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Erna Kleemann, geb. Rosenthal

   
geboren am 03.07.1892 in Würzburg
Straße  St.-Benedikt-Straße 4
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatum26.03.1942
TodesortWald von Bikernieki bei Riga
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und am 26.03.1942 bei Riga ermordet
   
Erna Kleemann war das einzige Kind des Kaufmanns Max Rosenthal (1863-1926) aus Erfurt und seiner Frau Frieda, geb. Scheidt (1867-1928), die aus Kitzingen stammte. Ihr Vater war seit 1886 in Würzburg ansässig und bald darauf hatten ihre Eltern 1890 geheiratet. Das erste Kind ihrer Eltern war gleich nach der Geburt gestorben. Als Erna auf die Welt kam, wohnte die Familie in der Reibeltgasse 6. Ihr Vater betrieb eine Agentur für Wein, Getreide und landwirtschaftliche Produkte, die Firma L. & M. Rosenthal. Die Familie zog noch häufiger um, bis sie sich nach Ernas Heirat mit Wohnung und Geschäft in der Ottostraße 14 niederließ.
Im Dezember 1912 fand Ernas Hochzeit mit dem Pferde- und Viehhändler Gustav Kleemann statt. Sie wohnte mit ihm in der Benediktstraße 4 (früher Alleestraße, dann Bertholdstraße, heute St.-Benedikt-Str.), wo sich auch das Geschäft der Brüder Max und Gustav Kleemann befand. Die Ehe blieb kinderlos. Erna Kleemann hatte zwar keinen Beruf gelernt, führte aber – auch nach dem Tod ihres Vaters 1926 – bis mindestens 1934 als Prokuristin den Betrieb ihrer Eltern, allerdings dann unter der Adresse Alleestraße 4. Vermutlich 1938 wurde der Betrieb unter dem Druck der NS-Politik aufgelöst, er findet sich 1939 nicht mehr im Adressbuch.
Alle Bemühungen ihres Mannes um eine Emigration scheiterten an immer neuen Hindernissen, die die Würzburger Behörden den Kleemanns in den Weg legten. Weder die Teilnahme an einem Gruppenauswanderungsprojekt nach Ecuador, das ihr Mann betrieb, noch die vorhandenen Bürgschaften für die USA führten zum Erfolg. Das eigene Geschäft musste Gustav Kleemann im März 1940 nach einem gescheiterten Rechtsstreit aufgeben. Nach einem Schlaganfall war Erna Kleemann halbseitig gelähmt, „nicht reisefähig und in hohem Maß pflegebedürftig“, wie ihr ein Arzt am 15. November 1941 attestierte: Ein Transport sei mit Lebensgefahr verbunden. Es half nichts.
Am 27. November 1941 wurde Erna zusammen mit ihrem Mann, dessen Bruder Max und dessen Tochter Lore nach Riga-Jungfernhof deportiert. Hier wirkte Gustav Kleemann als Lagerältester. Am 26. März 1942 sollten Erna Kleemann, ihr Mann und ihre Verwandten wie der größte Teil der Lagerhäftlinge angeblich in ein Lager mit besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen verlegt werden. In Wirklichkeit wurden sie wie rund 1.700 Mithäftlinge in einem nahe gelegenen Waldstück bei Bikernieki erschossen und in Massengräbern verscharrt.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 307; T. 2, S.483;
Staatsarchiv Würzburg, Gestapo 3931, 3933;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1905-1941;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/899444 (02.06.2016);
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/ (19.9.2016);
The Scheidts in Kitzingen, http://www.rijo.homepage.t-online.de/pdf/en_de_ju_sky10104.pdf (16.9.2916);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg6.jpg (02.06.2016).
Autorin / Autor Ingrid Sontag
Paten Susanne Götz
   
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