Lilly (Lea) Zeilberger, geb. Keller

   
geboren am 27.01.1902 in Hessdorf/Ufr.
Straße  Sterngasse 6
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatum01.10.1944
TodesortStutthof bei Danzig
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert, von dort ins Ghetto Riga und im September 1944 in Stutthof bei Danzig ermordet
   
Lilly Zeilberger war die Tochter des Metzgers David Keller (geb. um 1870) aus Neuenhain / Taunus und seiner Frau Lina geb. Nussbaum aus Heßdorf (1871-1944). Ihre Eltern hatten sich in Heßdorf niedergelassen, wo Lilly 1902 geboren wurde. Ihre jüngere Schwester Sofie kam nach dem Umzug der Eltern nach Heinsberg 1909 auf die Welt. Dort war die Schwester ihrer Mutter Gitte mit Alexander Mimetz verheiratet. Nach dem Tod von Lillys Vater kehrte ihre Mutter Lina Keller nach Unterfranken zurück und führte ihren Brüdern Nathan und Samuel Nussbaum in Würzburg den Haushalt.

Alexander Mimetz war nach dem Tod seiner Frau Gitte 1919 Witwer geworden und heiratete 1921 Lillys Mutter, die dann wieder einige Jahre in Heinsberg lebte. Während Schwester Sofie mit der Mutter mitzog und den Namen des Stiefvaters annahm, blieb Lilly wohl in Würzburg und wohnte bei den Brüdern ihrer Mutter.

1925 wurde Lilly die Ehefrau von Justin Zeilberger, der zwischen 1910 und 1913 im Geschäft ihrer beiden Onkel, Nathan und Samuel eine Schneiderlehre absolviert hatte und sich nach erfolgreicher Meisterprüfung 1922 in Würzburg als selbständiger Schneidermeister niedergelassen hatte. Das Ehepaar wohnte in der Sterngasse, wo sich auch die Maßschneiderei des Mannes befand. Sie bekamen zwei Kinder: Tochter Ilse kam 1927 auf die Welt und Sohn Alfred (Fred) im Jahr 1929.

Nach dem Novemberpogrom kam ihr Mann in Haft nach Buchenwald und musste sich verpflichten, sein Geschäft aufzugeben. Kurz nach seiner Entlassung aus dem KZ wurde Lilly Zeilberger von der Gestapo verhört wegen des Verkaufs von Restbeständen an Kleiderstoffen durch den ehemaligen Gehilfen ihres Mannes. Sie konnte beweisen, dass die Vorwürfe unbegründet waren. So wurde das Verfahren gegen sie mit einer Verwarnung eingestellt.
Lillys Mann versuchte alles, um die Ausreise der Familie zu ermöglichen. Die Schwester seiner Frau, Sophie Mimetz lebte seit 1937 in den USA, er hatte selbst zahlreiche Geschwister und Familienangehörige dort, die helfen konnten, zudem eine Schwester in Caracas. Die notwendigen Bürgschaften waren vorhanden und noch im Oktober 1940 gab es einen hektischen Briefwechsel, um die Ausreise rechtzeitig zu bewerkstelligen. Vergeblich.

Lilly Zeilberger wurde zusammen mit ihrer ganzen Familie bei der ersten Deportation aus Würzburg am 27. November 1941 nach Riga gebracht, wo sie zunächst in das Lager Jungfernhof, später in das Rigaer Ghetto kamen. Im September 1944 wurde sie, immer noch zusammen mit ihrer Familie, nach der Räumung des Rigaer Ghettos in das KZ Stutthof bei Danzig verschleppt. Dort wurde sie wenig später ermordet; im Gedenkbuch des Bundesarchivs ist ihr Todesdatum mit dem 1. Oktober 1944 angegeben.

Auch ihre Tochter starb in Stutthof. Ihr Mann und ihr Sohn wurden noch auf einen Todesmarsch vor der anrückenden Roten Armee getrieben und erlebten die Befreiung. Leas Mann Justin starb aber kurz danach an Entkräftung, so dass nur ihr Sohn Fred das Grauen überlebte und über das Schicksal der Familie berichtete. Er hat später die Gedenkseiten für die Familie in Yad Vashem angelegt und Fotos dort eingestellt.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapo-Akten 17864, 17866;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1927-1941;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1 S. 394; T. 2, S. 417, 685 f.;
Roland Flade, Die Würzburger Juden, S.362-369
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/996880 (26.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblätter, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1190662&ind=5 und http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=650742&ind=10 (26.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg5.jpg (10.06.2016).

Foto: Fred Zeilberger.
Autorin / Autor Hans-Peter Baum, Ingrid Sontag
Paten Frau Maria Schmid
   
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