zurück

Simon (Siegfried) Jakob

   
geboren am 22.08.1877 in Neidenstein/Baden
Straße  Rotkreuzstraße 11
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum02.03.1943
Todesdatum05.03.1943
TodesortSobibor
   
interniert vom 26./27.01.1943 - 29.01.1943 im KZ Vught-Hertogenbosch, dann im Lager Westerbork bis zur Deportation nach Sobibor am 02.03.1943 und dort am 05.03.1943 ermordet
   
Am 22. August 1877 wurde Siegfried (Simon) Jakob als Sohn des Kaufmannes Benedikt Jakob (1845-1918) und Babette, geb. Grumbacher (ca.1850–1927) in Neidenstein bei Weibstadt geboren.

Simon besuchte die höhere Schule in Heilbronn und machte dort auch das Abitur. Seinen Militärdienst leistete er in Rastatt ab. Er wurde Viehhändler und verbrachte einen Teil seiner Lehrjahre in Italien und Frankreich.

1907 heiratete er Frieda Schloss in Heidingsfeld. Sie stammte aus Würzburg, wo sie am 28.01.1883 geboren wurde. Ab 5. Oktober 1907 wohnte die Familie in der Rotkreuzstraße 13. Am 29. Januar 1909 wurde die Tochter Ernestine geboren. Einige Jahre später zog Jakob im April 1913 mit seiner Familie in die Rotkreuzstraße Nr. 11.

Simon Jakob hatte in Würzburg eine Großviehhandlung zusammen mit seinem Schwiegervater Bernhard Schloss eröffnet, deren Stallungen sich zeitweise in der Gerberstraße 14 befanden. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, nahm er als Unteroffizier daran teil und kehrte 1915 schwer verwundet nach Würzburg zurück. Ab 1916 leitete er die zwangsbewirtschaftete Fleisch- und Viehversorgung in Würzburg.

Nach dem Krieg wurde er Vorsitzender des Viehhändlervereins in Unterfranken. Er war Mitglied im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten und im exklusiven Geselligkeitsclub Casino, in dem Tanzabende, Konzerte und jährliche Bälle organisiert wurden.

Bald nachdem die Nationalsozialisten an die Macht kamen, erhielt er Berufsverbot und so emigrierte er mit seiner Frau Frieda am 22.12.1936 nach Holland und lebte dann in Velsen-Sandpoort im Mittelduinerweg 68. Als Simon Jakob 1937 in Würzburg die Verlängerung seines Reisepasses beantragte, wurde von der Geheimen Staatspolizei eine Akte über ihn angelegt. Dort wurde festgehalten, dass nichts Nachteiliges über ihn bekannt sei. Deshalb wurde sein Pass für sechs Monate verlängert. Man hielt in den Akten auch fest, dass er die Löschung seiner Firma noch nicht beim Registergericht beantragt hätte. Der Akte war auch ein Schreiben der Deutschen Bank vom 5. April 1944 beigefügt, in dem berichtet wurde, dass das Konto von Simon Jakob noch ein Guthaben von 290 Reichsmark enthielte, das dem Staat zufallen sollte.

Das Ehepaar Jakob lebte zuletzt in Utrecht in der Petrarcalaan 65. Von dort aus wurde Simon ins Lager Westerbork und von dort am 2.März 1943 offensichtlich allein nach Sobibor deportiert. Dort wurde er am 5. März 1943 umgebracht.

Das Schicksal seiner Frau Frieda ist unklar: Sie ist nicht in den Deportationslisten aufgeführt und auch nicht als Opfer im Gedenkbuch des Bundesarchivs verzeichnet. Möglicherweise war sie vorher schon im niederländischen Exil gestorben. Bereits 1930 war die Tochter Ernestine nach Berlin gezogen, wo sie den Journalisten Herbert Levy (Lenhardt) geheiratet hatte. Sie konnte im Januar 1937 mit der Tochter Inge dem Ehemann nach Südafrika folgen. 1982 übersiedelte sie mit der Familie nach East Doncaster/Victoria in Australien.

Biographie erstellt März 2009, überarbeitet Februar 2017
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 2664;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 279, 340;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/887515, (02.06.2016);
Stadtarchiv Würzburg, Grundlisten Rotkreuzstraße 11 und 13 Joodsmonument, Datenbank der Opfer der Shoa aus den Niederlanden, https://www.joodsmonument.nl/en/page/121709/simon-jakob (02.06.2016);
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, http://www.historisches-unterfranken.uniwuerzburg.de/juf/Datenbank/detailsinclude.php?global=;search;24968;unscharf;;1;Jakob;siegfried (4.2.2017);
Auskunft der Gemeinde Neidenstein mit Schreiben vom 31.01.2017.
Autorin / Autor gg, Gabriele Schiwon
Paten
   
zurück