Oskar Fulder

   
geboren am 06.04.1910 in Würzburg
Straße  Ludwigstraße 23 a
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum02.03.1943
Todesdatum05.03.1943
TodesortSobibor
   
Seit dem 20.04.1943 im niederländischen Durchgangslager Westerbork interniert, von dort am 27.04.1943 nach Sobibor deportiert und am 30.04.1943 ermordet
   
Am 06.04.1910 wurde Oskar als Sohn des Würzburger Kaufmanns Salomon Fulder (1869-1943) und dessen Ehefrau Berta Meyer (1882-1943) in Würzburg geboren.
Die Familie seines Vaters stammte ursprünglich aus Thüngen im heutigen Landkreis Main Spessart. Schon sein Großvater Moritz Fulder war dort Inhaber eines Modewarengeschäfts. Oskars Mutter Berta Meyer wuchs zusammen mit sieben Geschwistern ebenso in einer Kaufmannsfamilie in Eschweiler auf.
Als Oskar auf die Welt kam, war sein älterer Bruder Erich Moritz (Jg. 1906) schon fast vier Jahre alt. Ein gutes Jahr nach Oskars Geburt bekam seine Mutter, 1911 ihren dritten Sohn Norbert. Oskar wuchs zusammen mit seinen beiden Brüdern in Würzburg an wechselnden Adressen in der Innenstadt auf. Kurz nach Oskars zweitem Geburtstag zog die inzwischen 5-köpfige Familie 1912 in die Semmelstraße 41 um.
Das gutgehende Geschäft „Gebrüder Fulder“, das sein Vater zusammen mit dessen älterem Bruder Nathan im Jahr 1904 gegründet hatte, entwickelte sich erfolgversprechend und ermöglichte der Familie ein gutes Auskommen. Sein Vater gründete nach der geschäftlichen Trennung eine eigene Handlung, die sich später hauptsächlich auf Manufaktur- und Modewaren spezialisierte und sich ebenfalls in der Semmelstraße 41 befand. Auch dieses Unternehmen entwickelte sich im Laufe der Jahre rasch erfolgreich, so dass sein Vater in der Lage war, für sich und seine Familie 1919 ein Mehrfamilienhaus in der Ludwigstraße 23 zu erwerben.
Die Familie zog also 1922 in das stattliche Haus in die Ludwigstraße 23 in den ersten Stock ein. Im Parterre dieses Anwesens lag der Firmensitz seines Vaters, die Firma „Manufakturwaren en gros“. So hatte Oskar die Möglichkeit, wann immer er Lust dazu hatte, seinen Vater im Geschäft zu besuchen. Sicher war dort auch oft seine Mutter Berta anzutreffen, denn von ihrer Mitarbeit im Familienunternehmen ist auszugehen.
Schon kurz nach dem Einzug verließ sein älterer Bruder Erich Moritz im Alter von 16 Jahren am 01.05.1922 sein Elternhaus und zog nach Frankfurt am Main. Wahrscheinlich begann er dort einen Teil seiner Ausbildung zum Kaufmann. Er kehrte am 20.12.1923 nach Würzburg zurück. Auch sein jüngerer Bruder Norbert blieb nicht mehr lange in Würzburg. Er war erst 10 Jahre alt und wurde nach dem vierten Schuljahr 1922 von einem Verwandten, dem Lehrer Bernhard Fulder, in Treuchtlingen vier Schuljahre lang aufgenommen.
Der 12-jährige Oskar war nun plötzlich das einzige Kind zuhause. Nach der Elementarschule besuchte er eine weiterführende Schule. Nach dem zehnten Schuljahr stand auch für Oskar fest, Kaufmann zu werden. Wahrscheinlich zog er aus diesem Grund kurz nach seinem 16. Geburtstag 1926 nach Gelsenkirchen. Im Anschluss kehrte er in seine Heimatstadt zurück und arbeitete vermutlich im Geschäft seines Vaters „Manufakturwaren en gros“ mit. Schon seit seiner Jugend engagierte sich Oskar Fulder ehrenamtlich im Jüdischen Jugendbund in der Jugendarbeit.
Die Zeiten wurden bald nach 1933 für jüdische Kaufleute immer besorgniserregender: Rückgang der Aufträge und Umsätze und dazu kamen permanente Diskriminierungen und Demütigungen. Dermaßen unter Druck gesetzt, entschied sich die 5-köpfige Familie Fulder zur Emigration in die Niederlande. Zunächst sollten die Brüder Norbert und Erich Moritz ausreisen, während sein Vater vermutlich mit seiner Unterstützung das Geschäft so gut es ging in Würzburg weiterführte. 1937 wurde das Geschäft aufgelöst und das Haus in der Ludwigstraße 23 wurde weit unter Wert verkauft.
Am 15.12.1937 konnte Oskar mit den Eltern Salomon und Berta Fulder nach Amsterdam ausreisen. Dort lebten schon seit Juli 1935 bzw. Dezember 1936 seine Brüder Norbert und Erich Moritz. Es ist anzunehmen, dass auch Oskars letzter Wohnsitz in der Lekstraat 114 lag, denn in dieser Wohnung waren seine Eltern und Norbert gemeldet.
Als deutsche Truppen am 10.05.1940 die Niederlande überfielen, holte der NS Terror die Familie wieder ein mit Ausgrenzung, Konzentration, Vermögensentzug und Deportationen. Zunächst traf es Oskars jüngeren Bruder Norbert, der am 28.05.1942 in das Durchgangslager Westerbork verschleppt wurde und von dort nach Auschwitz, wo er im August 1942 umkam. Oskar und Erich Moritz wurden neun Monate später am 25.02.1943 ebenfalls nach Westerbork deportiert und von dort am 02.03.1943 in das Vernichtungslager Sobibor, wo Oskar wenig später am 05.03.1943 zusammen mit Erich Moritz in den Gaskammern ermordet wurde. Seine betagten Eltern blieben zunächst in Amsterdam zurück und erlitten das gleiche Schicksal im April 1943.
Biografie erstellt September 2009, überarbeitet Februar 2016
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1 S. 186, 187;
Stadtarchiv Würzburg, Einwohnermeldebögen, Adressbücher 1903-1937, Grundlisten Theresienstraße 8, Ludwigstraße 23;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de871946 (27.01.2016);
http://eschweiler-juden.de/pages/notizen-neues-2014.php, (28.10.2015);
Stadtarchiv Würzburg, Meldebögen, Adressbücher, Grundlisten 1903-1937;
Biographische Datenbank jüdisches Unterfranken, Informationen zur Familie Fulder, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/test/web324w/juf/ (13.01.2016);
www.jüdische-gem,einden.de/index.php/gemeinden/s-t/1937-thuengen, (10.02.2015);
www.niederlandenet.de; niederlandenet@uni-muenster.de; onlineredaktion, Kor. 02.04.2015.¸
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs.
Autorin / Autor Hans-Peter Baum, Martina Buller
Paten
   
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