Clothilde Rund, geb. Goldschmidt

   
geboren am 02.02.1872 in Würzburg
Straße  Neubaustraße 14
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum31.07.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortTreblinka
   
deportiert am 31.07.1942 von Berlin nach Theresienstadt, am 26. September 1942 weiter nach Treblinka und dort ermordet
   
Clothilde Rund wurde am 02. Februar 1872 als Tochter von Louis Goldschmidt und seiner Frau Pauline, geb. Müller, geboren. Sie wuchs mit vier Schwestern und einem Bruder, geboren zwischen 1870 und 1878, in Würzburg auf.
Vermutlich als Lehrling war ihr Vater als 16-Jähriger 1856 von Hirschaid/Ofr. nach Würzburg gekommen und hatte als Buchhalter und Bankier bei Moritz von Hirsch gearbeitet. Später wurde er Weinhändler und übernahm die Fa. Leonhard Müller. Auch zwei jüngere Brüder von ihm, Adolf und Felix, zogen 1869 bzw. 1888 nach Würzburg. Adolf wurde zunächst Kassier im Bankhaus Hirsch, eröffnete dann ein eigenes Bankgeschäft, in dem auch Felix arbeitete. Beide machten sich später wie Louis im Weinhandel selbständig – eine typische Zuzugs- und Erfolgsgeschichte dieser Zeit.
Clothilde besuchte die Klosterschule gegenüber ihrem Elternhaus und wurde dort als Lehrerin für Englisch und Französisch ausgebildet. 1896 heiratete sie Emanuel Maximilian Rund (Jg. 1870) und zog mit ihm nach Berlin in die Kaiserstraße, ab 1935 in die Marsiliusstr. 9 – Straßen, die es heute beide nicht mehr gibt. Max Rund führte eine Schneiderei am Alexanderplatz, doch er war kein Schneider, sondern beschäftigte sich mit Erfindungen. Er starb am 26.1.1937 an einem Herzschlag.
Clothilde bekam drei Kinder: Ilse, geb. 1898, Kaethe, geb. 1900 (oder 1903), und Arno, geb. 1902, und kümmerte sich wohl um Kinder und Haushalt. Ilse reagierte als Erste auf die Bedrohung durch die NS-Politik und wanderte mit ihrer Tochter 1934 nach Palästina aus. Ihr Bruder Arno folgte ihr 1939. Käthe blieb wie die Mutter in Berlin und wurde ein Dreivierteljahr nach der Mutter ebenfalls nach Theresienstadt und von dort über Auschwitz ins KZ Stutthof deportiert, wo sie im August 1944 ermordet wurde.
Clothilde Rund, die auch als Witwe in der Marsiliusstr. 9 geblieben war, wurde am 31. Juli 1942 nach Theresienstadt und von dort zwei Monate später in einem Transport mit fast 2.000 Personen nach Treblinka deportiert und direkt ermordet. Ein ähnliches Schicksal traf ihre Schwester Bertha, ebenfalls eine verheiratete Rund, die im August 1942 von Berlin nach Theresienstadt deportiert wurde und dort zwei Monate später starb.
   
Quelle Information from granddaughter Ellen Stein;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900- 1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 198;
Memorial Book Victims of the Persecution of Jews Under the National Socialist Tyranny in Germany 1933-1945, http://bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html.de (11/02/2014);
Vad Vashem – The Central Database of Shoa Victims‘ Names, http://db.yadvashem.org/names (11/02/2014); (two pages of testimony by daughter Ilse Deutsch from 1951 and by son Erno (Arno) Rund from 1955);
http://www.holocaust.cz/de/victims/PERSON.ITI.605190 (11.2. 2014).
Photo: Ellen Stein
Autorin / Autor Rotraud Ries
Paten Frau Martina Wernli
   
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