Dr. Leopold Obermayer

   
geboren am 10.05.1892 in Würzburg
Straße  Wolframstraße 1
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum00.00.1942
Todesdatum22.02.1943
TodesortKZ Mauthausen
   
verhaftet am 31.10.1934, nach langjähriger Zuchthausstrafe 1942 deportiert nach Mauthausen un dort am 22.02.1943 ermordet
   
Dr. Leopold Obermayer, Schweizer Staatsbürger jüdischen Glaubens, hatte Jurisprudenz und Staatswissenschaften studiert und 1918 an der Universität Frankfurt mit Auszeichnung promoviert. In der Würzburger Wolframstraße 1 betrieb er eine ererbte Weingroßhandlung, die ihm ein gutes Einkommen sicherte.
In seiner Jugend hatte Obermayer versucht, seine Homosexualität zu unterdrücken und mit ärztlicher Hilfe zu bekämpfen. Als er erkannte, dass dies nicht zum Erfolg führen konnte, entschloss er sich, sich anzunehmen und ein selbstbewusstes schwules Leben zu führen. Fest an die Unerschütterlichkeit des Rechtsstaates glaubend, suchte er am 31. Oktober 1934 die Gestapostelle in Würzburg auf, um sich über die Überwachung seiner Post zu beschweren. Es sollte sein letzter Tag in Freiheit sein.
Unter dem absurden Vorwand angeblicher "staatsfeindlicher Aktivitäten" wurde er auf der Stelle verhaftet. Man fand zwar nicht die Spur irgendwelcher Beweise gegen ihn, aber selbstverständlich Hinweise auf seine Homosexualität. Damit begann sein Leidensweg durch verschiedene Gefängnisse und Konzentrationslager.
Aber Obermayer ergab sich nicht in sein unabwendbares Schicksal. Als homosexueller Jude konnte er kaum mit dem Schutz seiner Schweizer Botschaft rechnen. Trotzdem kämpfte er mit scharfem Intellekt und juristischem Sachverstand einen ungleichen, chancenlosen Kampf um die rechtsstaatlich korrekte Würdigung seines Falles. Durch juristisch präzise Eingaben und Beschwerden brachte er seinen hasserfüllten Widersacher und eigentlichen Mörder, den Würzburger Gestapochef Gerum dabei mehrfach in Bedrängnis.
Am 13. Dezember 1936 wurde Obermayer schließlich vom Landgericht Würzburg zu skandalösen zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Als Strafgefangener mit einer mehrjährigen Zuchthausstrafe wurde er 1942 zur Vernichtung durch Arbeit in das KZ Mauthausen überstellt. Am 22. Februar 1943 fand er dort den Tod.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 418 f.;
Elke Fröhlich in: "Bayern in der NS-Zeit" Band 6, S. 76 ff.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/938198 (21.06.2016);
Wikipedia, Artikel zu Leopold Obermayer, https://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_Obermayer (21.06.2016);
WürzburgWiki, Artikel zu Leopold Obermayer, http://wuerzburgwiki.de/wiki/Leopold_Obermayer (21.06.2016).

Foto: Polizeifoto.
Autorin / Autor Andreas Roser
Paten Das WuF, Herr Andreas Roser
   
zurück