Paul Alarich Baron von Hirsch auf Gereuth

   
geboren am 27.05.1874 in Würzburg
Straße  Ludwigstraße 6
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum20.10.1941
Todesdatum26.08.1942
TodesortLodz
   
deportiert am 20.10.1941 nach Lodz und dort am 26.08.1942 ermordet
   
Paul Alarich von Hirsch war der Spross einer berühmten Familie. Sein Urgroßvater, der bayerische Hofbankier Jakob Hirsch, war 1818 wegen seiner Verdienste um die bayerischen Staatsfinanzen als erster bayerischer Jude in den erblichen Adelsstand erhoben worden, ohne zum Christentum überzutreten, und hatte zugleich das Rittergut Gereuth erworben. Sein Großvater Joel Jakob von Hirsch war einer der bedeutendsten Würzburger Bankiers und Unternehmer um die Mitte des 19. Jahrhunderts gewesen, der in vielfältiger Weise die würzburgische und unterfränkische Wirtschaft gefördert hatte.
Paul Alarich lebte als "Rentier", also von seinem Vermögen und seinen Mieteinnahmen, teils auch von Zuwendungen auswärtiger Verwandter, in Würzburg. Er verwaltete zugleich die Jakob von Hirsch'sche Stiftung in Würzburg. Er hatte ein Internat und dann acht Jahre das Gymnasium in Marburg/Lahn besucht. Wegen seiner schwachen Gesundheit stand er nicht im aktiven Berufsleben.
1912-1914 unternahm er längere Reisen ins Ausland. Er verkehrte nach eigener Aussage in "nationalen" Kreisen, d.h. insbesondere in den Kreisen hoher Offiziere und Beamter und in gesellschaftlich anspruchsvollen konservativen Klubs. Er wurde im Novemberpogrom 1938 verhaftet und in sechstägige "Schutzhaft" genommen. Trotzdem zögerte er, seine Emigration zu betreiben, da er "zu sehr an Deutschland hing". 1939 beantragte er einen Pass für Belgien und nahm Verkaufsverhandlungen wegen seines großen Hauses in der Ludwigstraße auf. Im Mai 1940 zog er nach Frankfurt/M.; von dort wurde er am 20. Oktober 1941 nach Lodz deportiert, wo er knapp ein Jahr später ums Leben kam.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 1633;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 267 f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de883707, (02.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Frankfurt a.M. - Litzmannstadt, Abfahrtsdatum: 19.10.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411019-22.jpg (02.06.2016).
Autorin / Autor Hans-Peter Baum
Paten Die Leonhard-Frank-Gesellschaft e.V., Frau Christiane Koch
   
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