Frieda Heinemann, geb. Wolff

   
geboren am 11.09.1893 in Darmstadt
Straße  Augustinerstraße 4
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
TodesortRiga
   
deportiert am 27.11.1941 nach Riga und vermutlich dort ermordet
   
Frieda Heinemann wurde am 11. September 1893 als Gisela Wolff in Darmstadt geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Leopold Wolff (1849-1928) und dessen Frau Johanna, geb. Nahm (1859-1935). Sie wuchs mit zwei deutlich älteren Schwestern auf.
Im Jahr 1924 heiratete sie an ihrem Geburtsort den Kaufmann Arnold Heinemann aus Poppenlauer (1876-1941/44). Zuvor hatte sie von 1916-1920 als Hilfskrankenschwester in einem Lazarett in Darmstadt gearbeitet. Ihr deutlich älterer Bräutigam war verwitwet und hatte eine zweijährige Tochter Berta aus erster Ehe, um die sich Frieda nach der Heirat kümmerte. Die Familie lebte in Poppenlauer, 1925 und 1926 wurden Friedas eigene Kinder Kurt und Inge geboren. Wenig später, im August 1929, zog die Familie nach Würzburg in die Augustinerstr. 4. Nach dem Tod ihres Vaters lebte auch Friedas Mutter bis zu ihrem Tod 1935 mit in der Wohnung. Frieda dürfte hauptsächlich für den Haushalt der Familie zuständig gewesen sein, während ihr Mann Arnold sich als Kaufmann betätigte und in Würzburg einen Großhandel mit Tabakwaren eröffnete. Die Geschäfte liefen wohl nicht gut, er gab den Großhandel auf und arbeitete seit 1932 als Vertreter. Seit März 1940 wurde er zur Zwangsarbeit verpflichtet. Nicht viel besser erging es Friedas Sohn, während Stieftochter und Tochter in der NS-Zeit als Hausangestellte in verschiedenen Würzburger Heimen tätig waren. Im Juni 1941 musste die Familie aus ihrer Wohnung aus- und in das „Judenhaus“ Bibrastr. 17 umziehen.
Am 27.11.1941, nachdem Arnold sich drei Jahre zuvor erfolglos um die Ausreise für seine Familie bemüht hatte, wurde Frieda Heinemann gemeinsam mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in das Lager Riga-Jungfernhof deportiert. Arnold, Frieda und die Töchter überlebten die Zeit im Lager, die unmenschlichen Lebensbedingungen oder spätestens die Massenerschießungen am 26. März 1942 im nahen Wald von Bikernieki nicht, genaue Todesdaten sind jedoch nicht bekannt. Der Sohn Kurt Sußmann wurde zur Zwangsarbeit im Raum Riga eingesetzt und fast drei Jahre nach der Deportation im August 1944 von dort ins KZ Stutthof transportiert. Ob er kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee hier oder auf einem der Todesmärsche ums Leben kam, ist nicht bekannt.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, Bd. 1, S. 249;
Staatarchiv Würzburg, Gestapoakte 833;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de856187 (25.4.2016);
Elmar Schwinger, Deportation, Durchgangslager, Völkermord. Der Exodus der mainfränkischen Juden 1941-1944 (I), in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 66 (2014), S. 239-286, hier S. 267-270.
Elmar Schwinger, Deportation, Durchgangslager, Völkermord. Der Exodus der mainfränkischen Juden 1941-1944 (Teil 2), in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 67 (2015), S. 275-294, hier S. 276-283.
Andrej Angrick/ Peter Klein, Die „Endlösung“ in Riga. Ausbeutung und Vernichtung 1941-1944, Darmstadt 2006, S. 214-226, 342-345.
Margers Vestermanis, Über die Gedenkstätte der Naziopfer im Wald von Bikernieki, Riga, und zur Geschichte dieses Ortes, in: Lettischer Bote 175 (2010), übersetzt von Martin Grahl, http://www.volksbund.de/partner/deutsches-riga-komitee/ueber-die-gedenkstaette-der-naziopfer-im-wald-von-bikernieki.html (17.01.2016).
Autorin / Autor N.N. / Riccardo Altieri
Paten Frau Klara Mayer-Himmelheber, Frau Erika Mayer
   
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