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Elise Süßer

   
geboren am 20.01.1857 in Laudenbach (Karlstadt)
Straße  Haugerring 5
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum30.01.1943
TodesortTheresienstadt
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 30.01.1943 ermordet
   
Elise Esther Süßer wurde als jüngstes Kind des Ökonomen Süßel Süßer (1815-1895) und seiner Frau Karoline, geb. Adler (1827-1891) am 20. Januar 1857 in Laudenbach bei Karlstadt geboren. Ihre Geschwister Abraham Süßel Süßer (1845-1845), Marianne Rosenbusch (1850-1941), Fanny Süßer (Jg. 1851), Babette Stettenheimer (1853-1912) und Bertha Süßer (1854-1931) kamen dort ebenfalls zur Welt.
Süßel Süßer zog mit seiner Ehefrau und seinen unverheirateten Töchtern Bertha und Elise um 1887 in die Domstraße 32/34 in Würzburg, wo er im Adressbuch als Salomon mit dem Zusatz „Privatier“ aufgeführt ist. Um 1889 nahm die Familie am Haugerring 16 (heute Haugerring 5) ihre Wohnung. Dort führte sie im dritten Stock des Hauses wohl eine Privatpension. Jedenfalls schreibt der irische Dramatiker John Millington Synge (1871-1909), der im Januar 1894 eine Zeitlang bei Familie Süßer wohnte, in einem Brief von mehreren Gästen bei Tisch. Ein Jahr später starb Süßel Süßer, vier Jahre nach seiner Frau Karoline. Die beiden Töchter Bertha und Elise führten die private Pension fort, zogen jedoch um 1900 zunächst in die Wolframstraße 3 und zwei Jahre später in die Kaiserstraße 13.
Dort lebten sie bei ihrer älteren Schwester Marianne Rosenbusch (1850-1941) und deren Mann Sigmund (1852-1931) im dritten Stock. Dieser war Teilhaber und seit etwa 1908 Alleininhaber der Firma H. Stettenheimer & Co., einer Schuhwarengroßhandlung im Rückgebäude. Ob Elise einer Berufstätigkeit nachging, ist nicht bekannt. Sie dürfte sich im Haushalt und vielleicht auch im Schuhgeschäft nützlich gemacht haben. Sigmund Rosenbusch und Elises Schwester Bertha starben beide 1931, 1934/35 wurde das Geschäft unter dem Druck des NS-Staates geschlossen.
Zum 1. Juli 1936 zogen die betagten Schwestern Elise Süßer und Marianne Rosenbusch in die Kaiserstraße 7 zu Mariannes Tochter Ida und deren Mann Adolf Silbermann. Nach dem erzwungenen Umzug in das „Judenhaus“ Hindenburgstraße 34 teilten sie sich zu viert als Untermieter drei Zimmer einer Wohnung.
Im Sommer 1941 mussten Elise und Marianne dann in das überfüllte jüdische Altersheim in der Konradstraße 3 einziehen. Nur wenige Wochen später folgte auch das Ehepaar Silbermann. Elise beantragte kurz darauf den Verkauf von insgesamt vier Möbelstücken. Der Erlös lag bei 69 Reichsmark, 50 Reichsmark wurden ihr auf ihr Sicherungskonto überwiesen. Marianne Rosenbusch starb am 6. November 1941 mit 91 Jahren. Die anderen drei Familienmitglieder wurden am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Dort erlag Elise Süßer nach wenigen Monaten am 30. Januar 1943, zehn Tage nach ihrem 86. Geburtstag, den unmenschlichen Lebensbedingungen. Adolf Silbermann war bereits wenige Tage zuvor umgekommen, das Todesdatum seiner Frau Ida ist nicht bekannt.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 472, 559, 603, 627;
Staatsarchiv Würzburg, Jüdische Standesregister 67 Laudenbach; Gestapo 15837 Elise Süßer; Gestapo 14467 Adolf Silbermann;
Stadtarchiv Würzburg, Aufenthaltsanzeige Süssel Süßer; Grundlisten Haugerring 16; Kaiserstraße 13; Kaiserstraße 7;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html.de?result#frmResults (15.05.2017); dort auch die Angaben zu weiteren Angehörigen;
Todesbestätigung Elise Süßer: http://www.holocaust.cz/en/database-of-digitised-documents/document/93574-s-sser-elise-esther-death-certificate-ghetto-terezin/ (15.05.2017);
Brief von John Millington Synge [Würzburg, 2. Februar 1894 (?)], in: Würzburg – John Millington Synge’s Turning Point of Life. Dokumente zusammengetragen von Jürgen Gottschalk, hrsg. v. d. Deutsch-Irischen Gesellschaft Würzburg e. V., Würzburg 1993.
Autorin / Autor Katharina Groll
Paten Deutsch-Irische Gesellschaft Würzburg e.V., Herr Matthias Fleckenstein
   
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