1868 in Heidingsfeld
Straße  Theresienstraße 6
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum19.11.1943
TodesortTheresienstadt
   
am 23.9.1942 von Würzburg nach Theresienstadt deportiert und dort am 19.11.1943 ermordet
   
Ricka Goldschmidt wurde am 3. März 1868 als zweites Kind des Viehhändlers Marum Frank (1819-1905) und dessen Ehefrau Fanny, geb. Süßer (gest. 1890) in Heidingsfeld geboren. Ihre Brüder Abraham (1866-1939) und Meier (1872-1942) waren ebenfalls Viehhändler. Abraham übernahm das Geschäft des Vaters nach dessen Tod und Meier führte seinen eigenen Betrieb in Heidingsfeld. In seinem Haushalt lebte Rickas Schwester Hanna (1871-1942).
Ricka Frank heiratete den soeben an der Universität Würzburg promovierten Arzt Dr. Joseph Goldschmidt und zog mit ihm im Februar 1891 ins mittelfränkische Mönchsroth. Ihr Mann eröffnete dort eine Praxis. Zwischen 1898 und 1906 kamen drei Kinder des Ehepaares auf die Welt: Frieda/Friedel (1898-1944), Elsa/Else (1900-1944/45) und Max (1906-1941/42?). Sie wurden alle in Mönchsroth geboren. Ebenso wie ihr Mann war Ricka Goldschmidt gesellschaftlich aktiv. Im Jahr 1925 wird sie in dem 1918 gegründeten Jüdischen Frauenverein als Vorsitzende geführt.
Doch schon in den späten 1920er Jahren änderte sich das Leben der angesehenen Arztfamilie dramatisch. Die zunehmend antijüdische Stimmung veranlasste schließlich Ricka Goldschmidt und ihren Mann Anfang 1933, die Arztpraxis aufzugeben. Zusammen mit den Töchtern Elsa, die in der Praxis des Vaters als Arzthelferin gearbeitet hatte, und Frieda zogen sie nach Würzburg. Frieda war 1932 aus Bad Nauheim zurückgekehrt, wo sie als Krankenschwester in der Jüdischen Kinderheilstätte tätig gewesen war. In Würzburg lebten Ricka Goldschmidts Brüder mit ihren Ehefrauen und Kindern sowie ihre Schwester.
Bis 1939 wohnte sie mit ihrem Mann und Tochter Elsa in der Theresienstr. 6; am 29.08.1939 mussten sie in die Hindenburgstr. 14 und im März 1941 in die Hindenburgstr. 36 – beides sogenannte „Judenhäuser“ – ziehen. Schließlich wurde die nunmehr 73-jährige mit ihrem Ehemann in das Israelitische Kranken- und Pfründnerhaus in der Dürerstr. 20 eingewiesen, wo ihre älteste Tochter Frieda schon seit Oktober 1933 als Krankenschwester arbeitete und auch wohnte. Ihre Tochter Elsa und Sohn Max, der 1938 noch zur Familie in die Theresienstr. 6 gezogen war, wohnten 1941 in der Hindenburgstr. 21, ebenfalls in einem sogenannten „Judenhaus“. Beide wurden am 27.11.1941 mit dem ersten Transport aus Würzburg über Nürnberg nach Riga-Jungfernhof deportiert.
Ricka Goldschmidt wurde in dem großen Transport der „Alten“ am 23.9.1942 nach Theresienstadt verschleppt. Zusammen mit ihr gingen ihr Ehemann Joseph, ihre Tochter Frieda und ihre Schwester Hanna.
Ricka Goldschmidt starb am 19.11.1943 mit 75 Jahren an den unmenschlichen Bedingungen in Theresienstadt, wo Hunger und Krankheiten dazu dienten, die Menschen umzubringen. So musste sie dort innerhalb eines Monats den Tod ihrer Schwägerin Rika Goldschmidt (17.12.1942), ihres Mannes (19.12.1942) sowie ihrer Schwester Hanna (25.12.1942) miterleben; wenige Monate später starb auch ihr Schwager Moritz (14.4.1943). Moritz und Rika Goldschmidt waren von ihrem Wohnort Nürnberg aus bereits am 10.9.1942 nach Theresienstadt deportiert worden.
Rickas Tochter Frieda wurde im Oktober 1944 von Theresienstadt nach Auschwitz verschleppt und dort wahrscheinlich gleich nach der Ankunft ermordet. Der Sohn Max kam im Raum Riga ums Leben, während die Tochter Elsa 1944/45 das KZ Stutthof oder einen der Todesmärsche nicht überlebte.
   
Quelle Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1934-1942; Grundlisten 1934-1942, Auskunft A. Ullrich vom 21.02.2017;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 160f., 198;
Staatsarchiv Würzburg, Jüdische Standesregister 40-42 Heidingsfeld;
Standesamt der Verwaltungsgemeinschaft Wilburgstetten, Geburtenregister Mönchsroth, Auskunft H. Frank vom 16.03.2017;
Evang.-Luth. Pfarrarchiv Mönchsroth, Informationen zur Familie Goldschmidt, Auskunft Pfr. G. Reese vom 22.02.2017;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de876660 (17.01.2017); dort auch die Angaben zu weiteren Angehörigen;
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Würzburg - Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09.1942 (Transportlisten), http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-8.jpg (17.01.17);
Alemannia Judaica Mönchsroth, http://alemannia-judaica.de/moenchsroth_synagoge.htm (17.01.2017);
Tracing the Past – 1939 German Minority Census, https://www.tracingthepast.org/index.php/en/minority-census/census-database (17.01.2017);
List of Nuremberg’s Victims of Shoah, http://www.jewishgen.org/yizkor/nuremberg (10.03.2017).
Autorin / Autor Elke Wagner
Paten Frau Helia Zugelder
   
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