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Selma Saalheimer, geb. Hirschmann

   
geboren am 16.08.1884 in Würzburg
Straße  Röntgenring 7
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum00.05.1944
TodesortAuschwitz
   
Am 23.09.1942 von Würzburg nach Theresienstadt deportiert und von dort am 18.05.1944 nach Auschwitz, wo sie wohl direkt ermordet wurde.
   
Selma war die einzige Tochter von Maier Hirschmann (1853-1930) aus Burgpreppach und dessen Ehefrau Rosa, geb. Palm (1860-1928), die aus Sommerhausen stammte. Selma wurde am 16. August 1884 in Würzburg geboren.

Maier Hirschmanns Vorfahren waren schon um 1800 in der unterfränkischen Marktgemeinde Burgpreppach ansässig. Als junger Mann wanderte er in die Schweiz aus und nahm die dortige Staatsbürgerschaft an. 1875, mit 22 Jahren, kehrte er nach Abschluss seiner Ausbildung zurück und trat als Kommis in die Tuchgroßhandlung „A. J. Herzfelder“ in Würzburg ein. 1882 eröffnete er am Kaiserplatz 1 einen eigenen Tuch- und Wildleder-Großhandel unter dem Namen „A. Hirschmann Sohn“, den er 1905 schließlich an seinen Schwiegersohn Salomon (Saly) Saalheimer übergab, der in diesem Jahr Maiers Tochter Selma geheiratet hatte. Maier Hirschmann blieb aber vorerst wohl als Prokurist der Firma tätig.

Von der Hochzeit bis zum Jahr 1940 lebten Saly und Selma, seit 1906 auch der gemeinsame Sohn Manfred Saalheimer, am Pleicherring 7, dem heutigen Röntgenring 7. Das Haus befand sich in ihrem Besitz. Sie mussten es unter dem Druck der NS-Politik verkaufen und im September 1940 ausziehen. Nach erzwungenen Etappen am Haugerring 16 und in dem sogenannten „Judenhaus“ in der Friedenstraße 26 fanden sie sich seit Oktober 1941 im Altenheim in der Konradstraße 3 wieder, wo sie für die bevorstehende Deportation „konzentriert“ werden sollten.

Schikanen durch die Nationalsozialisten blieben auch Selma Saalheimer nicht erspart. Zwei Monate nach dem Einzug in das unfreiwillige Heim wurde Selma wegen eines Briefes von ihrem Sohn Manfred aus einem Interniertencamp in Kanada vernommen, doch das Ganze blieb ohne Konsequenzen. Am 23. September 1942 erfolgte schließlich die Deportation der Saalheimers von Würzburg nach Theresienstadt, die die Nazis hämisch als „Umsiedlung“ oder „Evakuierung“ beschönigten.

Nachdem Selmas Mann Saly in Theresienstadt nur zwei Monate überlebt hatte, blieb sie noch eineinhalb Jahre, bis zum 18. Mai 1944 in Theresienstadt und hielt den Widrigkeiten von Schmutz, viel zu wenig Essen und mangelnder Hygiene und Gesundheitsversorgung stand. Im Frühjahr 1944 stand ein Besuch des Roten Kreuzes im Lager an und die Nationalsozialisten beschlossen, ein Fünftel der Gefangenen zu deportieren. Sie wollten die Organisation über die wahren Zustände im Lager täuschen. Gemeinsam mit 7.448 anderen Menschen wurde Selma Saalheimer auf einer der so bezeichneten „Maideportationen“ nach Auschwitz verschleppt. Dort hat sie nach offiziellen Angaben nicht einmal mehr eine Gefangenennummer erhalten. Dies deutet darauf hin, dass sie nach der Ankunft an der Rampe des Bahnsteigs dazu „selektiert“ wurde, unmittelbar in den Gaskammern von Auschwitz II – Birkenau ermordet zu werden.

Selma und Saly waren die einzigen Angehörigen der unterfränkischen Familie Saalheimer, die in der Shoa ermordet wurden. Ihr Sohn Dr. Manfred Saalheimer hatte mehr Glück. Als promovierter Jurist lebte er seit 1932 in Dresden und war dort Syndikus für die Israelitische Kultusgemeinde. Außerdem engagierte er sich im Sächsischen Landesverband. Im Novemberpogrom wurde er wie sein Vater interniert und kam für einige Tage nach Buchenwald. Nach der Befreiung emigrierten er und seine spätere Frau Herta/Harriet, geb. Steinhart (Jg. 1915), nach England und von dort nach Kanada.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 496f.;
Bundesarchiv, Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de957091 (03.01.2018);
Staatsarchiv Würzburg, Gestapostelle 11616 (Gestapoakte Manfred Saalheimer, konnte nicht eingesehen werden);
Stadtarchiv Würzburg, Grundlisten Pleicherring 7; Grundlisten Konradstraße 3;
United States Holocaust Memorial Museum, Eintrag zu Selma Saalheimer, https://www.ushmm.org/online/hsv/person_view.php?PersonId=1466754 (03.01.2018);
Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Eintrag Selma Saalheimer, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/Datenbank/detailsinclude.php?global=;search;29353 (03.01.2018).
Autorin / Autor Maria Magdalena Neu / Ann-Kathrin Pfeifer / JSZ
Paten Frau Annette Stassek-Bonnett
   
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