Ludwig (Louis) Mai

   
geboren am 27.01.1881 in Würzburg
Straße  Sterngasse 12
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatum23.11.1944
TodesortAuschwitz
   
deportiert am 27.11.1941 nach Riga, ermordet am 23.11.1944 in Auschwitz
Das Haus gibt es nicht mehr. Der Stein wird an einer benachbarten Stelle in der Sterngasse verlegt.
   
Ludwig Mai war Metzgermeister, seine Frau Milli war Hausfrau. Ludwig besuchte die Volks- und Fortbildungsschule in Würzburg und legte nach seiner Lehre im elterlichen Betrieb im Mai 1910 die Meisterprüfung ab. In den Jahren 1916 bis 1918 stand er als Gefreiter an der Westfront. Nach der Rückkehr aus dem Krieg übernahm er das Geschäft seiner Eltern. Er erhielt mehre fachliche Auszeichnungen.
Während des Novemberpogroms 1938 wurde er verhaftet und in das KZ Buchenwald gebracht, am 6. Dezember 1938 jedoch wieder entlassen. In den Jahren 1940/41 leistete er Zwangsarbeit an Baustellen der Reichsbahn. Im Juni 1940 wurde er von einem NS-Funktionär angezeigt, weil er angeblich von Bauern mit zusätzlichen Lebensmitteln versorgt wurde. Es kam zu einer Hausdurchsuchung.
Im Oktober 1941 wurde er aus seinem eigenen Haus vertrieben und musste mit seiner Familie in eine kleine Wohnung ziehen. Bei seinem Haus handelte es sich um einen der charakteristischen Alt-Würzburger Höfe, eine dreiflügelige Renaissance-Anlage mit einem romantischen Innenhof und einem markanten Treppenturm, die sich schon seit Generationen im Familienbesitz befand. Der Bau wurde im März 1945 völlig zerstört, an seiner Stelle befindet sich heute ein Parkplatz.
Ludwigs und Millis Sohn Herbert überlebte die Deportation und die Lager und schilderte seine Erlebnisse in einem sehr langen eindrucksvollen Brief an seine Verwandten. Daher wissen wir viel über die erschreckenden Verhältnisse, unter denen die aus Würzburg Deportierten im Ghetto Riga und im KZ Jungfernhof lebten. Wir wissen auch, dass Ludwig Mai im Winter 1941/42 eine durch Kälte und Unterernährung hervorgerufene schwere Erkrankung überstand und später eine Rippenfellentzündung im Lazarett des Rigaer Ghettos überlebte, bevor er mit seiner Frau 1944 zur weiteren Deportation und Ermordung im KZ Auschwitz selektiert wurde.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 364;
Roland Flade, Die Würzburger Juden, S. 345-353, 362-369;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/921471 (07.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=mai&s_firstName=ludwig&s_place=&itemId=1677111&ind=5&winId=-1206984322280503479 und http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=mai&s_firstName=ludwig&s_place=&itemId=1236827&ind=2&winId=-1206984322280503479 (07.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg4.jpg (07.06.2016).
Autorin / Autor Hans-Peter Baum
Paten Frau Angela Seidel, Herr Christian Gloggengießer
   
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