Henriette Hahn, geb. Schloss

   
geboren am 01.03.1892 in Würzburg
Straße  Semmelstraße 69
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
deportiert am 17.06.1943 nach Auschwitz und dort ermordet
   
Henriette Schloß wurde am 1.3.1892 in Würzburg geboren. Ihre Eltern waren der Weinhändler und Versicherungsagent Max Schloss und dessen Frau Marianne, geb. Rosenfelder. Henriette war die älteste von drei Schwestern. Die mittlere Schwester Paula (geb. 1894) blieb ledig, während die jüngste Senta (geb. 1899) 1923 den Mönchengladbacher Kaufmann Eduard Salomon ehelichte.
Henriette war Näherin und heiratete 1921 den aus Frankfurt zugezogenen Versicherungskaufmann Alexander Hahn. Er war 21 Jahre älter als sie. Im Jahr 1926 wurde als einziges Kind die Tochter Gertrud geboren. Die Familie wohnte lange in der Semmelstraße 69, bis sie im März 1942 in das Sammelquartier in der Bibrastr. 6 umziehen musste. Henriette Hahn war wie viele andere Personen in der jüdischen Gemeinde Mitglied im Jüdischen Kulturbund, der kulturelle Veranstaltungen organisierte. Die Bemühungen der Familie um eine Emigration in die USA scheiterten.
Im September 1942 sollte Henriette mit ihrer Familie nach Theresienstadt deportiert werden. Mit Vehemenz setzten sich Alexander Hahn und seine Frau gemeinsam mit dem Leiter der jüdischen Geschäftsstelle Iwan Schwab dafür ein, dass die Familie aufgrund der schweren Erkrankung ihrer Tochter Gertrud verschont blieb.
Tatsächlich wurde die Familie von der Liste gestrichen, die Tochter konnte ärztlich behandelt werden. Es war jedoch nur ein Aufschub für neun Monate. Denn am 17. Juni 1943 wurde die Familie Hahn mit den letzten Würzburger Juden, die nicht in Mischehe lebten, nach Auschwitz deportiert. Hier erfolgte keine Registrierung mehr, so dass davon auszugehen ist, dass Henriette Hahn mit Mann und Tochter unmittelbar nach der Ankunft ermordet wurde.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 228f., 518f.;
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 240;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de831602, (27.05.2016);
Elmar Schwinger, Deportation, Durchgangslager, Völkermord. Der Exodus der mainfränkischen Juden 1941-1944 (I), in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 66 (2014), S. 239-286, hier S. 280-284;
Elmar Schwinger, Deportation, Durchgangslager, Völkermord. Der Exodus der mainfränkischen Juden 1941-1944 (Teil 2), in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 67 (2015), S. 275-294, hier S. 294.
Autorin / Autor N.N. / Riccardo Altieri
Paten Frau Regina Seubert
   
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