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Henny Ullmann

 
geboren am 04.07.1906 in Würzburg
Straße  Reibeltgasse 12
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatum01.10.1944
TodesortKZ Stutthoff
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof und Ende September 1944 aus dem Raum Riga ins KZ Stutthof deportiert, dort am 01.10.1944 ermordet
   
Henny Ullmann war die Tochter des Weinhändlers Simon Ullmann (1856-1910) und seiner Frau Peppi, geb. Sänger (1871-1946), die aus dem schwäbischen Ichenhausen bzw. Buttenwiesen stammten und 1898 von Zell nach Würzburg gezogen waren. Die Familie Ullmann lebte bis in die 1930er-Jahre in der Reibeltgasse 12. Von den fünf Kindern, die das Erwachsenenalter erreichten, waren Julius 1899, Henny und ihr Zwillingsbruder Jonny 1906, Theodor 1908 und 1909 Martha auf die Welt gekommen. Aus der ersten Ehe des Vaters mit Jette Rosenbaum aus Zell gab es drei Stiefschwestern.
Henny Ullmann besuchte von 1919 bis 1922 die Höhere Töchterschule von Georg Beyl in Würzburg, die sie mit sehr gutem Abschlusszeugnis verließ. Von 1926 bis Ende 1938 war sie Sekretärin und Buchhalterin an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt (ILBA). Nach der Schließung dieser Einrichtung, die ihr „rasche Auffassungsgabe“ und „seltene Intelligenz“ attestierte und betonte, dass sie „eine selbständige und erstklassige Kraft“ gewesen sei, war sie für die Israelitische Kultusgemeinde als Sekretärin und Fürsorgerin im Landbezirk Würzburg tätig.
Henny Ullmann war Mitglied einer orthodox-zionistischen Jugendgruppe (Brith Chaluzim Dathiim), aktives Mitglied des jüdischen Turn- und Sportvereins Würzburg und wohnte mit der Mutter und der Stiefschwester Gitta ab 1935 in der Ludwigstraße 10. Seit 1937 sind Auswanderungsbemühungen dokumentiert. Schon 1933 besuchte sie nach Angaben des Bundesarchivs Palästina; nach Aussage der Familie war dies erst um 1938 der Fall. Während ihre Mutter, ihre Geschwister und die Halbschwester Gitta in Palästina blieben, kehrte Henny wieder nach Würzburg zurück und wohnte ab 1938 bei Klara Sachs in der Neutorstraße 5 zur Untermiete. Eine Auswanderung gelang jedenfalls nicht mehr. Wie viele Würzburger musste sie Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen von Bekleidung erdulden, nachdem sonstige Wertgegenstände nicht bei ihr gefunden wurden.
Von ihrem letzten Wohnort am Friedrich-Ebert-Ring 21 musste sich Henny Ullmann zur Stadthalle begeben und von dort zur Aumühle marschieren, von wo sie am 27. November 1941, gemeinsam mit ihrem Freund Erich Schloss (1912-1990) deportiert wurde. Von ihm wurde sie erst 1944 bei ihrer Ankunft in Stutthof getrennt.
Aus den Akten geht hervor, dass sie sich freiwillig zur Deportation gemeldet hatte. Während des Transports war sie als "Fürsorge- und Schreibkraft" eingeteilt. Am 2. Dezember 1941 kam der Zug am Bahnhof Riga-Skirotava an und von dort aus mussten die Verschleppten ins Lager Jungfernhof bei Riga marschieren. Dort gab es kaum menschenwürdige Unterbringungsmöglichkeiten, so dass viele schon im ersten Winter an Erfrierungen und Entkräftung starben. Henny wurde erst dem jüdischen Lagerältesten Gustav Kleemann aus Würzburg als Sekretärin zugeteilt. Nachdem sie den Massenerschießungen der Aktion Dünamünde im März 1942 entgangen war, arbeitete sie ab Sommer 1942 wie Erich Schloss in der Küche. Zwischen April 1943 und September 1944 wurde sie zu verschiedenen Zwangsarbeiten in mehrere Lager im Raum Riga gebracht, bis sie Ende September 1944 zusammen mit Erich in das KZ Stutthof deportiert wurde. Am 01. Oktober kam sie dort an und ließ sich als Henny Schloss, geb. Ullmann registrieren. Sie hatte das Pech, nicht wie andere Frauen ihrer Gruppe ins Arbeitslager von Thorn verlegt zu werden. Dort haben die meisten Frauen überlebt. Henny soll noch im Februar 1945 in Stutthof gesehen worden sein. Es ist nicht gesichert, ob sie schon am Tag der Einlieferung, ob in Folge von Krankheit und Unterernährung oder Misshandlungen oder erst auf einem der Todesmärsche ins Reich umkam.
Erich Schloss konnte im März 1945 zur russischen Armee fliehen und emigrierte im Juli 1946 nach New York, wo er im Jahr 1990 starb.

Biographie erstellt September 2006, ergänzt Oktober 2018.
   
Quelle Mitteilungen der Familie (Israel);
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 16210; 18874, fol. 18 und 59; Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1898-1941;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 637;
Ingrid Heeg-Engelhart, Henny Ullmann 1906-1945. Zum Lebens- und Leidensweg einer Würzburger Jüdin, in: Mainfränkisches Jahrbuch 59 (2007), S. 376-402;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/983680 (26.06.2016);
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Eric (Erich Schloss, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/ (29.10.2018);
Informationen zu Eric Schloss bei Genealogy- Geni https://www.geni.com/people/Erich-Schloss/6000000004064337255 (29.10.2018).
Autorin / Autor Ingrid Heeg-Engelhart
Paten Frau Dr. Ingrid Heeg-Engelhart
   
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