Marga (Margarete) Neumann, geb. Lein

   
geboren am 19.08.1903 in Würzburg
Straße  Rotkreuzstraße 13 1/2
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
Todesortbei Riga
   
am 27.11.1941 nach Riga – Jungfernhof deportiert und dort oder in der Nähe bald darauf ermordet
   
Marga Lein war das zweite Kind der Fabrikantenfamilie Heinrich Lein (1865-1924) aus Diespeck und Adelheid Lein geb. Rosenbaum (1879-1943) aus Würzburg. Ihr Vater war 1896 von Nürnberg nach Würzburg gezogen, wo ihre Eltern geheiratet hatten. 1899 kam ihr Bruder Franz auf die Welt, der 1926 nach Berlin ging und um 1937 im niederländischen Exil starb. Marga wurde vier Jahre nach Franz 1903 geboren.
Über ihren Lebensweg ist wenig bekannt. 1927 heiratete sie den Kaufmann Julius Neumann (1891-1944), der aus einer Viehhändlerfamilie in Schöllkrippen stammte. Ihr Mann trat in die Kleiderfabrik ihrer Eltern ein, die zu der Zeit Lein & Steinberg und später Lein & Co hieß und die er bis zur zwangsweisen Schließung Jahr im 1938 zusammen mit der Schwiegermutter führte.
Im Jahr 1929 kam der einzige Sohn Stefan zur Welt. Die 1930er Jahre brachten den wirtschaftlichen Niedergang und den Verlust des Vermögens. Die Firma konnte sich nur noch durch Zuschneiderei für Emigranten über Wasser halten. Die Situation der Familie wurde auch dadurch immer bedrängter, dass sich bei Marga 1936 eine psychische Erkrankung zeigte. Sie musste sich mindestens bis Ende 1938 in der Nervenheilanstalt Lohr aufhalten. Ihr Sohn wurde in der Zeit von ihrer Mutter betreut, mit der sie zusammen in der Rotkreuzstraße 13 ½ wohnten. Als Margas Ehemann 1938 in Buchenwald in Haft war, erwähnte Margas Mutter in einem Gesuch auf Entlassung, dass Marga sich in Kürze einer Sterilisation wegen ihrer Krankheit unterziehen müsse.
Margas Ehemann versuchte, die Familie zu retten und reiste im Mai 1939 nach Kuba, von wo aus er in die USA einwandern wollte um dann seine Familie nachzuholen. Die Einreise nach Kuba misslang, das Schiff musste wieder umkehren und Julius Neumann gelangte wieder nach Würzburg. Ab Juni 1939 wohnte die Familie in der Hindenburgstraße 36, dann in der Friedenstraße 26, beides Häuser, in denen die jüdischen Bürger auf engem Raum ghettoisiert wurden, und Margas Mann musste Zwangsarbeit leisten.
Am 27. November 1941 wurde Marga Neumann zusammen mit dem Ehemann und dem 12-jährigen Sohn nach Riga-Jungfernhof deportiert und ebenso wie ihr Sohn dort oder in der Nähe bald darauf ermordet. Ihr Mann Julius wurde noch ins Lager Kowno/Kauen und von dort im August 1944 ins KZ Dachau verschleppt, wo er am 17. November 1944 starb.
Ihre Mutter Adelheid Lein kam im Ghetto Theresienstadt im Januar 1943 um.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 8589, 5900;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1935-1940;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 339, 409 f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/936538 (21.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg4.jpg (07.06.2016).
Autorin / Autor GG, Ingrid Sontag
Paten
   
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