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Salomon „Saly“ Saalheimer

   
geboren am 31.05.1876 in Goßmannsdorf
Straße  Röntgenring 7
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum26.11.1942
TodesortTheresienstadt
   
Am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 26.11.1942 ermordet.
   
Salomon Saalheimer, genannt „Saly“, war Sohn von Isaak Saalheimer (1835-1911) und seiner Frau Babette, geb. Reußenberger (1836-1908). Die Familie mütterlicherseits war bereits im Jahre 1800 in Goßmannsdorf ansässig, Vater Isaak lebte dort seit 1865, wohl seit seiner Eheschließung. Das Ehepaar hatte drei Kinder: Die Söhne Moritz (1865-1928), Josef (1867-nach 1945) und Saly. Er wurde am 31. Mai 1876 geboren.

Der Vater Isaak Saalheimer leitete in den 1880er Jahren die Israelitische Kultusgemeinde von Großmannsdorf und war von Beruf Kaufmann.

Saly besuchte in Goßmannsdorf die Volksschule und absolvierte in Bad Homburg eine kaufmännische Lehre, die er 1893 abschloss. Danach trat er in das elterliche Geschäft am Wohnort ein. Um 1900 zog er nach Würzburg zu seinen beiden Brüdern Moritz und Josef, die dort seit 1895 lebten und die Tuchhandlung „I. Saalheimer Söhne“ in der Koellikerstraße 5 führten.

Im Laufe der Jahre machten sich die Saalheimer Brüder einzeln selbständig: Im Jahr 1935 gab es ein Geschäft unter dem Namen „Saalheimer, Josef“ in der Sanderstraße 2, ein anderes unter dem Namen „Saalheimer, Wilhelm“ in der Kaiserstraße 17, geführt von Moritz und Klara Saalheimers Sohn. Saly Saalheimer war zeitgleich Inhaber der Tuchgroßhandlung „A. Hirschmann & Söhne“ am Kaiserplatz 1, das bis 1905 seinem Schwiegervater gehört hatte.

In diesem Jahr hatte Saly nämlich Selma Hirschmann (1884-1944) geheiratet. Sie war die Tochter von Maier Hirschmann (1853-1930), einem Kaufmann aus Burgpreppach, und Rosa, geb. Palm (1860-1928). Maier Hirschmann hatte das Geschäft „A. Hirschmann & Sohn“ seit 1882 betrieben. Ein Jahr nach der Hochzeit von Saly und seiner Frau kam der einzige Sohn Manfred Saalheimer (1906-1967) zur Welt. Dieser sollte 1932 als promovierter Jurist Syndikus der Israelitischen Gemeinde Dresden werden und emigrierte 1939 erfolgreich nach England und ein Jahr später nach Kanada.

Wie bei vielen anderen Würzburger Männern wurde die berufliche Karriere Salomon Saalheimers während des Ersten Weltkriegs unterbrochen. Zwar war er bei seiner Mobilisierung schon 40 Jahre alt, dennoch musste er von 1916 bis 1918 im Landsturm kämpfen. Anschließend trat er der DDP bei, derjenigen Partei, der die meisten Würzburger Jüdinnen und Juden zugeneigt waren.

Im Jahr 1929 war Saly Saalheimer zudem als Kurator Mitglied der Seminarverwaltung der ILBA, der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt. Innerhalb der Würzburger Gemeinde gehörte er der größten Strömung an, den Orthodoxen, und war Mitglied der Frankenloge „Bne Briss“.

Im Juni 1937 wurde Saly Saalheimer von der NSDAP angezeigt, weil in seinem Haus am Pleicherring 7 „starker Verkehr von Juden“ geherrscht haben solle. Die Familie wurde überwacht, doch die Gestapo kam zu dem Ergebnis, dass keinerlei verfolgungsrelevante Straftaten vorgefallen seien. Vielmehr hätte es zwei Todesfälle in der Familie gegeben, weshalb sich Angehörige und Freunde zu Trauerfeiern zusammengefunden hätten.

Während des Novemberpogroms 1938 wurde Saly Saalheimer wie fast alle jüdischen Männer verhaftet und kam in Würzburg bis zum 17. November 1938 ins Gefängnis. Nach der Freilassung wurde er gezwungen, seine Firma aufzulösen, was noch bis Ende des Jahres erfolgte. Auch das Haus der Familie am Pleicherring 7 musste verkauft werden.

Am 30. April 1939 wurde das „Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden“ erlassen, das es Vermietern und Behörden ermöglichte, jüdische Bürger aus ihren Wohnungen auszuweisen und sie in beengten Räumlichkeiten sogenannter „Judenhäuser“ unterzubringen. Mehrfach war das Ehepaar Saalheimer nun gezwungen umzuziehen, ehe sie im Oktober 1941 im jüdischen Altenheim in der Konradstraße 3 endeten. Dort, in dem nun als „Judenhaus“ fungierenden Gebäude, lebte das Ehepaar noch fast ein Jahr bis zu seiner Deportation nach Theresienstadt am 23. September 1942.

Saly Saalheimer überlebte die schlechte gesundheitliche und völlig unzureichende Lebensmittelversorgung in Theresienstadt nur rund zwei Monate und starb am 26. November 1942. Seine Frau blieb noch eineinhalb Jahre lang, bis zum 18. Mai 1944, in Theresienstadt. Gemeinsam mit etwa einem Fünftel der weiteren Insassen, wurde sie im Zuge der sogenannten „Maideportationen“ nach Auschwitz verschleppt. Da sie in Auschwitz nicht einmal mehr eine Häftlingsnummer erhielt, wurde sie vermutlich unmittelbar nach der Ankunft ermordet. Saly und Selma sind die einzigen Todesopfer der unterfränkischen Familie Saalheimer.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 496f.;
Bundesarchiv, Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de957090 (03.01.2018);
Todesfallanzeige für Saly Saalheimer im Lager Theresienstadt: http://www.holocaust.cz/de/datenbank-der-digitalisierten-dokumenten/dokument/89418-saalheimer-saly-todesfallanzeige-ghetto-theresienstadt/ (20.06.2017);
Staatsarchiv Würzburg, Gestapostelle 11616 (Akte Manfred Saalheimer, konnte nicht eingesehen werden);
Stadtarchiv Würzburg, Grundlisten Pleicherring 7; Konradstraße 3;
United States Holocaust Memorial Museum, Eintrag zu Saly Saalheimer, https://www.ushmm.org/online/hsv/person_view.php?PersonId=1466753 (03.01.2018);
Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Eintrag Salomon Saalheimer, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/Datenbank/detailsinclude.php?global=;search;29352 (03.01.2018);
Alemannia Judaica – Eintrag zu Isaak Saalheimer als Gemeindevorsteher - http://www.alemannia-judaica.de/gossmannsdorf_synagoge.htm#Aus%20der%20Geschichte%20der%20j%C3%BCdischen%20Lehrer (27.06.2017); Informationen zu Moritz Saalheimer - http://www.alemannia-judaica.de/wuerzburg_personen.htm (27.06.2017);
Family – Search, https://familysearch.org/ark:/61903/3:1:3QS7-L9MB-SVKS?i=13&cc=2000219 (28.06.2017);
Verzeichnis der jüdischen Gewerbebetriebe, Ärzte und Rechtsanwälte in Würzburg im Juni 1935, darin die Tuchgroßhandlungen der Familie Saalheimer, http://www.rijo.homepage.t-online.de/pdf/DE_BY_JU_wue.pdf;

Autorin / Autor Maria Magdalena Neu / Ann-Kathrin Pfeifer / JSZ
Paten Dr. Alexander Voigt
   
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