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Jenny Fried

   
geboren am 28.03.1884 in Würzburg
Straße  Theresienstraße  8
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum25.04.1942
Todesdatum00.00.1942
TodesortRaum Lublin
   
am 25.04.1942 von Würzburg nach Krasniczyn deportiert und noch im selben Jahr dort oder in einem der Vernichtungslager in der Region Lublin ermordet
   
Jenny Cäcilie Fried wurde am 28. März 1884 als erstes Kind von Rafael Fried (1852-1903) und Berta, geb. Rosenblatt (1857-1942), in Würzburg geboren. Ihr Vater war vor seiner Hochzeit in den USA als Kaufmann tätig gewesen und amerikanischer Staatsbürger geworden. Infolgedessen besaßen auch seine Töchter Jenny und die ein Jahr jüngere Paula (Jg. 1885) die US-amerikanische und nicht die bayerische Staatsbürgerschaft.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1883 war Rafael Fried zunächst bei seinem Schwager Jakob Rosenblatt, einem der Pächter der Aumühle, als Reisender angestellt. Nach einigen Jahren machte er sich mit einer Immobilien- und Hypothekenagentur selbständig. Man kann wohl davon ausgehen, dass Jenny ihre Kindheit und Jugend in einigermaßen gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen verbrachte. Über ihre Schulzeit ist nichts bekannt. Danach arbeitete sie als Verkäuferin im Modehaus Lebowitsch, Frankfurter Damen-Mäntel Geschäft, in der Schönbornstraße 1. Sie lebte nach dem Tod des Vaters im Jahr 1903 mit Mutter Berta Fried und Schwester Paula in der Theresienstraße 8, wo die Mutter durch die Untervermietung von Zimmern ihr Einkommen verbesserte. Im Zeitraum von 1918 bis 1921 wohnte und arbeitete Jenny in Frankfurt a.M. und in Darmstadt. Noch bevor sie zurückkehrte, verließ auch ihre Schwester Paula die Stadt – auf Dauer.

1919 erhielt Jenny Fried die Bayerische Staatsbürgerschaft, nachdem sie zuvor eine Zeitlang staatenlos gewesen war. Die amerikanische Staatsbürgerschaft hatte sie also verloren oder aufgegeben. Mit der Mutter und ihrem Onkel musste Jenny nach wenigen Wochen im Sammelquartier in der Bibrastraße 6 im Mai 1939 in die Kapuzinerstraße 21 in ein „Judenhaus“ ziehen und im Juli 1941 in die Dürerstraße 20, wo sie als Angestellte im Altersheim beschäftigt war.

Am 25. April 1942 wurde Jenny Fried im Zuge der dritten und größten der unterfränkischen Deportationen vom Ausflugslokal Platz´scher Garten aus, bewacht von SS- und Polizeiposten, zu Fuß zum Güterbahnhof in der Aumühle geführt. Dort in der Nähe hatte sie ihre ersten Lebensjahre verbracht. Für die Zugfahrt nach Krasnistaw bei Lublin, d.h. für ihren Transport zur Ermordung, hatte sie 80 RM in bar bezahlen müssen. Vom Bahnhof in Krasnistaw wurde sie mit den anderen Menschen zu Fuß in das Durchgangslager Krasnicyn getrieben. Von den 852 Menschen dieser Deportation überlebte niemand. Denn die Lebensbedingungen waren unsäglich, es gab nichts zu essen. Die Menschen starben hier oder in einem der Arbeitslager; der größte Teil von ihnen wurde jedoch wohl schon nach wenigen Wochen in einem der Vernichtungslager der Region Lublin ermordet.

Von Jenny Fried kennen wir also weder den Ort noch das Datum ihres gewaltsamen Todes. Sie wurde 58 Jahre alt.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographischs Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, Teil 1, S.177; Teil 2, S. 470
Stadtarchiv Würzburg, Meldebögen Rafael Fried und Jenny Fried
Staatsarchiv Würzburg, Wiedergutmachungsakte Berta und Jenny Fried
Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Einträge Rosenblatt, Isaak; Rosenblatt,Albrecht; Rosenblatt, Jakob
Autorin / Autor Kristin Höhn
Paten Frau Gabriele Schiwon
   
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