Julius Neumann

   
geboren am 05.03.1891 in Schöllkrippen/Ufr.
Straße  Rotkreuzstraße 13 1/2
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatum17.11.1944
TodesortDachau
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert, später ins Ghetto Kowno und am 01.08.1944 ins KZ Dachau; ermordet am 17.11.1944
   
Julius Neumann kam am 5. März 1891 in Schöllkrippen im Spessart als Sohn des Pferdehändlers Simon Neumann (Jg. 1856) und seiner Frau Jettchen, geb. Stern (Jg. um 1865) auf die Welt.
Nach dem Besuch der Volksschule und seiner Schulentlassung 1904 machte er eine kaufmännische Lehre in Aschaffenburg und leistete 1913 seinen Militärdienst in München ab. Als Kriegsteilnehmer in den Jahren 1915-1918 wurde er schwer verwundet. 1935 sollte er für seinen Einsatz noch das das Ehrenkreuz für Frontkämpfer erhalten.
Im Jahr 1927 heiratete er in Würzburg Marga Lein (1903-1941/42). Sie wohnten zusammen mit Margas Mutter in der Rotkreuzstraße 13 1/2. Zwei Jahr wurde der Sohn Stefan Heinz geboren.
Julius Neumann war Anhänger der Deutschen Demokratischen Partei und Mitglied im Geselligkeitsclub Casino und der Frankenloge (Bne Briss).
Von Beruf Kaufmann, war er nach der Heirat in die Kleiderfabrik Lein & Steinberg seiner Schwiegermutter Adelheid Lein (1879-1943) eingetreten, die später den Namen Lein & Co führte. Mit ihr gemeinsam leitete er die Firma bis zu deren Schließung im Dezember 1938. Die 30er Jahre brachten allerdings den Niedergang der Firma und große Verluste. Die NS-Parolen, nicht bei Juden zu kaufen, ließen die Geschäfte immer schlechter laufen. Julius Neumann konnte die Firma nur noch durch Zuschneiderei für Auswanderer über Wasser halten.
Im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 wurde er verhaftet und in das KZ Buchenwald eingeliefert. Zu der Zeit war Julius Frau Marga seit zwei Jahren wegen einer psychischen Erkrankung in Lohr in Behandlung. Nach seiner Entlassung am 6. Dezember und Liquidierung der Firma, machte er einen Lehrgang für „Fußorthopädie“. Damit wollte er wohl seine Chancen auf Arbeit bei einer Auswanderung erhöhen. Er versuchte im Mai 1939 per Schiff über Kuba in die USA auszuwandern, um dann seine Familie nachholen zu können. Die Einreiseerlaubnis für die MS Orinoco wurde wegen Differenzen zwischen kubanischen Stellen für ungültig erklärt. Das Schiff musste nach Deutschland zurückkehren und Julius Neumann kam wieder nach Würzburg. Ab Juni 1939 musste die Familie in die Hindenburgstraße 36, später in die Friedenstraße 26 umziehen und Julius Neumann hatte Zwangsarbeit bei Baufirmen zu verrichten.
Am 27. November 1941 wurden Julius und seine Familie nach Riga-Jungfernhof deportiert. Ehefrau Marga und Sohn Stefan wurden dort oder in der Nähe vermutlich bald ermordet. Er selbst wurde noch nach Kowno/Kauen und am 1. August 1944 nach Dachau verschleppt. Die unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen in den Lagern rund um Kaufering hat er nicht mehr lange überleben können und kam am 17.11.1944 um.
Seine Schwiegermutter Adelheid Lein kam im Januar 1943 in Theresienstadt ums Leben.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 8589, 5900;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1935-1940;
Staatsarchiv Würzburg, Jüdisches Standesregister Schöllkrippen, Bd.117.;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 339, 409 f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/1225953 (21.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg4.jpg (07.06.2016).
Autorin / Autor gg, Ingrid Sontag
Paten Herr Arthur Dieterichs
   
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