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Ernestine Strauss, geb. Mayer

   
geboren am 01.04.1874 in Kitzingen (Ufr.)
Straße  Rückertstraße 7
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt und von dort am 18.05.1944 weiter nach Auschwitz deportiert und vermutlich nach wenigen Tagen ermordet
   
Ernestine Strauss wurde am 01. April 1874 in Kitzingen/Unterfranken, geboren. Ihr Vater Moses Mayer (1848-1921), in Sickershausen geboren, war Viehhändler. Ihre Mutter Ida Mayer, geb. Mainzer, stammte aus Bad Kissingen. Die Eltern heirateten in Kitzingen und erhielten das Bürgerrecht der Stadt. Zusammen mit ihrem ältesten Bruder David (geb.1873), der Schwester Jettchen (geb.1875) und dem jüngsten Bruder Sally (1878-1933) wuchs Ernestine in Kitzingen in der Rosengasse 12 auf. Es ist davon auszugehen, dass sie dort die Volksschule besucht hat. Einen Beruf erlernte sie nicht.

Ernestine brachte am 16. Juli 1895 ihre Tochter Irma in Nürnberg zur Welt. Den Vater des Mädchens, Phillip Strauss aus Schnodsenbach in Mittelfranken, heiratete sie erst einige Jahre später um 1900. Nach der Trennung von ihm zog sie mit ihrem Bruder Sally und ihrem inzwischen verwitweten Vater Moses Mayer nach Würzburg in die Rückertstraße 7. Dort betrieb Sally die Firma M.M. Schreiner- und Glasartikel, Werkzeuggroßhandlung und später auch eine Antiquitätenhandlung.

Durch immer schärfere antijüdische Gesetze konnten Juden in sog. "Judenhäusern" konzentriert werden, um sie von der übrigen Bevölkerung fern zu halten und besser kontrollieren zu können. So musste Ernestine Strauss 1939 ihre Wohnung verlassen und war dann zunächst bei ihrer Tochter Irma und dem Schwiegersohn Siegmund Eisenheimer in der Hindenburgstraße 39 (heute Friedrich-Ebert-Ring) im dritten Stock gemeldet, später bei Irma und deren zweiten Mann Wilhelm Reinstein und zuletzt im jüdischen Altersheim in der Konradstraße 3.

Am 27. November 1941 musste Ernestine Strauss die Deportation ihrer einzigen Tochter Irma miterleben, bevor auch sie am 23. September 1942 das gleiche Schicksal ereilte. Vom Sammelpunkt am Platz'schen Garten wurde sie über den Verladebahnhof Aumühle nach Theresienstadt und von dort am 18. Mai 1944 weiter nach Auschwitz deportiert. Hier wurde die 70-Jährige vermutlich sogleich ermordet.
   
Quelle Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1939-1941;
Stadtarchiv Kitzingen, Korrespondenz vom 10.01.2011;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 613, 453 f., T. 1, S. 130;
Dieter W. Rockenmaier, Das Dritte Reich in Würzburg. Versuch einer Bestandsaufnahme, 3. Aufl., Würzburg 1988;
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09. – 24.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-23.jpg (22.06.2016).
Autorin / Autor Martina Buller, Ingrid Sontag
Paten
   
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