Max Kleemann

   
geboren am 18.12.1887 in Werneck
Straße  St.-Benedikt-Straße 4
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatum26.03.1942
TodesortRiga-Bikerniecki
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und im Hochwald von Bikernieki bei Riga am 26.03.1942 ermordet
   
Max Kleemann war das fünfte Kind des Wernecker Pferdehändlers Salomon Kleemann (1852-1931) und seiner Frau Sara, geb. Klau (1855-1934), die aus Theilheim stammte. Seine vier älteren Geschwister waren Hedwig (1880-1886), Gustav (1881-1942), Cäcilie (Jg. 1883) und Hermine (1886-1942). Nach ihm wurde noch Johanna (Jg. 1894) geboren. Die Eltern übersiedelten mit der Familie 1905 von Werneck nach Würzburg, wo der Vater eine Pferde- und Futtermittelhandlung in der Alleestraße 4 eröffnete. Diese Adresse blieb dann auch für viele Jahre der Wohnsitz der beiden Brüder Gustav und Max.
Max besuchte zunächst die Volksschule in Werneck, ab 1902 dann die Realschule (Institut Adam) in Würzburg. 1911 übernahm er zusammen mit seinem Bruder Gustav die väterliche Firma S. Kleemann&Söhne. Im Jahr 1920 heiratete er die aus Bodenheim in der Pfalz stammende Flora Mayer (1894-1935). Ein Jahr später wurde Sohn Rolf (Rudolf Carl) geboren und Anfang 1924 die Tochter Lore. Bei einem Autounfall 1931 erlitt Max Kleemann eine schwere Rückenmarksverletzung und war zuletzt fast vollständig gelähmt. Als seine Frau im September 1935 starb, waren seine Kinder erst 14 bzw. 7 Jahre alt.
Max Kleemann war Mitglied im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten und engagierte sich im jüdischen Turn- und Sportverein, in der Gesellschaft Casino und im jüdischen Schulverein. Als Kriegsteilnehmer (1914-1918) wurde er mehrfach ausgezeichnet und erhielt noch am 20.02.1935 das Ehrenkreuz für Frontkämpfer.
Trotz intensiver Bemühungen scheiterte eine geplante Auswanderung in die Niederlande. Während es dem Sohn gelang, kurz nach der Haftentlassung aus Buchenwald im Februar 1939 nach England zu emigrieren, waren auch die Versuche, wenigstens für die Tochter ein Visum in die USA zu beschaffen, trotz vorliegender Bürgschaften nicht mehr erfolgreich. Auch das von seinem Bruder Gustav betriebene Gruppenauswanderungsprojekt nach Ecuador, bei dem er und seine Tochter aber auch die Schwester Hermine als Teilnehmer vorgesehen waren, scheiterte.
Max Kleemann wurde 1936 die Ausstellung einer Gewerbelegitimationskarte versagt. So konnte er die Firma nicht weiter betreiben und war gezwungen, mit seiner Tochter in die Mönchbergstraße 5 und anschließend in die Johannitergasse 5 umzuziehen.
Zusammen mit seiner Tochter Lore, dem Bruder Gustav und dessen Ehefrau Erna wurde Max Kleemann am 27. November 1941 nach Riga-Skirotava und von dort aus ins Lager Jungfernhof deportiert. Bei der Ankunft im Lager fehlten drei Menschen aus dem Transport – vermutlich, weil sie unterwegs erschossen worden waren. Überlebende haben berichtet, dass der Lagerkommandant Max Kleemann aufgefordert haben soll, Geiseln zu benennen und als dieser sich weigerte, aus Achtung vor dessen Haltung Max Kleemann zum Lagerältesten ernannte. Aufgrund der starken Behinderung von Max ist allerdings zweifelhaft, dass tatsächlich er den Posten innehatte; vielmehr dürfte es sich nach anders lautenden Berichten um seinen Bruder Gustav gehandelt haben.
Am 26. März 1942 sollte Max Kleemann wie der größte Teil der zu diesem Zeitpunkt noch lebenden Lagerhäftlinge angeblich in ein Lager mit besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen verlegt werden. Seine Tochter Lore meldete sich freiwillig, ihn zu begleiten. Der SS-Oberscharführer Rudolf Seck soll sie vor diesem Schritt gewarnt haben, den sie noch bereuen werde. Doch Max und Lore Kleemann, sowie Max Bruder Gustav und seine Frau Erna wurden gemeinsam mit rund 1700 Mithäftlingen in den nahe gelegenem Wald von Bikernieki gebracht und dort erschossen.
Von den Schwestern von Max und Gustav konnte Cäcilie Schloss mit ihrem Ehemann Siegfried noch 1941 in die USA auswandern, Johanna Bensinger überlebte vermutlich in Palästina/Israel. Sie verfasste 1956 die Gedenkblätter für ihre ermordeten Verwandten. Die dritte Schwester Hermine Maier, verw. Engländer, wurde aus München ins Ghetto Piaski deportiert und kam dort 1942 ums Leben.
Biografie erstellt Juli 2006, überarbeitet September 2016.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg Gestapo-Akte 3939, 3943, 3945;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1905-1941;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 307;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/Datenbank/juf.php (19.9.2016);
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/899456 (02.06.2016);
Herbert Schultheis, Juden in Mainfranken …, S. 554;
Wolfgang Scheffler, Das Schicksal der in die baltischen Staaten deportierten deutschen, österreichischen und tschechoslowakischen Juden 1941 - 1945. Ein historischer Überblick. In: Wolfgang Scheffler/ Diana Schulle (Bearb.), Buch der Erinnerung. Die ins Baltikum deportierten deutschen, österreichischen und tschechoslowakischen Juden, München 2003, S. 12;
Fuchs, Manfred: Chronik der jüdischen Gemeinde von Werneck, S. 38, s. http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/quellen/1004/038.jpg (02.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=kleemann&s_firstName=max&s_place=&itemId=1609301&ind=0&winId=8306802687754800313 (02.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg5.jpg (10.06.2016);
FamilySearch, https://familysearch.org/ark:/61903/1:1:24LX-V6W (18.9.2016);
Andrej Angrick, Peter Klein, Die Endlösung in Riga, Ausbeutung und Vernichtung 1941-1944, S. 218, 342f.
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Die Gustav-Walle-Hauptschule, Herr Rektor Linus Dietz
   
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