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Clothilde Fleischmann

   
geboren am 31.05.1892 in Würzburg
Straße  Bronnbachergasse 1
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum25.04.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortRaum Lublin
   
am 25.04.1942 nach Krasnystaw deportiert und im Raum Lublin ermordet
   
Clothilde Fleischmann war die Tochter des Metzgermeisters Felix Fleischmann (1854-1893) und seiner Frau Regina (Rachel), geb. Stern (1860-1927). Zwei Jahre vor ihr war im November 1890 die Schwester Rudolfine zur Welt gekommen. Etwa ein Jahr nach ihrer Geburt starb der Vater im Juni 1893. Ein Bruder Felix, nach dem Tod des Vaters geboren, überlebte nur wenige Monate bis März 1894. Die Familie wohnte in der Kärrnersgasse 37 und Clothildes Mutter führte die Metzgerei zunächst als Witwe weiter.
1896 heiratete ihre Mutter den Metzger Isidor Stein (1870-¬1943) aus Wallerstein, der den Betrieb ihres ersten Mannes übernahm und ausbaute. Die Geschäfte befanden sich in der Karmelitenstraße 53 und in der Grombühlstraße 24. Im Jahr 1899 kam Clothildes Stiefschwester Irma zur Welt. Der Stiefvater erwarb 1904 das Anwesen Bronnbachergasse 1, in dem die Familie ab dann auch wohnte.
Die Mutter verstarb im August 1927. Clothilde blieb unverheiratet, hatte den Haushalt geführt und sich um die Verwaltung des Mietshauses gekümmert. Nach der Heirat ihrer Schwestern blieb sie allein mit dem Stiefvater zurück.
Die Schwester Rudolfine nahm durch Heirat den Namen Arend an, und die Stiefschwester Irma heiratete den nicht jüdischen Mann Franz Riffart aus Burgsinn, mit dem sie 1939 in Nürnberg lebte. In den 50er Jahren betrieb sie ein Wiedergutmachungsverfahren. Im November 1938 war der Stiefvater in Buchenwald inhaftiert und mit der Auflage entlassen worden, sich um Auswanderung zu bemühen, das Geschäft aufzugeben und das Haus zu verkaufen. Ende 1940 wurden noch Hausdurchsuchungen vorgenommen, mit der üblichen Folge von Geldstrafen wegen Devisenvergehen und der Beschlagnahme von Kleidungsstücken und Haushaltsgegenständen. Im Dezember 1940 wurde ihr Stiefvater ins Pfründnerhaus in der Dürerstraße 20 aufgenommen. Wo Clothilde zuletzt lebte, liess sich nicht mehr ermitteln.
Am 25. April 1942 wurde sie nach Krasnystaw deportiert und im Raum Lublin bald darauf ermordet.
Über das Schicksal der Schwester Rudolfine ist nichts bekannt. Die Markierung mit einem Kreuz im Einwohnermeldebogen bedeutet möglicherweise, dass sie bald nach der Heirat gestorben ist. Clothilde Stiefvater starb ein halbes Jahr nach seiner Deportation in Theresienstadt im März 1943 in Folge der unmenschlichen Lebensbedingungen.

Biographie erstellt September 2008, überarbeitet Februar 2018
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 148; T. 2, S. 578;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de866618 (19.05.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Würzburg - Krasniczyn, Abfahrtsdatum: 25.04.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT420425-Wuerzburg44.jpg (07.06.2016);
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1894-1941, Einwohnermeldekarte Felix Fleischmann;
1939 German Minority Census; Tracing the past (3.2.2018);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Staatsarchiv Würzburg, Gestapo-Akte 15104;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Clothilde Fleischmann und ihre Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/ (3.2.2018);
Autorin / Autor gg, Ingrid Sontag
Paten
   
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