zurück

Laura Frankenfelder, verw. Mondschein

 
geboren am 13.10.1893 in Wiesenfeld als Laura Bamberger
Straße  Kapuzinerstraße 21
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
TodesortRaum Riga
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und dort oder in der Nähe vermutlich bald darauf ermordet
   
Laura Bamberger stammte aus Wiesenfeld und war die Tochter des dortigen Pferdehändlers Max (Markus) Bamberger (1865-1936), der am 18.12.1892 in Rieneck Ida Rosenstein (1869-1936) aus Geldersheim geheiratet hatte. Die Familie lebte in Wiesenfeld, Haus Nr. 72. Drei Jahre nach Laura kam ihr Bruder Siegfried (1896) auf die Welt.

Laura heiratete im Jahr 1914 Martin Mondschein (1884-1937), der in Bamberg zusammen mit seinem Bruder Stephan bis 1931 das vom Vater gegründete Lederwarengeschäft führte. Nach der Schließung des Geschäfts verarmte die Familie und bezog Unterstützungsleistungen. Laura betrieb in der Privatwohnung der Familie von 1933-1936 einen koscheren Mittags- und Abendtisch.

Aus unterschiedlichen Gründen gingen die Familienmitglieder in dieser Zeit auseinander: Martin Mondschein war vermutlich schwer krank und lebte seit 1935 im Jüdischen Altersheim in Würzburg, wo er 1937 starb. Der gemeinsame Sohn Kurt, 1915 geboren, wanderte zur gleichen Zeit im Alter von 20 Jahren von Bamberg nach Kapstadt aus. Laura arbeitete in Bamberg von April 1936 bis August 1937 als Leiterin des rituellen Küchenbetriebs der Speisewirtschaft ‚Zur weißen Traube‘, die sich im Besitz der Israelitischen Kultusgemeinde befand. Danach verließ sie Bamberg und zog für kurze Zeit nach Wiesenfeld.

Dort verkaufte sie mit ihrem Bruder Siegfried im September 1937 das Anwesen der 1936 verstorbenen Eltern. Siegfried war mit Meta, geb. Strauss (1909-1944) verheiratet und zog nach dem Verkauf des Elternhauses zu seinen Schwiegereltern nach Karlstadt. Nach dem Novemberpogrom 1938 ging das Paar nach Würzburg.

Laura Mondschein war in dieser Zeit an verschiedenen Orten tätig, wie Zeugnisse belegen, von denen sie noch im Februar 1941 beglaubigte Kopien erstellen ließ. Zunächst arbeitete sie von Oktober 1937 bis März 1938 als Wirtschafterin bei der Weinkommission in Edenkoben, dann in einem Sanatorium in Bad Nauheim. Im Juli 1938 beantragte sie einen Pass zur Ausreise nach Südafrika. Zu dieser Zeit war sie bereits in Dettelbach in der Maingasse im Haus Nr. 156 als Haushälterin gemeldet, wo sie offensichtlich dem verwitweten Weinhändler Hirsch Sittenheim den Haushalt führte. Der Plan, zu ihrem Sohn nach Südafrika auszuwandern, scheiterte jedoch. Von Dettelbach meldete sich Laura im Mai 1941 unter dem Namen Laura Frankenfelder ab und zog nach Würzburg.

Sie hatte also offensichtlich in der Zwischenzeit geheiratet. Lauras Mann Raphael Frankenfelder wohnte ab März 1941 in der Kapuzinerstraße 21 in Würzburg und dort wurde auch Laura bei ihrem Einzug am 06.05.1941 als seine Ehefrau verzeichnet.

Zusammen mit ihrem Mann Raphael wurde Laura Frankenfelder von der Bibrastraße 6 am 27.11.1941 mit dem ersten Deportationszug aus Würzburg nach Riga-Jungfernhof verschleppt. Auch ihr Bruder mit Frau gehörte zu den 202 deportierten Würzburgern. Das Ehepaar Frankenfelder wurde im Lager Jungfernhof oder in seiner Nähe im Winter 1941/42 ermordet. Ob sie im Rahmen der ‚Aktion Dünamünde‘ am 26.03.1942 Opfer der Massenerschießungen im Wald von Bikernieki wurden oder bereits vorher infolge der entsetzlichen Lebensbedingungen an Hunger, Kälte oder Krankheiten gestorben waren, lässt sich nicht feststellen. Lauras Bruder Siegfried ist zuletzt im April 1942 durch seinen Transport von Riga nach Theresienstadt bezeugt, die Schwägerin Meta starb, nachdem sie im August 1944 aus dem Raum Riga ins KZ Stutthof verschleppt worden war.

Die Kinder von Lauras Sohn Kurt, Caroll Engelmann und Denis Mondschein, leben in Sydney bzw. Johannesburg.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 165/66, 73;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de868620 (19.10.2017); Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich ebenfalls im Gedenkbuch;
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 7839;
Stadtarchiv, Einwohnermeldebogen Raphael Frankenfelder, Grundlisten Kapuzinerstraße 21, Würzburger Adressbücher 1937-1941;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Laura Frankenfelder und ihre Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de (29.10.2017);
Auskunft von Hermann Schaub, Wiesenfeld, vom 10.10.2017 über die Familie Bamberger in Wiesenfeld, Quellen: Stadtarchiv Karlstadt, Wiesenfeld 022/1, Verzeichnis der Gemeindebürger; Stadtarchiv Karlstadt, Wiesenfeld: Aufstellung der Gemeinde Wiesenfeld über die 1933 im Ort wohnenden Juden; Stadt Karlstadt, Melderegister von Wiesenfeld, Seite 106, Hausnummer 72;
Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg2.jpg , (19.10.2017);
Auskunft von Frau Lamparter, Gemeinde Dettelbach (7.11.2017);
Volkszählung 1939 - The 1939 German "Minority Census" Database, https://www.census.tracingthepast.org/index.php/en/minority-census/census-database/, wo Laura mit korrektem Geburtsdatum unter dem Namen ‘Liane Frankenfelder’ in Dettelbach zu finden ist; ob sie vielleicht bereits zu diesem Zeitpunkt mit Raphael Frankenfelder verheiratet war oder der Eintrag nachträglich korrigiert wurde, muss offen bleiben (6.11.2017); Konrad Reinfelder, Zur Geschichte der Juden in Dettelbach, in: Dettelbacher Geschichtsblätter - Mitteilungen des Stadtarchivs (mehrere Ausgaben der Jahre 1997/2000);
Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S. 266, https://
Autorin / Autor Ingrid Sontag
Paten Familie Annette und Sebastian Berger und Kinder
   
zurück