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Isaak (3) Goldschmidt

   
geboren am 20.08.1893 in Züntersbach/Hessen
Straße  Dominikanergasse 6
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum25.04.1942
Todesdatumunbekannt
Todesortunbekannt
   
am 25.04.1942 nach Krasniczyn deportiert und im Raum Lublin vermutlich bald darauf ermordet
   
Isaak Goldschmidt war der Sohn von Leopold (Juda) Goldschmidt (1863-1931) aus Heubach und seiner Ehefrau Thirza, geb. Levi (Lion) (1866-1925) aus Züntersbach. Sein Vater handelte mit Farben und Lacken. Die Eltern hatten 1889 in Züntersbach geheiratet und waren 1899 nach Brückenau verzogen. Vor Isaak war der Bruder Max (1892-1941) auf die Welt gekommen, nach ihm Emil (1897-1918), der im 1. Weltkrieg gefallen ist, die Schwester Selma, verh. Fröhlich (Jg.1901) und Alfred (Jg.1903).

Isaak erhielt eine höhere Schulbildung und erlernte den Beruf des Schneiders. Seinen Militärdienst leistete er als „Einjährig-Freiwilliger“ ab. Danach war er zunächst als Kaufmann in (Bad) Brückenau tätig, zog bald darauf nach Würzburg. Ab Januar 1922 wohnte er in der Dominikanergasse 6, wo auch seine spätere Ehefrau Ella Frank mit ihrem verwitweten Vater Abraham (1849-1924) schon seit längerem lebte und als Hausmädchen tätig war. Im Oktober 1922 verlobten sich Isaak und Ella, wie aus einer Anzeige in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 26.10.1922 hervorgeht. Ella war 1895 in Rödelsee geboren, wo ihr Vater lange Zeit als Religionslehrer tätig war.

Ella Frank und Isaak Goldschmidt hatten vier Kinder: Im August 1924 kam die älteste Tochter Fanny zur Welt, im Januar 1928 der Sohn Manfred, im Januar 1932 die Tochter Thirza und als jüngster wurde im April 1934 der Sohn Leopold geboren.
In den ersten Jahren seiner Ansässigkeit betrieb Isaak Goldschmidt eine Herrenschneiderei mit Ausbesserungswerkstätte. Um 1925 führte er für einige Zeit ein Kolonialwarengeschäft. Seit etwa 1933 war er als Vereinsdiener bei der Israelitischen Bruderschaft beschäftigt. Von der Zwangsarbeit, zu der alle Juden ab dem Jahr 1939 verpflichtet wurden, war er aus gesundheitlichen Gründen befreit.

Am 25. April 1942 wurde er mit seiner Ehefrau Ella und den drei jüngeren Kindern von der Bibrastraße 6 aus nach Krasniczyn bei Lublin deportiert, wo er wie alle mit ihm verschleppten Angehörigen wahrscheinlich schon kurz nach der Ankunft ermordet wurden. Alle Personen des Transports wurden für tot erklärt.
Seine älteste Tochter Fanny konnte noch als Jugendliche rechtzeitig nach Palästina auswandern, vermutlich im Jahr 1938 und hat unter dem Namen Tsipora Kempe die Gedenkseiten in Yad Vashem für ihre Eltern angelegt.
Isaaks Bruder Max kam mit Ehefrau Sybille und Sohn Ludwig ebenso in Kowno 1941 um, wie seine Schwester Selma Fröhlich mit Ehemann Ferdinand und Sohn David Herbert. Beide Geschwister hatten eine zeitlang wie er in Bad Brückenau und dann später in Frankfurt gelebt, von wo aus sie deportiert wurden. Sein Bruder Alfred soll bereits 1927 ausgewandert sein.

Biographie erstellt September 2006, überarbeitet September 2017.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 197;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de876277 (19.05.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa victims’ Names, The Central database of Shoa Victims´ Names, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=goldschmidt&s_firstName=isaak&s_place=wuerzburg&itemId=1793174&ind=1&winId=-8669025909511349650 (19.05.2016).
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Isaak Goldschmidt und seinen Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/;
Auskunft von Herrn Ziegler, Gemeinde Sinntal vom 28.9.2017;
Alemannia Judaica, Bad Brückenau, http://www.alemannia-judaica.de/bad_brueckenau_synagoge.htm und http://www.alemannia-judaica.de/bad_brueckenau_texte.htm (7.10.2017);
FamilySearch, Suche nach emigrierten Angehörigen der Familie, https://familysearch.org/.
Autorin / Autor Hans-Peter Baum, Ingrid Sontag
Paten Frau Renate Jüstel, Herr Heinrich Jüstel
   
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