Selma Flörsheimer, geb. Strauss

   
geboren am 05.09.1876 in Würzburg-Heidingsfeld
Straße  Friedenstraße 22
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und von dort am 18.05.1944 nach Auschwitz, wo sie vermutlich gleich nach der Ankunft ermordet wurde
   
Selma Strauss wurde am 5. September 1876 als ältestes Kind des Metzgers Benjamin Strauss (1849-1917) aus Geroldshausen und seiner Frau Ida, geb. Walter in Heidingsfeld geboren. Das Ehepaar hatte drei weitere Kinder, alle in Heidingsfeld geboren, Hannchen (Jg. 1878), Recha (Jg. 1881) und Siegfried (Jg. 1884). Diese drei Geschwister von Selma Strauss sind allesamt um das Jahr 1900 in die Vereinigten Staaten ausgewandert.
Nach dem Tod seiner Frau Ida heiratete Benjamin Strauss 1887 Hannchen Neumann (1856-1939), die Tochter eines Toraschreibers aus Külsheim. Aus dieser Ehe stammen drei weitere Kinder, Rosa (Jg. 1889), Hugo (Jg. 1890), der von Nürnberg aus 1907 ebenfalls in die Vereinigten Staaten auswanderte und sich in Chicago niederließ, und Sophie (1894-1902).
Selma Strauss lebte lange bei ihren Eltern bis sie am 1. Juni 1911 den Handelsmann Benno Flörsheimer aus Bödigheim/Baden heiratete und dorthin verzog. Das Ehepaar hatte keine Kinder. Benno Flörsheimer, der nicht am 1. Weltkrieg teilnahm, verstarb am 15. Oktober 1918 mit nur 40 Jahren. Er ist auf dem Bödigheimer jüdischen Bezirksfriedhof bestattet. Wo die nun 42-jährige Selma Flörsheimer weiter lebte, ist nicht festzustellen. Im Jahre 1927 war sie für drei Wochen bei ihrer Stiefmutter Hannchen Strauss zu Besuch, die seit 1915 mit ihrem Mann und nach seinem Tod 1917 in der Friedenstr. 22 wohnte. Lt. Eintrag in der Meldeliste ging Selma Flörsheimer am 27. März 1927 zurück nach Langen/Hessen, wo aber ebenfalls keine Angaben über sie aufzufinden sind. Ab 14. August 1927 ist sie wieder in der Friedenstr. 22 gemeldet und dann nicht mehr abgemeldet, was vermutlich bedeutet, dass sie von da an in Würzburg bei ihrer Stiefmutter wohnen blieb.
Im September 1939 mussten beide Frauen in die Domerschulstr. 25 ziehen. In der Zeit bis zum 12. November 1941 wohtnen bei Selma Flörsheimer drei Frauen, die alle ebenfalls deportiert und ermordet wurden. Die erste war Serry Adler, eine damals 13-jährige Schülerin aus Urspringen. Das besondere hierbei ist, dass Selma Flörsheimer ihrem Pflegekind Serry ein Fotoalbum schenkte, das diese mit Aufnahmen und Bemerkungen bestückte. So fand sich darin die Aufnahme der „lb. (lieben) Frau Flörsheimer von der ich das Album habe. Pflegemutter als ich in Würzburg zur Schule ging.“ Dieses Album hat eine eigene Geschichte: Es ist 1942 von einem damals 9-jährigen polnischen Jungen am Wegesrand liegend gefunden worden und musste von einem der Menschen stammen, die im Frühjahr (April) 1942 von Krasnystaw nach Krasniczyn 15 km zu Fuß getrieben wurden. Bis 2012, dem Todesjahr des Mannes, war das Album im Besitz der Familie gewesen und wurde von dieser an die heutige Gedenkstätte Majdanek/Lublin gegeben.
Die zweite Frau, die bei Selma Flörsheimer für einen Monat wohnte, war Klara Sichel (1886 - 1942) aus Kleinsteinach, die wie Serry Adler am 25. April 1942 nach Krasnystaw deportiert wurde und danach noch Anni Weinstein (Jg. 1924), die ab Juni 1941 bei Selma Flörsheimer lebte und am 27. November 1941 von Würzburg aus nach Riga-Jungfernhof deportiert wurde.
Selma Flörsheimer musste am 12. November 1941 aus der Domerschulstraße ausziehen und kam dann in das jüdischen Altersheim, Dürerstraße 20. Am 23. September 1942 wurde die 66-jährige mit 563 weiteren jüdischen Unterfranken nach Theresienstadt deportiert. Am 18. Mai 1944 wurde sie nach Auschwitz verbracht und vermutlich gleich nach ihrer Ankunft ermordet.
Ihre Stiefmutter Hannchen Strauss war am 30. November 1939 verstorben und ist auf dem Würzburger israelitischen Friedhof bestattet.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 151; T. 2, S. 610;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de866824 (06.07.2016) ;
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de828933 (05.12.2016);
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de961025 (05.12.2016);
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de988600 (05.12.2016);
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/10495-selma-fl-rsheimer/ (06.07.2016); http://www.holocaust.cz/de/transport/47-eb-theresienstadt-auschwitz/page/5/ (06.07.2016);
Stadtarchiv Würzburg Adressbücher 1895-1941, Grundlisten und Meldebögen Ursulinengasse 2, Franziskanergasse 5, Friedenstraße 22, Domerschulstraße 25;
Auskunft Standesamt Stadt Langen/Hessen uhielscher@langen.de (09.08.2016);
Auskunft Frau Löhr Ortsverwaltung Boedigheim und Frau Trunk Standesamt Stadt Buchen Gerlinde.Trunk@buchen.de (18.08., 04.10., 6.10. und 13.10.2016);
Das Fotoalbum von Serry Adler aus Urspringen, Fotos und ergänzende Informationen – zusammengestellt von Leonhard Scherg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20368/Urspringen%20Fotoalbum%20Serry%20Adler.pdf (20.07.2016);
Auskunft Johanna-Stahl-Zentrum zu Friedhofslisten der israelitischen Friedhöfe Heidingsfeld und Würzburg (Juli und Dezember 2016).
Foto: Majdanek Memorial and Museum, Lublin
Autorin / Autor NN, Elke Wagner
Paten Frau Elfriede Bader
   
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