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Raphael Frankenfelder

   
geboren am 25.09.1885 in Heidingsfeld
Straße  Kapuzinerstraße 21
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
TodesortRaum Riga
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und vermutlich dort oder in der Nähe im Winter 1941/42 ermordet
   
Raphael Frankenfelder wurde in Heidingsfeld geboren. Sein Vater war der dortige Metzgermeister Jeremias Frankenfelder (1846-1914), der Therese Bein (1859-1926) aus Unsleben geheiratet hatte. Schon bald nach Raphaels Geburt gründete der Vater im Jahr 1887 in Würzburg eine Metzgerei. Das Geschäft hatte wechselnde Adressen in der Augustinerstraße und erweiterte sich mit einer Filiale in der Herzogenstraße. Die Familie blieb aber zunächst in Heidingsfeld wohnen. Raphael hatte fünf ältere Geschwister, die das Säuglingsalter überlebten: Die älteste Schwester war Rosa Freudenberger (1872-1944), danach kam der Bruder Emil auf die Welt (1874-1944) und nach ihm die Schwestern Ricka Strauss (Jg. 1876), Sofie Mayer (1877-1941) und Selma Frank (1880-1944). Seine zwei jüngeren Brüder waren Adolf (1886-1940) und Alfred (Jg. 1888).

Wie sein Vater, sein Großvater und sein Bruder Emil erlernte Raphael das Metzgerhandwerk und legte im Oktober 1918 die Meisterprüfung ab. Davor diente er wie alle seine Brüder als Soldat im 1. Weltkrieg. Da der Vater 1914 gestorben war, führte er zunächst zusammen mit der Mutter, später allein den Laden weiter. Im Jahr 1921 erhielt er die Konzession für den Kleinhandel und dann für den Großhandel mit Frischfleisch.

Die Geschwister hatten zu diesem Zeitpunkt das Elternhaus längst verlassen. Die Schwestern hatten geheiratet und lebten zumeist im Raum Frankfurt oder in Würzburg. Die beiden jüngeren Brüder Alfons und Alfred waren 1905 bzw. 1917 ebenfalls nach Frankfurt verzogen und hatten unter dem Namen Gebr. Frankenfelder zusammen eine Schuhgroßhandelsfirma aufgemacht.

Raphael wohnte zunächst mit den Eltern, dann bis zu deren Tod mit der Mutter und anschließend allein in der Augustinerstraße 1 in Würzburg. Nachdem das Geschäft 1937 geschlossen werden musste, zog er im September 1937 an den Röntgenring 5 um. Mit seiner verwitweten Schwester Sofie Mayer führte er einen gemeinsamen Haushalt. Ende 1940 kam es, wie bei vermögenderen jüdischen Familien üblich, zu einer Hausdurchsuchung, bei der Geld, Haushaltsgegenstände und Kleidung beschlagnahmt wurden. Die ebenso übliche Folge: Eine Strafe wegen Devisenvergehen und die Herabsetzung des verfügbaren monatlichen Geldbetrags. In den Akten wird Raphael Frankenfelder Ende 1940 noch als ledig bezeichnet.

Im Januar 1941 fanden Raphael und seine Schwester Sofie noch für kurze Zeit Unterschlupf im Haus seines Bruders Emil in der Pleichertorstraße 30. Sofie starb dort; ab März 1941 wurde die ganze Familie aus dem Haus vertrieben und in der Kapuzinerstraße 21 untergebracht. Dort zog im Mai 1941 auch Raphaels Ehefrau Laura ein. Wann Raphael die verwitwete Laura Mondschein, geb. Bamberger aus Wiesenfeld geheiratet hatte, lässt sich nicht feststellen. Laura hatte bis September 1937 in Bamberg gelebt und war dann als Wirtschafterin in Edenkoben, Bad Nauheim und Dettelbach tätig gewesen und führte bis Juli 1939 sicher noch den Namen Mondschein. Im Mai 1941 meldete sie sich unter dem Namen Frankenfelder von Dettelbach nach Würzburg ab.

Am 29. November 1941 mussten Raphael und seine Frau mit vielen anderen Würzburgern den Weg vom Platz’schen Garten zum Bahnhof Aumühle gehen und dort den Zug besteigen, der sie mit dem ersten Transport aus Würzburg nach Riga in das Außenlager Gut Jungfernhof brachte. Die Lebensbedingungen dort waren hart und unmenschlich. Ob sie aufgrund dieser Verhältnisse an Kälte, Entkräftung oder Krankheit starben oder in der sog. Aktion Dünamünde am 26.03.1942 den Massenerschießungen im Wald von Bikernieki zum Opfer fielen, lässt sich nicht feststellen. Sie wurden für tot erklärt. Raphaels Geschwister Rosa, Emil mit Frau und Selma mit Mann kamen 1942 nach Theresienstadt und starben schon dort oder 1944 nach ihrer weiteren Deportation nach Auschwitz.

Der Bruder Alfred hat offensichtlich überlebt, da er nach dem Krieg um Entschädigung für die Firma kämpfte. Nähere Umstände über sein Schicksal sowie das der Schwester Ricka, die ebenfalls nicht zu den Opfern der Shoa gehört, sind nicht mehr zu ermitteln.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 165, 166, 170, 155; Bd. 2, S. 384;
Bundesarchiv. Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de867859 (29.10.2017);
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 7201 und 7839;
Stadtarchiv Würzburg, Einwohnermeldebogen Raphael Frankenfelder, Jeremias Frankenfelder, Grundlisten Augustinerstraße 1, Röntgenring 5, Pleichertorstraße 30, Würzburger Adressbücher 1885-1941;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Raphael Frankenfelder und seinen Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de (29.10.2017); die Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich ebenfalls im Gedenkbuch;
Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg2.jpg (19.10.2017);
Auskunft von Hermann Schaub, Wiesenfeld, vom 10.10.2017 über die Familie Bamberger in Wiesenfeld, Quellen: Stadtarchiv Karlstadt, Wiesenfeld 022/1 Verzeichnis der Gemeindebürger; Stadtarchiv Karlstadt, Wiesenfeld: Aufstellung der Gemeinde Wiesenfeld über die 1933 im Ort wohnenden Juden;
Stadt Karlstadt, Melderegister von Wiesenfeld Seite 106, Hausnummer 72;
Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs, S. 266, https://opus4.kobv.de/opus4bamberg/files/221/Gedenkbuch_Jued_Buerger_Bambergs_OPUS.pdf (19.10.2017);
Auskunft von Frau Lamparter, Gemeinde Dettelbach (7.11.2017);
Volkszählung 1939 - The 1939 German "Minority Census" Database, https://www.census.tracingthepast.org/index.php/en/minority-census/census-database/census-database?cck=minority_census&last_name=Frankenfelder&first_name=Raphael&maiden_name=&place_of_birth=&birth_year_for_search=&street=&city=&search=minority_census_search&task=search (6.11.2017).
Autorin / Autor Ingrid Sontag
Paten Frau Dr. Simone Gutwerk
   
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