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Alexander Hahn

   
geboren am 05.12.1871 in Heusenstamm/Krs.Offenbach
Straße  Semmelstraße 69
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
deportiert nach Auschwitz am 17.06.1943 und dort ermordet
   
Alexander Hahn, genannt Alex, kam am 5.12.1871 als einziges Kind des Kaufmanns Jakob Hahn und seiner Frau Gertrud, einer geborenen Fürth, im hessischen Heusenstamm zur Welt. 1875 zogen die Eltern mit ihrem sechsjährigen Sohn nach Frankfurt am Main.
Dort besuchte Alexander die Realschule, die er 1886 mit dem „Einjährigen“, also einem Mittleren Schulabschluss, beendete. Seine berufliche Ausbildung begann er im Manufakturwarengeschäft seines Vaters, der ihn zu seinem Nachfolger qualifizieren wollte.
Mit 23 Jahren leistete Alexander Hahn seinen Militärdienst ab. Eine Lungenkrankheit beeinträchtigte ihn so schwer, dass er nicht mehr schwer körperlich arbeiten konnte. Er brach seine Tätigkeit im väterlichen Betrieb ab. Erst 1906 war er wiederhergestellt und entschied sich gegen den Wunsch des Vaters dafür, als Versicherungskaufmann tätig zu werden. Die Versicherungsbranche hatte sich seit der Reichsgründung von 1871 als sehr dynamischer Wirtschaftszweig entwickelt.
1921 verließ der 50-jährige Alexander Hahn Frankfurt und zog nach Würzburg, um zu heiraten und eine neue Position zu übernehmen. Er trat die prestigeträchtige Stelle des Leiters der Bezirksdirektion der Allianz-Versicherung an. 1890 in München gegründet, befand sich das Unternehmen nach herben Verlusten während des Ersten Weltkriegs in den 1920er Jahren im Aufschwung.
Im gleichen Jahr heiratete er Henriette Schloss. Ihre Eltern waren der Weinhändler und Versicherungsagent Max Schloss und seine Frau Marianne, geb. Rosenfelder. Das junge Ehepaar wohnte in der Semmelstraße 69. Fünf Jahre nach der Hochzeit kam als einziges Kind die Tochter Gertrud zur Welt.
Infolge der NS-Verfolgungspolitik und der Gleichschaltung von Wirtschaft und Gesellschaft wurde Alexander Hahn im Januar 1938 nach 17 Jahren als unterfränkischer Bezirksdirektor der Allianz-Versicherung entlassen. Die Versicherung scheute sich nicht, auch direkt mit dem NS-Staat zusammenzuarbeiten und Konzentrationslager und viele sonstige Gebäude des NS-Staates gegen Schäden aller Art zu versichern.
Alexander Hahn bemühte sich nun um eine Ausreisegenehmigung für sich und seine Familie. Sein Wunschziel waren die USA, die Bemühungen führten jedoch nicht zum Erfolg. 1939 geriet er in Konflikt mit der Würzburger Gestapo. Im August wurde er am Hauptbahnhof von zwei Zivilisten festgesetzt und der Polizei übergeben, nachdem man ihn beim Abschreiben von Bekanntmachungen des örtlichen NSDAP-Ortsverbandes beobachtet hatte. Noch am selben Tag kam er wieder frei, eine Hausdurchsuchung und ein Verhör blieben ohne Folgen.
Vergleichsweise lange konnte die Familie Hahn in ihrer Wohnung in der Semmelstraße 69 bleiben, bevor auch sie am 2. März 1942 in das Sammelquartier in der Bibrastr. 6 umziehen musste. Von hier sollte sie im September 1942 nach Theresienstadt deportiert werden. Mit Vehemenz setzte sich Alexander Hahn gemeinsam mit dem Leiter der jüdischen Geschäftsstelle Iwan Schwab dafür ein, dass seine Familie aufgrund der schweren Erkrankung seiner Tochter Gertrud verschont blieb.
Tatsächlich wurde die Familie von der Liste gestrichen, die Tochter konnte ärztlich behandelt werden. Es war jedoch nur ein Aufschub für neun Monate. Denn am 17. Juni 1943 wurde die Familie Hahn mit den letzten Würzburger Juden, die nicht in Mischehe lebten, nach Auschwitz deportiert. Hier erfolgte keine Registrierung mehr, so dass davon auszugehen ist, dass auch Alexander Hahn mit seiner Familie unmittelbar nach der Ankunft ermordet wurde.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 228f.;
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 240;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de831270, (27.05.2016).
Elmar Schwinger, Deportation, Durchgangslager, Völkermord. Der Exodus der mainfränkischen Juden 1941-1944 (I), in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 66 (2014), S. 239-286, hier S. 280-284;
Elmar Schwinger, Deportation, Durchgangslager, Völkermord. Der Exodus der mainfränkischen Juden 1941-1944 (Teil 2), in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 67 (2015), S. 275-294, hier S. 294;
Gerald Feldmann, Die Allianz und die deutsche Versicherungswirtschaft 1933-1945, München 2001.
Autorin / Autor N.N. / Riccardo Altieri
Paten
   
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