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Berta Fried, geb. Rosenblatt

   
geboren am 05.05.1857 in Gochsheim
Straße  Theresienstraße  8
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum22.10.1942
TodesortTheresienstadt
   
am 23.09.1942 von Würzburg nach Theresienstadt deportiert und dort am 22.10.1942 ermordet
   
Berta wurde als viertes von acht Kindern des Kaufmanns Isaak Rosenblatt (gest. 1888) und seiner Ehefrau Miriam, geb. Schwanfelder (gest. 1886), am 5. Mai 1857 in Gochsheim geboren. Über ihre Kindheit und Jugend ist nicht viel bekannt. Sicher hat sie, wie auch ihre Geschwister, neben der Elementar- die jüdische Religionsschule besucht, die damals noch einen eigenen Religionslehrer beschäftigte. Die Gochsheimer jüdische Gemeinde, die eine Synagoge aus der Mitte des 17. Jahrhunderts nutzte, bestand in Bertas Kindheit noch aus gut 100 Person, deren Zahl durch Abwanderung jedoch kontinuierlich abnahm.

Um 1880 zog auch die Familie Rosenblatt fort, und zwar nach Würzburg, wo der Vater die Aumühle pachtete. In das Familienunternehmen traten später auch Bertas Brüder Jakob (1855-1914), und, nach seiner Rückkehr aus den USA, Albrecht (Jg. 1861), ein. Sie führten die Mühle unter dem Namen „Handelsmüllerei Jakob und Albrecht Rosenblatt“ weiter.

1883 heiratete Berta Rosenblatt in Würzburg den Kaufmann Rafael Fried (1852-1903) aus Ebelsbach, der zuvor in den USA gelebt hatte und amerikanischer Staatsbürger war. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er zunächst bei seinem Schwager Jakob Rosenblatt als Reisender angestellt. Als Wohnung des Paares ist die „Aumühle“ angegeben. Am 25. März 1884 wurde die Tochter Jenny (Cäcilie) geboren, am 18. November 1885 die zweite Tochter, Paula. Mehrfach zog die Familie innerhalb Würzburgs um. Rafael Fried betrieb seit 1889 eine Immobilien- und Hypotheken-Agentur in der Gertraudgasse 7.

Rafael Fried starb bereits am 2. April 1903. Er wurde mit militärischen Ehren auf dem israelitischen Friedhof bestattet. Die Zeitung "Der Israelit" wies in ihrem Nachruf im gleichen Monat ausdrücklich darauf hin, dass der Kriegerverein "keinen Unterschied der Konfession kannte." Nach dem Tod ihres Mannes zog Berta Fried in die Theresienstraße 8. Ihre Töchter wohnten bei ihr; Jenny lebte jedoch von Mai 1918 bis Oktober 1921 in Frankfurt a.M. und in Darmstadt und kehrte dann wieder zu ihrer Mutter zurück.

Die Wohnung scheint geräumig, ein zusätzliches Einkommen nicht unwichtig gewesen zu sein, denn Berta Fried vermietete in der Theresienstraße regelmäßig Zimmer, manchmal an mehrere Untermieter zugleich. Zeitweise lebte außerdem ihre Schwester Ida (1863-1937) bei ihr, von 1935 bis zu seinem Tod 1940 auch ihr Bruder Gabriel (1852-1940), ein pensionierter Militärarzt. Im April 1939 mussten Berta und ihre Angehörigen die Wohnung verlassen und kamen für wenige Wochen im Sammelquartier in der Bibrastr. 6 unter. Im Mai wurden Berta Fried, ihre Tochter Jenny und ihr Bruder Dr. Gabriel Rosenblatt in das „Judenhaus“ Kapuzinerstraße 21 eingewiesen. Vermutlich nicht freiwillig zogen Mutter und Tochter dann im Juli 1941 in das jüdische Altersheim in der Dürerstraße 20. Von dort wurde Jenny am 25. April 1942 mit dem 3. Transport aus Unterfranken in den Raum Lublin im besetzten Polen deportiert.

Am 23. September 1942 traf dieses Schicksal auch Berta Fried. Mit vielen weiteren, meist alten Menschen wurde sie in Bussen zu dem kleinen Güterbahnhof in der Aumühle gebracht. Der letzte Ort, den sie in Würzburg sah, befand sich also ganz in der Nähe der Stätte, an der ihr Vater, zwei ihrer Brüder und ihr Mann gearbeitet und wo sie als junge Frau in ihrer ersten Wohnung gelebt hatte. Von dort transportierte der Zug die 563 alten und gesundheitlich geschwächten Menschen nach Theresienstadt. Dort überlebten die meisten nicht lange. Aufgrund der katastrophalen Lebensbedingungen und fehlender medizinischer Versorgung starb nach einem Monat, am 22. Oktober 1942, auch Berta Fried im Alter von 88 Jahren.

Paula Fried, verehelichte Berg, emigrierte von Frankfurt aus in die USA. Von New York aus betrieb sie später das Verfahren zur wenigstens teilweisen Erstattung des ihrer Mutter geraubten Besitzes. In einem Vergleich vom 3.10.1960 resp. 28.11.1960 setzt die Wiedergutmachungskammer beim Landgericht Würzburg folgende Entschädigungen fest:
1.) "wegen entzogenen Hausrats, Wäsche und Kleidung DM 2.000,-
2.) "wegen abgelieferter Schmuck- und Edelmetallgegenstände DM 900,-

Am 24.6.1958 hatte das Entschädigungsamt Frankfurt-Wiesbaden bereits 1,950.- DM für "Schaden an Freiheit nach Fried, Bertha" ausbezahlt.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989,Teil 1, S. 177; Teil 2, S. 470
Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Einträge Rosenblatt, Gabriel; Rosenblatt, Albrecht; Rosenblatt, Jakob; Rosenblatt, Isaak
Alemannia Judaica Eintrag "Gochsheim" https://de.wikipedia.org>wiki>Alemannia-Judaica
Stadtarchiv Würzburg, Grundlisten Theresienstraße 8
Stadtarchiv Wüzburg, Meldebögen Rafael Fried; Jenny Fried
"Der Israelit", S. 757, Heft 34 (4.5.1903)sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/titleinfo/2446951 Gesehen am 10.1.2018
Staatsarchiv Würzburg, Wiedergutmachungsakte Berta und Jenny Fried
Autorin / Autor Kristin Höhn
Paten Herr Michael Philipp
   
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