Leopold Lebermann

   
geboren am 16.08.1868 in Rimpar
Straße  Amalienstraße 2
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum20.11.1942
TodesortTheresienstadt
   
am 23.9.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 20.11.1942 ermordet
   
Leopold Lebermann war der Sohn von Moses Lebermann aus Rimpar (1841-1917) und seiner Frau Jette, geb. Braunschweig (1839-1911). Sein Vater war sog. Kultusbeamter bei der IKG und ab 1868 als Schächter dort angestellt. Zeitweise betrieb er einen Kleinviehhandel als Nebenerwerb. Leopold war der zweitälteste unter sieben Geschwistern und wuchs in Würzburg auf, wohin seine Eltern bald nach seiner Geburt verzogen.
Er trat in die Fußstapfen seines Vaters indem er von 1889 – 1922 erst Praktikant und dann Lehrer, Geflügelschächter und Kultusbeamter bei der IKG war. Zuvor hatte er nach seiner Ausbildung 1884/85 an der Präparandenschule Höchberg an der ILBA 1887 sein Examen abgelegt.
Drei seiner Brüder Jakob (1867-1930), Naphtali (Norbert) (Jg.1872) und Baruch (Bruno) (1879-1933) wurden Relegions-, Sprach- oder Mathematiklehrer in Darmstadt bzw. die beiden letzteren in Nürnberg. Norbert und vermutlich auch die Schwester Hannchen (Jg. 1869) konnten sich durch Emigration nach Buenos Aires retten. Leopolds Bruder Ernst blieb als Weinhändler in Würzburg und wurde eines der ersten Opfer der Nazis: Er erlag den schweren Misshandlungen, die ihm ein Trupp von Schlägern aus der Sanderauer Ortsgruppe der NSDAP am Tag des Novemberpogroms zugefügt hatte. Leopold musste am 14.11. den Erhalt der wenigen Gegenstände quittieren, die Ernst bei sich gehabt hatte. Der Bruder Baruch (Bruno) nahm sich vermutlich nach seiner Entlassung aus dem Schuldienst das Leben. Esther (Ernestine) Ehrlich (Jg. 1876) heiratete nach Weingarten und starb vermutlich 1942 in Auschwitz.
Mit seiner Ehefrau Sara Spiegel, die er 1898 heiratete, hatte Leopold Lebermann vier Kinder: 1899 kam Ferdinand auf die Welt, 1901 die Tochter Emma, 1904 wurde der Sohn Jakob geboren und zuletzt 1907 Jettchen. Im Jahr 1898 hatte er das Heimatrecht und 1916 das Bürgerrecht in Würzburg erhalten. Ab 1904 wohnte er in der Amalienstraße 2, in der auch seine Schwiegermutter Bertha Spiegel (1846-1923) mit ihnen lebte.
Sohn Ferdinand wurde Arzt und ließ sich in Würzburg als Facharzt für Innere Medizin nieder. Jakob erhielt eine Ausbildung als Kaufmann, verzog nach Bingen und 1936 in die Nähe von Genua, von wo aus er nach Palästina emigrieren konnte. Die Tochter Jettchen war Kontoristin. Über Emmas Werdegang ist nichts bekannt. Die beiden Töchter waren unverheiratet und wohnten im Elternhaus.
Nach 1938 wurde die Lage der Familie immer bedrängter: Im Juni 1939 mussten sie in die Seelbergstraße 5 umziehen. Hausdurchsuchungen lieferten den Vorwand für eine Herabsetzung des Freibetrags für den Lebensunterhalt. Es folgten Strafen wegen Devisenvergehen, Einrichtungsgegenstände und Hausrat mussten verkauft werden und am 4.7.41 zogen Leopold Lebermann und seine Frau in das jüdische Altersheim in der Konradstraße. Im August 1942 ließ man sie noch 15.800.- RM für einen sog. Heimeinkaufvertrag für Theresienstadt zahlen und mit Zustellungsurkunde vom 23. September nahm man ihnen das verbliebene Vermögen ab.
Gemeinsam mit seiner Ehefrau Sara und der jüngsten Tochter Jettchen wurde Leopold am 23.9.1942 nach Theresienstadt deportiert. Dort starb er am 20.11.1942 als Folge der unsäglichen Lebensbedingunen. Seine Ehefrau Sara gehört zu den wenigen Überlebenden der Shoa. Sie kehrte aus Theresienstadt nach Würzburg zurück und zog 1949 nach Israel zu ihrem Sohn Jakob.
Die übrigen Kinder wurden Opfer der Nazis: Ferdinand hatte schon 1938 nach dem Berufsverbot als Arzt den Freitod gewählt, Jettchen war von Theresienstadt noch 1944 nach Auschwitz verschleppt worden und die Tochter Emma wurde im Raum Lublin ermordet.
Biografie erstellt September 2008, überarbeitet Mai 2016.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 5753, 5754, 5755, 5756; Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1904-1941und Grundliste Amalienstraße 2;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de909404 ( 16.4.2016);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900 - 1945, Würzburg 1989, T. 1, S.332, 333.
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Herr Walter Kees
   
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