Alfred Schwind

   
geboren am 15.09.1876 in Mainz
Straße  Grombühlstraße 8 1/2
Stadtteil
Deportationsdatum04.07.1941
Todesdatum04.07.1941
TodesortHartheim
   
ledig, katholisch, Dolmetscher,
12.07.1912 Psychiatrische Klinik München
27.07.1912 Heil- und Pflegeanstalt Werneck
30.11.1912 Heil- und Pflegeanstalt Lohr
26.02.1939 Wohltätigkeits- und Pflegeanstalt der Barmherzigen Brüder Reichenbach/Oberpfalz
17.05.1941 Kreis- Heil- und Pflegeanstalt Mainkofen
04.07.1941 Tötungsanstalt Hartheim/Linz
   
Alfred wird als uneheliches Kind der Näherin Helene Schwind am 15.09.1876 in Mainz geboren. Der Vater ist unbekannt. Die Mutter wohnt mit ihm und seiner 1880 geborenen Stiefschwester Gertrud in Heidingsfeld. Da Alfred in der Volksschule gut lernt, besucht er zunächst das Gymnasium in Würzburg, das er aber wegen unerlaubten Entfernens von der Schule nach der 4. Klasse verlassen muss. Ein Jahr später wird er wegen Tierquälerei vom Gymnasium Münnerstadt verwiesen. Mit 17 Jahren, etwa 1893, brennt er nach Angabe seiner Stiefschwester heimlich von zu Hause durch und verdient sich auf Kuba 2 Jahre lang seinen Lebensunterhalt als Hafenarbeiter.
Kurzfristig ist er dann 1895 wieder in Würzburg gemeldet, kehrt aber nach Südamerika zurück.
Auch in den folgenden Jahren lebt er in Südamerika (Jamaika, Panama, Costa Rica, Equador), wo er nach seinen Angaben als Übersetzer bzw. Dolmetscher viel Geld verdient.
Am 10.07.1912 taucht er plötzlich unerwartet, verwahrlost und wirr redend bei seiner Stiefschwester Gertrud auf, die in München mit einem Arzt verheiratet ist. Kurz darauf wird er am 12.07.1912 wegen Gemeingefährlichkeit polizeilich in die Psychiatrische Klinik München eingeliefert und von hier aus am 27.07.1912 nach Werneck überwiesen. Schon am 30.11.1912 bringt man ihn wohl auf Wunsch der Familie in die Heil- und Pflegeanstalt Lohr, wo er zu groben und mechanischen Arbeiten in der Landwirtschaft verwendet wird. Dies ist laut ärztlichem Zeugnis ab 1924 nicht mehr möglich. Am 26.02.1939 steht in seiner Krankenakte vermerkt: "Wird heute in die Pflegeanstalt Reichenbach in der Oberpfalz verlegt. Wird im Wagen des Landesfürsorgeverbandes Würzburg abgeholt." Mit einem Sammeltransport kommt er am 17.05.1941 in Heil- und Pflegeanstalt Mainkofen und von dort aus mit dem T4-Transport Nr.5 am 04.07.1941 nach Hartheim bei Linz, wo er noch am selben Tag getötet wird.
   
Quelle BA Berlin R 179, Archivnr. 20552
Standbuch des Bezirkskrankenhauses Werneck Aufnahmenr.4410
Bewohnerbuch der Wohltätigkeits- und Pflegeanstalt der Barmherzigen Brüder Reichenbach
Hauptbuch Mainkofen
Stadtarchiv Würzburg: Einwohnermeldebögen, Grundlisten
Autorin / Autor Inge Kaesemann
Paten
   
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