Rosa Sommer

   
geboren am 30.08.1891 in Würzburg
Straße  Petrinistraße 35
Stadtteil Grombühl
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
Todesortbei Riga
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und vermutlich bald darauf bei Riga ermordet
   
Rosa Sommer kam 1891 auf die Welt. Sie war die älteste Tochter des Kaufmanns Julius Sommer (Jg. 1865?) und seiner Ehefrau, der Schneiderin Zerline (Lena), geb. Kastanienbaum (Jg. 1866) aus Külsheim. Das Ehepaar zog 1891 nach Würzburg in den Inneren Graben 20, wo Rosa geboren wurde. In dem Haus hatte Zerlines Vater, Simon Kastanienbaum ein Alteisen- und Altwarengeschäft. Bereits zwei Jahre später wanderten die Eltern in die USA aus und lebten von da an in New York. Sie hatten die zweite Tochter Astrid mitgenommen und Rosa in der Obhut der Schwestern der Mutter Adelheid (Ida) (Jg.1870) und Rebekka (Rifka) (Jg.1869) gelassen. In den folgenden Jahren kamen in New York noch zahlreiche Geschwister von Rosa auf die Welt, von denen aber offenbar nur drei überlebten und mit den Eltern 1908 die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielten: Die Schwester Emilie (Jg.1895), der Bruder Alfred (Jg. 1896), der als Soldat am 1. Weltkrieg teilnahm und die jüngste Schwester Julie (Jg. 1902).
Rosa arbeitete mit Unterbrechungen viele Jahre als Kontoristin, als Korrespondentin und zum Schluss als Vertreterin in Würzburg, für kurze Zeit auch in München und Karlsruhe. Als unverheiratete Frau wohnte sie zunächst bei ihrer Tante Ida Weil (geb. Kastanienbaum) und deren Familie im Inneren Graben, später in der Petrinistraße 35. Ida Weil führte zusammen mit der Schwester Rebekka Kastanienbaum das väterliche Geschäft weiter. Da Ida Weil ab 1937 im Jüdischen Altersheim in der Dürerstraße lebte, zog Rosa Sommer zu ihrer Tante Ricka Levi, geb. Kastanienbaum (Jg. 1868), einer Cousine ihrer Mutter, in die Rotkreuzstraße 21 und im Mai 1939 mit dieser in die Friedenstraße 26. Dort befand sich eines der Häuser, in denen die jüdischen Einwohner zusammengepfercht wurden. Ihr Versuch, in die USA auszuwandern scheiterte, obwohl ihr Bruder Alfred eine Bürgschaft leistete. Ihrer Tante Ricka gelang die Ausreise noch im August 1941.
Kurz darauf musste sich Rosa Sommer an der Sammelstelle zur ersten Deportation von Würzburg aus melden und bekam die „Evakuierungsnummer“ 378. Der Zug ging am 27.11.1941 über Nürnberg ab und kam wenige Tage später in Riga-Jungfernhof an. Dort wurde sie vermutlich bald darauf ermordet.
Ihre Tante Ida Weil wurde ein Jahr später nach Theresienstadt verschleppt, wo sie überlebte, nach der Befreiung zur Tochter Ilse in die Schweiz ausreisen konnte und bald darauf verstarb.
Biographie erstellt Februar 2009, überarbeitet November 2015.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S.567, 655 , T. 1 S. 341, 294;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter nationalsozialistischer Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de971826 (19.10.2015);
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 14620, 6032;
familysearch, Suche nach Julius und Zerline (=)Lena Sommer, Passagierlisten der Einwanderung, Census-Meldungen 1910 und 1920, Naturalisation 1908, diverse Geburts- und Sterbemeldungen der Stadt New York (28.10.2015).
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Die Josefschule, Gruppe der Religionskinder
   
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