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Hermine Kleemann

   
geboren am 13.09.1881 in Würzburg
Straße  Schießhausstraße 15
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatum26.03.1942
TodesortWald von Bikernieki bei Riga
   
Am 27.11.1941 von Würzburg in das Lager Riga-Jungfernhof deportiert und am 26.03.1942 im Wald von Bikernieki bei Riga ermordet.
   
Hermine Kleemann wurde am 13. September 1881 in Würzburg geboren. Hier wuchs sie als ältestes von drei Kindern des Kaufmanns für Kurz-, Weiß- und Wollwaren Sigmund Kleemann (1853-1920) und seiner Frau Helene, geb. Strauß (1860-1918) auf. Ihr Vater stammte aus Werneck und lebte mit seiner Herkunftsfamilie seit etwa 1870 in der Stadt.

Nach ihrer Schul- und Berufsausbildung arbeitete Hermine Kleemann als Verkäuferin, Handelsvertreterin und Filialleiterin. Sie wohnte wie auch ihre Schwester Ida (1885-1942) weiterhin bei den Eltern in der Schießhausstr. 15. Hermines Mutter Helene starb jedoch im Jahr 1918 und zwei Jahre später, im Dezember 1920, auch ihr Vater Sigmund. Ihr Bruder Justin (geb. 1883), der in Berlin lebte, kam dort am 20. Dezember 1927 bei einem Autounfall ums Leben.

Hermine Kleemann blieb zeitlebens unverheiratet und leitete mit ihrer ebenfalls unverheirateten Schwester Ida von 1927 bis 1937 die Filiale „Max Lindemann-Etam“, ein Fachgeschäft für Damenstrümpfe und -wäsche in der Würzburger Altstadt am Kürschnerhof 13. Es war nicht ungewöhnlich, dass berufstätige Frauen in dieser Zeit ledig blieben. Aus „betriebswirtschaftlichen“ Gründen wurde sie zusammen mit ihrer Schwester im Zuge der durch die NS-Politik forcierten Ausgrenzung der Juden aus Wirtschaft und Gesellschaft 1937 entlassen – ihr Arbeitgeber betonte allerdings in ihrem Arbeitszeugnis die „erstklassige[n]“ Kenntnisse und die Ehrlichkeit Hermines.

Vermutlich bemühten sich die beiden Schwestern nun um ihre Emigration in die USA. Dies belegt ein Brief vom 16. Juni 1938 aus dem Amerikanischen Konsulat Stuttgart. Es geht darin um die Eintragung von Visa und die Ausreise in die USA, beigefügt ist eine Liste des Supreme Court-County of Dutchess, auf der Hermine und Ida vermerkt sind.

1938 wurden die Schwestern dann aus ihrer langjährigen Wohnung in der Schießhausstraße 15 ausgewiesen und wie viele andere jüdische Bürger in den beengten Räumlichkeiten eines sogenannten „Judenhauses“ untergebracht, und zwar in der Friedenstraße 26. Seit Juni 1941 arbeitete Hermine als „Begleiterin“ im jüdischen Altersheim in der Konradstraße 3. Noch im gleichen Jahr wurde sie im Zuge des ersten Transports aus Würzburg deportiert. Wenige Tage vorher wurde das gesamte Vermögen der Kleemann-Schwestern, das zu diesem Zeitpunkt knapp 1.600 Reichsmark betrug, rückwirkend ab dem 15. Oktober 1941 beschlagnahmt.

Der Transport am 27. November 1941 brachte die Schwestern über Nürnberg in das Lager Riga-Jungfernhof. Auch einige weitläufige Verwandte wurden zugleich dorthin deportiert: Hermines und Idas Großcousin Gustav Kleemann (1881-1942) mit Ehefrau Erna (1892-1942) und dessen Bruder Max Kleemann (1879-1942), begleitet von seiner Tochter Lore (1924-1942). Gustav war als Ordner auf dem Transport und später als Lagerältester auf dem Jungfernhof eingesetzt. Vier Monate später, am 26. März 1942, wurden nach Zeitzeugenaussagen alle noch auf dem Jungfernhof lebenden Angehörigen der Familie Kleemann, darunter auch Hermine, im Zuge der Massenerschießungen im Wald von Bikernieki nahe der Stadt Riga ermordet.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 3935 (Hermine Kleemann);
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 308;
Bundesarchiv. Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/899442 (22.12.2017); auch die genannten Angehörigen haben Einträge unter ihrem Namen;
1. Transport vom 27./29. November 1941 von Würzburg über Nürnberg nach Riga-Jungfernhof, Liste vom 19.11.1941, StA Wü, Gestapostelle Würzburg 18874, Bl. 16, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg8.jpg (22.12.2017).
Autorin / Autor Sarah Steinborn / Ann-Kathrin Pfeifer / JSZ
Paten Frau Katharina Friedrich-Drenkard
   
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