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Hedwig Loeb, geb. Oppenheimer

   
geboren am 01.03.1854 in Burgkundstadt/Ofr.
Straße  Röntgenring 4
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum10.09.1942
Todesdatum10.11.1942
TodesortTheresienstadt
   
am 10. September 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 10. November 1942 ermordet
   
Hedwig Oppenheimer wuchs mit Eltern und Geschwistern in Burgkunstadt als älteste Tochter des Kaufmanns Lazarus Oppenheimer (1816-1886) und seiner Frau Luise geb. Weiermann (Jg. 1841) auf. Ihre Geschwister waren Zerlina verh. Fleischmann, Max Lazarus (1852-1934), Justin (Jg. 1851), Jakob (1856-1936) und Klara. Wahrscheinlich sind alle ihre Geschwister zwischen etwa 1870 und 1880 in die Vereinigten Staaten ausgewandert und haben sich zumeist in Texas niedergelassen, so wie ein großer Teil der Bewohner der Straße, in der die Eltern gelebt hatten. Lediglich die Mutter soll nachweislich in Burgkunstadt begraben worden sein.
Im Januar 1880 heiratete Hedwig in Lichtenfels den Kaufmann Moses Carl Loeb (1848-1926), der aus Hambach an der Weinstraße stammte und seit 1873 in Würzburg ansässig war. Über seine Herkunft und seinen Werdegang ließen sich in den gemeindlichen und staatlichen Archiven keine Informationen auffinden. Hedwigs Ehemann hatte zunächst als Angestellter gearbeitet, bevor er sich 1876 als Hutmacher selbständig machte und in der Kaiserstraße 3 das Hutgeschäft M.C. Loeb eröffnete, in dem er später auch Herrenmode verkaufte.
Im Oktober nach der Heirat kam die älteste Tochter Elsa (1880-1944) zur Welt und zwei Jahre später Emmi (1882-1942). Nach dem Sohn Ludwig (1887-1941) wurden noch die beiden Töchter Hertha (auch Bertha, 1892-1943) und Anna (1896-1970) geboren. Die Familie wohnte zunächst in der Kaiserstraße 17, dann in Nr. 12, zog ca. 1893 in die Dominikanergasse 6 um und 1903 an den Haugerring 9. Die Wohnung am Pleicherring 4, dem heutigen Röntgenring, blieb ab 1913 für lange Jahre der Wohnsitz von Hedwig und ihren Angehörigen.
In dieser Zeit heirateten ihre älteren Töchter: Elsa zog zu ihrem Ehemann Moritz Fränkel (aus Fürth) nach Berlin, kam jedoch wenig später nach dessen Tod Anfang 1912 wieder nach Würzburg zurück und lebte bei den Eltern am Pleicherring. Emmi wohnte seit ihrer Hochzeit mit dem Rechtsanwalt Dr. Georg Lang (1881-1935) in Nürnberg, der 1935, vermutlich nach Verlust seiner beruflichen Existenz, den Freitod wählte. Hertha heiratete 1920 den Zahnarzt Dr. Daniel Rosenthal und zog nach München, wo 1921 Hedwigs Enkelin Mathilde auf die Welt kam. Die Ehe wurde geschieden. Seit ihrer zweiten Ehe im März 1942 trug Hertha den Namen Levi. Die jüngste Tochter Anna gründete mit dem Weinhändler Willy Rothstein 1925 eine Familie und hatte einen Sohn Heinz (Jg. 1925). Hedwigs Sohn Ludwig, der mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte, blieb ledig.
Bereits 1912 hatte Moses Loeb das Hutgeschäft an seine jung verwitwete Tochter Elsa Fränkel übergeben. Er führte bis zu seinem Tod 1926 jedoch seine Agentur für Kellereiartikel, die dann von seinem Sohn Ludwig übernommen wurde. Das Hutgeschäft der Familie wurde 1932 in die Eichhornstraße 23 verlegt und vermutlich 1934 unter dem Druck der NS-Politik geschlossen. Im August 1938 mussten Hedwig Loeb und ihre Tochter Elsa Fränkel dann ihre Wohnung am Pleicherring verlassen und in die Schillerstraße 3 umziehen - vermutlich weil das Haus verkauft worden war. Dies war jedoch noch nicht das Ende der erzwungenen Umzüge: Ab Juli 1941 wohnten Hedwig und ihre Tochter im Altersheim der Israelitischen Kranken- und Pfründnerhausstiftung in der Konradstraße 3.
88 Jahre war Hedwig Loeb alt, als sie am 10. September 1942 mit Tochter Elsa Fränkel ins Ghetto Theresienstadt deportiert wurde, wo sie nach nur zwei Monaten aufgrund der unsäglichen Lebensbedingungen starb.
Von ihren Kindern hat nur die jüngste Tochter Anna überlebt, die 1938 mit Mann und Sohn von Berlin in die USA emigrieren konnte. Hedwigs Sohn Ludwig war das erste Opfer des Nazi-Regimes in der Familie: Wegen politischer Äußerungen in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau inhaftiert, kam er Anfang 1941 zu Tode. Tochter Emmi Lang wurde im März 1942 von Nürnberg nach Izbica deportiert und wenig später im Raum Lublin ermordet. Als im Juni 1943 Hedwigs Tochter Hertha Levi mit ihrem Mann in Theresienstadt eintraf, war ihre Mutter schon gestorben. Hertha wurde im Herbst des gleichen Jahres, ein Jahr vor ihrer Schwester Elsa, von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 154, 353f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de917405, (4.12.2017); hier auch Angaben zu den Angehörigen;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1873-1942, Grundlisten Kaiserstraße 3, Dominikanergasse 6, Schillerstraße 3, Einwohnermeldebogen Moses Loeb;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Hedwig Loeb und ihren Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/;
Stadtarchiv München, Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden, 1933-1945 http://www.muenchen.de/rathaus/gedenkbuch/gedenkbuch.html;
Todesfallanzeige des Ghettos Theresienstadt: http://www.holocaust.cz/de/datenbank-der-digitalisierten-dokumenten/dokument/88180-l-b-hedwig-todesfallanzeige-ghetto-theresienstadt/;
Yad Vashem – The Central Database of Shoa victims’ names, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?itemId=4783026&language=en (28.5.2017);
Telefonische Angaben von Herrn Kerling, Burgkunstadt;
Suche nach Angehörigen der Familie Oppenheimer bei Familiysearch, https://familysearch.org/search;
Genealogische Angaben zur Familie Oppenheimer, https://www.geni.com/people/Klara/6000000038195946941.
Autorin / Autor Ingrid Sontag
Paten Herr Andreas Roser
   
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