Louis (Ludwig) Stern

   
geboren am 12.03.1894 in Würzburg
Straße  Weingartenstraße 26
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
Todesortbei Riga
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und vermutlich dort oder in der Nähe 1942 ermordet
   
Louis Stern war der Sohn des Louis Stern aus Allersheim (1851-1893) und seiner Ehefrau Emma, geb. Fried aus Klingenberg (Jg.1852), die seit 1877 in Würzburg ansässig waren. Der Vater war als Cigarrenfabrikant (die Firma soll in Heidelberg ihren Sitz gehabt haben) und Cigarrengeschäftsinhaber unter wechselnden Adressen in Würzburg erst in der Kaiserstraße 17, dann am Haugerring 11 und schließlich am Marktplatz 26 verzeichnet. Nach dem frühen Tod des Ehemanns ging Emma Stern 1894 mit Louis und seiner älteren Schwester Babette (Jg. 1889) nach Klingenberg zurück. Die Schwestern Stefanie (Jg. 1881) und Auguste (Jg. 1883) waren bereits in ihrem ersten Lebensjahr gestorben.
Ab 1901 besuchte Louis die Werktagsschule zunächst in Klingenberg und dann weiter von 1904 bis 1911 in Fürth. Von 1911 bis 1914 machte er eine Ausbildung zum Schneider, die er mit der Gesellenprüfung und der Note "sehr gut" abschloss. Er arbeitete dann in Würzburg, bevor er vom August 1915 bis 1919 Kriegs- und Militärdienst leistete. Anschließend zog er wieder nach Fürth, kehrte vermutlich 1934 mit seiner ebenfalls unverheirateten Schwester Babette nach Würzburg zurück und war mit ihr bis 1939 in der Weingartenstrasse 26 gemeldet.
Anders als die Nachkommen seines Onkels Josef Stern aus Allersheim, die bis dahin wirtschaftlich erfolgreich und gut situiert in Würzburg lebten, war es für Louis ebenso wie für seine Schwester schwierig, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Vom 6.11.1935 – 2.3.1936 war er in der Arbeiterkolonie Herzogsägmühle in der Nähe von Schongau, einer Einrichtung der "Wandererfürsorge" für Obdachlose und Arbeitslose. Dort musste er auf Weisung der Nazis Zwangsarbeit leisten, bei „Auffälligkeiten“ drohte eine Einweisung ins KZ nach Dachau. Louis konnte in die Weingartenstraße zurückkehren und wohnte ab August 1939 in der Sandbergerstraße 14. Ab Januar 1939 bis Juni 1941 war er als Telefonist und Pförtner im Jüdischen Altersheim in der Dürerstrasse beschäftigt, wo er zuletzt auch sein Quartier hatte. Danach musste er als Straßenreiniger bei der Stadt Würzburg arbeiten, wo er am 17.11.1941 entlassen wurde. Er hatte die Aufforderung erhalten, sich am 26.11.1941 in der Stadthalle einzufinden.
Am 27.11.1941 wurde Louis Stern zusammen mit seiner Schwester Babette nach Riga-Jungfernhof deportiert, wo beide vermutlich bald darauf ermordet wurden.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 15321;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher und Grundlisten 1878-1941; Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900 - 1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 591, 594, 596-600;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de977054 (16.6.2015);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Yad Vashem, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaust Opfer, http://db.yadvashem.org/names/nameDetails.html?itemId=1427173&language=de#!prettyPhoto, (16.6.2015);
Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen Louis Stern und seinen Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/
Herzogsägmühle (Innere Mission München - Diakonie in München und Oberbayern e.V.), http://www.herzogsaegmuehle.de/2513.0.html#c8141 (16.6.2015);
JewishGen, Data-Base Würzburg, Suche nach dem Nachnamen Stern http://data.jewishgen.org/wconnect/wc.dll?jg~jgsearch~model2~[Wuerzburg]Wuerzburg (16.6.2015).
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Herr Prof.Dr. Ernstpeter Ruhe, Frau Prof.Dr. Doris Ruhe
   
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