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Paula Kohlmann

   
geboren am 28.12.1899 in Kirchheim/Ufr.
Straße  Rotkreuzstraße 9
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
am 17.06.1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet
   
Paula Kohlmann wurde am 28. Dezember 1899 in Kirchheim an der Eck geboren, so hieß früher die heutige Gemeinde Kirchheim an der Weinstraße in der Pfalz. Ihre Eltern waren der Metzger Leopold Kohlmann (1864-1923) und Barbara (Babett) geb. Bach (1868-1923), die aus Rottenbauer bei Würzburg stammte und in Reichenberg gewohnt hatte. Paula (Paulina) war die jüngste von drei Kindern des Ehepaars. Bald nach der Heirat ihrer Eltern 1893 war der Bruder Hugo (Jg.1894) auf die Welt gekommen, über dessen Schicksal nichts bekannt ist, drei Jahre später die Schwester Frieda, verh. Levi (1897-1934).

Wie aus Archiv-Unterlagen zu ersehen ist, hat Paula Kohlmann den Tod ihres Vaters Ende 1923 bei den Behörden gemeldet. Kurz zuvor war ihre Mutter verstorben. Vermutlich ist Paula nach dem Tod ihrer Schwester 1934 nach Würzburg gekommen, wo Angehörige ihrer Mutter lebten. Der Metzger David Hess (1855-1910) aus Rottenbauer war z.B. der Trauzeuge ihrer Eltern gewesen und mit einer Jette Bach verheiratet. Auch der Bruder ihrer Mutter Seligmann Bach (1865-1943), der längere Zeit in Grünstadt gelebt hatte, war bald nach ihr nach Würzburg gezogen.

Paula Kohlmann arbeitete in Würzburg als Kontoristin und wohnte zwischen Dezember 1935 und Juli 1937 in der Rotkreuzstraße 9 bei einer Familie Hess, von wo aus sie in die Rotkreuzstraße 21 zog. Nach dem Novemberpogrom 1938 konnte sie nur noch für die Israelitische Kultusgemeinde Würzburg tätig sein. Sie musste ihre Wohnung räumen und kam zuletzt in beengten Verhältnissen in den "Judenhäusern" Domerschulstraße 25 und Bibrastraße 6 unter.

Erwähnt wird Paula Kohlmann im Gestapoakt ihrer Verwandten Bertha Krebs geb. Rosenbaum (1865-1942) aus der Stadtrandgemeinde Reichenberg. Diese hatte im Lager einer Speditionsfirma zusammen mit anderen Möbeln ein Klavier deponiert. Als es zur Versteigerung kam, wurde ein minderwertigeres Instrument geliefert. In diesem Zusammenhang wurde Paula Kohlmann im Juli 1942 von der Gestapo-Stelle Würzburg zum Sachverhalt vernommen. Da Paula Kohlmann öfter in Reichenberg bei Bertha Krebs und anderen Verwandten zu Besuch war, sollte sie Angaben zum Aussehen des Klaviers machen.

Am 17.Juni 1943 wurde Paula Kohlmann mit den letzten, nicht durch "Mischehen" geschützten fränkischen Juden von Würzburg und Nürnberg ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Mit Beschluss des Amtsgerichts Würzburg vom 26.05.1953 wurde Pauline Kohlmann mit Wirkung vom 31.12.1945 für Tod erklärt.
Die Geschwister ihrer Mutter Seligmann und Fanny Bach waren schon im September 1942 nach Theresienstadt gekommen und beide kurz nacheinander im April 1943 gestorben.
Biographie erstellt März 2009, überarbeitet März 2017
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 312;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/900728 (02.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Würzburg - Auschwitz, Abfahrtsdatum: 17.06.1943, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT430617-2.jpg (02.06.2016);
Geburtsurkunden von Leopold, Pauline, Frieda und Hugo Kohlmann, Heiratsurkunde und Sterbeurkunden von Barbara und Leopold Kohlmann, Personenstandsregister Kirchheim/Weinstraße im Landesarchiv Speyer;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Paula Kohlmann und ihren Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/;
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 5008;
Stadtarchiv Würzburg, Grundliste Rotkreuzstraße 9;
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Dokumentation des Friedhofes Kirchheim an der Weinstraße, http://www.alemannia-judaica.de/kirchheim_weinstrasse_friedhof.htm (7.3.2017).
Autorin / Autor gg, Ingrid Sontag
Paten Die Hausgemeinschaft Rotkreuzstraße 9, Frau Susanne Wildfeuer
   
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