Bella Kastanienbaum, geb. Wormser

   
geboren am 07.07.1885 in Oberlauringen/Ufr.
Straße  Schweinfurter Straße 20
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
Todesortin/bei Riga-Jungfernhof
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und vermutlich im Winter 1941/42 dort oder in der Nähe ermordet
   
Bella Kastanienbaum war die Tochter des Kaufmanns Samuel Wormser (1855-1887) aus Oberlauringen und seiner Ehefrau Ernestine, geb. Hirsch (1857-1942), die in Bischwind geboren wurde. Bellas Vater war bald nach ihrer Geburt gestorben. Wie die verwitwete Mutter in dieser Zeit ihren Lebensunterhalt sichern konnte, ist nicht bekannt.
Bella heiratete im Mai 1910 in Oberlauringen Josef Kastanienbaum (1880-1941/42) und lebte von da an in Würzburg. In den Jahren 1911 und 1918 kamen die Töchter Senta und Margot auf die Welt. Beide bekamen eine gute Ausbildung: Senta im Polytechnischen Zentralverein als Sekretärin und Fremdsprachenkorrespondentin, Margot im Staatskonservatorium zur Musiklehrerin.
Bald nach der Heirat der Tochter zog Bellas Mutter, Ernestine Wormser 1913 von Oberlauringen zu ihnen in die Schweinfurter Straße 20, eine Adresse, die es heute nicht mehr gibt.
Im August 1935 wurde Bella Kastanienbaum festgenommen. Ein ehemaliges Dienstmädchen hatte sie wegen Beleidigung und "staatsfeindlicher Äußerungen" denunziert. Aufgrund offensichtlicher Unglaubwürdigkeit der Denunziantin wurde Bella bereits am nächsten Tag wieder entlassen und das Verfahren eingestellt.
Bella Kastanienbaum war nach dem Konkurs der Firma ihres Mannes als Inhaberin der neu gegründeten Firma Josef Kastanienbaum eingetragen, einer Altwarengroßhandlung, deren Geschäftsführer ihr Mann war. Der Druck auf die Firma wurde immer größer, so dass sich das Ehepaar 1938 von Firma und Wohnung trennen musste. Sie zogen zunächst in die Ludendorffstraße 10 (heute Rottendorfer Straße) und ab 1940 kam die Familie in der Bibrastraße 17 unter. Die Pläne zur Ausreise in die USA zerschlugen sich, obwohl Bürgschaften vorlagen.
Am 27. November 1941 wurde Bella Kastanienbaum mit ihrem Mann nach Riga deportiert. Dort müssen sie ihre Tochter Margot getroffen haben, die seit August 1941 in Stuttgart mit Eugen Peisak verheiratet war und die beide wenige Tage nach ihnen in Riga angekommen sein müssen. Alle vier wurden bald darauf dort oder in der Nähe ermordet.
Bellas Mutter kam mit dem letzten großen Transport von Würzburg am 23. September 1942 nach Theresienstadt, wo sie kurz darauf am 6. Dezember starb.
Nur die Tochter Senta konnte im Februar 1940 in die USA auswandern. Sie hat unter dem Namen Senta Butzel die Gedenkblätter in Yad Vashem für ihre Angehörigen angelegt und lebte sicher bis 1998 in Bloomfield, N.J.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 3203, 3204;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T.1, S. 293, 111, T. 2, S.438, 682;
Bernd F. Fertig: Einblicke in die Gestapoakten des Würzburger Juden Josef Kastanienbaum und seiner Familie. Facharbeit im Leistungskurs Geschichte, Friedrich-Koenig-Gymnasium Würzburg, 2007;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/894385 (02.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=kastanienbaum&s_firstName=bella&s_place=&itemId=1722242&ind=1&winId=-5038761646104630514 (02.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg3.jpg (10.06.2016).

Foto: Gestapoakte 3204.
Autorin / Autor gg, Ingrid Sontag
Paten Die Städt. Wirtschaftsschule- FB Religion, Frau Renate Ruß
   
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