Dr. Oskar Stern

   
geboren am 19.11.1896 in Würzburg
Straße  Haugerring 7
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
Todesortin/bei Riga-Jungfernhof
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und vermutlich dort oder in der Nähe im Frühjahr 1942 ermordet
   
Oskar Stern, das zweitjüngste unter sieben Kindern des Inhabers der Glas- und Holzmanufaktur Nathan Stern (1854-1932) und seiner Ehefrau Mina geb. Straßburger (1857-1926) aus Hohebach/Württ., besuchte die Realschule Adam und die Oberrealschule in Würzburg. Nach dem Kriegshilfsdienst nahm er sein Jurastudium auf und promovierte 1922 zum Dr. jur. et rer. pol. Anschließend absolvierte er ein Volontariat bei der Deutschen Bank in Berlin. Wegen eines schweren Augenleidens wurde er 1924 entlassen und kehrte nach Würzburg zurück.
1934 wohnte er in der Augustinerstraße 7 und wurde von der Gestapo verwarnt, nachdem Würzburger Bürger daran Anstoß genommen hatten, dass er gelegentlich in Begleitung einer nicht jüdischen jungen Frau gesehen wurde, die ihm wegen seiner fast vollständigen Erblindung auch vorlas.
Ende 1936 zog er an den Haugerring 14 um, wo er bei Familie Münster als Untermieter wohnte.
Nach dem Novemberpogrom 1938 wurde er verhaftet, aber schon nach einer Woche entlassen, obwohl eine Anordnung auf Einweisung ins KZ vorlag. Seine Ausreisebemühungen scheiterten.
Von 1940 bis Oktober 1941 wohnte er zusammen mit seinem Bruder Ludwig (Jg. 1881) im Haushalt seiner Schwester Thekla Steinam (Jg.1883) in der Martinstraße 11, bis auch Schwester und Schwager das Elternhaus der Steinams verlassen mussten.
Zusammen mit seinem Bruder Ludwig wurde er am 27. November 1941 nach Riga deportiert. Nach Aussage eines Überlebenden soll er im März/April 1942 mit dem ersten Transport vom Lager Jungfernhof weiter verschleppt und vermutlich bald danach ermordet worden sein. Er könnte also ein Opfer der Massenerschießungen am 26. März 1942 geworden sein, denen ein großer Teil der noch im Jungfernhof verbliebenen Menschen zum Opfer fiel. Auch sein Bruder Ludwig hat nicht überlebt.
Schwester Thekla, die dritte der zu der Zeit noch lebenden Geschwister der Familie Stern, wurde Opfer der Schoah. Sie wurde am 23. September 1942 nach Theresienstadt und von dort am 18. Mai 1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 15341; Wiedergutmachungsakte IV 311224 N-394;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1934-1942;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900 – 1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 590, 595, 598, 600, 580-581;
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg7.jpg (10.06.2016).

Foto: Gestapoakte.
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Der Anwaltverein Würzburg
   
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