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Max Goldschmidt

   
geboren am 05.08.1906 in Mönchsroth/Mfr.
Straße  Theresienstraße 6
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
TodesortRaum Riga
   
Am 27.11.1941 über Nürnberg nach Riga-Jungfernhof deportiert und dort oder in der Nähe vermutlich 1941/42, spätestens 1944 ermordet.
   
Max Goldschmidt wurde am 05.08.1906 als jüngstes Kind des Arztes und Sanitätsrats Dr. Joseph Goldschmidt (1865-1942) und seiner Frau Ricka, geb. Frank (1868-1943) in Mönchsroth bei Dinkelsbühl geboren.
Über sein Leben ist wie über das seiner Schwestern nur wenig bekannt. Im Alter von 14 Jahren schickten ihn seine Eltern im Jahr 1920 – wohl der besseren Bildungsmöglichkeiten wegen - nach Würzburg, wo er bis 1923 zur Schule ging. Er wohnte bei Verwandten in Heidingsfeld, der Familie seines Onkels Meier Frank (1872-ca. 1942), eines Bruders seiner Mutter. Die Familie bestand aus den Eltern Meier und Fanny (1890-ca. 1942), drei Kindern, die deutlich jünger waren als Max, sowie der unverheirateten Tante Hanna Frank (1871-1942). Bis Juli 1926 lebte Max bei ihnen in der Rupertsgasse 3 in Heidingsfeld. Vielleicht absolvierte er dort oder in Würzburg eine kaufmännische Lehre, bevor er sich nach Köln abmeldete. Dort finden sich jedoch keine Spuren von ihm.
Ab dem 28.11.1931 arbeitete Max Goldschmidt als Lagerist in Memmingen im Allgäu und zog nach knapp vier Jahren von dort nach Neu-Ulm. Das Datum wird mit dem 01.07.1935 angegeben, Max war zu diesem Zeitpunkt 29 Jahre alt. In der hasserfüllten Atmosphäre der NS-Verfolgung wurde es für Juden immer schwerer, einen Arbeitsplatz zu finden. So entschloss sich Max Anfang 1938, zu seiner Familie nach Würzburg zu ziehen. Dort lebten seit 1933 seine Eltern Dr. Joseph und Ricka Goldschmidt und seine Schwestern Elsa (1900-1944) und Frieda (1898-1944). Ab dem 15.01.1938 ist er in der Wohnung seiner Eltern und der Schwester Elsa in der Theresienstraße 6 gemeldet. Vermutlich musste er in Würzburg Hilfsarbeiten leisten, denn in der Deportationsliste wird Max Goldschmidt als „kfm. Angestellter und Hilfsarbeiter“ geführt.
Ende August 1939 musste er mit der Familie aus der Theresienstraße 6 ausziehen; wie lange sie noch zusammen wohnten, ist unklar. Die Eltern waren Anfang 1941 in der Hindenburgstraße 14 und seit März 1941 in der Hindenburgstraße 36 gemeldet, bevor sie im August des gleichen Jahres in die Dürerstraße 20, das überfüllte Jüdische Altersheim, ziehen mussten. Max und seine Schwester Elsa Goldschmidt lebten hingegen 1941 in der Hindenburgstraße 21, einem sogenannten „Judenhaus“.
Im November des gleichen Jahres gehörten die Geschwister zu den Opfern der ersten Deportation aus Würzburg, die auch zu den ersten aus dem Deutschen Reich insgesamt zählt. Am 27.11.1941 wurden sie unter Aufsicht von Polizei und SS nach 12-stündiger Kontrolle und Internierung in der Schrannenhalle um 3:30 Uhr nachts mit weiteren 200 Menschen zum Güterbahnhof Aumühle geführt. Der Zug verließ Würzburg um 5:50 Uhr morgens mit Ziel Nürnberg-Langwasser, wo die Menschen noch zwei weitere Tage im dortigen Lager ausharren mussten. Am 29.11.1941 wurde Max Goldschmidt von Nürnberg aus ins Baltikum deportiert. Der Transport erreichte am 02.12.1941 das Durchgangslager Riga-Jungfernhof.
Dort verliert sich die Spur von Max Goldschmidt. Er ist entweder im Winter 1941/42 auf dem Jungfernhof Hunger und Kälte erlegen, als Zwangsarbeiter beim Bau des KZ Salaspils umgekommen oder im Zuge der Massenerschießungen im Wald von Bi?ernieki im März 1942 ermordet worden. Max Goldschmidt war zu diesem Zeitpunkt Mitte 30.
Seine Schwester Elsa, die mit ihm deportiert worden war, lebte noch länger als er. Sie wurde im Spätsommer oder Frühherbst 1944 von Riga aus in das KZ Stutthof bei Danzig gebracht und starb dort oder auf einem der Todesmärsche. Die Schwester Frieda wurde als Krankenschwester mit ihren Eltern und einer großen Zahl weiterer alter Menschen 1942 nach Theresienstadt deportiert und im Oktober 1944 von dort nach Auschwitz in die Vernichtung geschickt. Die Eltern starben 1942 bzw. 1943 in Theresienstadt.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 198;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1934-1942; Grundlisten Theresienstr.6, Hindenburgstr. 14 und 21, 1934-1942, Auskunft A. Ullrich vom 21.02.2017;
Standesamt der Verwaltungsgemeinschaft Wilburgstetten, Geburtenregister Mönchsroth, Auskunft H. Frank vom 16.03.2017;
Evang.-Luth. Pfarrarchiv Mönchsroth, Informationen zur Familie Goldschmidt, Auskunft Pfr. G. Reese vom 22.02.2017 und 13.04.2017;
Stadtarchiv Memmingen, telefonische Auskunft von Ch. Engelhard vom 30.03. und 18.05.2017;
Gedenkheft für die jüdischen Frauen, Männer und Kinder aus Memmingen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, verschleppt und ermordet wurden, http://stadtarchiv.memmingen.de/blaetterkataloge/catalogs/Stadtarchiv/Gedenkheft-Ewige-Namen_2014/pdf/complete.pdf , S. 30 (18.03.2017);
Stadtarchiv Köln, Meldearchivauskunft A. Pütz vom 15.05.2017;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de876550 (17.01.2017); hier auch Angaben zu den Angehörigen;
Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Nürnberg-Würzburg nach Riga. Abfahrt: 27./29.11.1941 http://statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg6.jpg (17.01.2017);
Alemannia Judaica, Art. Mönchsroth, http://alemannia-judaica.de/moenchsroth_synagoge.htm (17.01.2017);
Tracing the Past – 1939 German Minority Census, https://www.tracingthepast.org/index.php/en/minority-census/census-database (17.01.2017).
Autorin / Autor Elke Wagner
Paten Frau Susanne Bachmann-Lauer
   
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